Allen anderslautenden Beteuerungen der letzten Zeit zum Trotz greift das russische Militär seit nunmehr fünf Tagen mit einer Großoffensive die benachbarte Ukraine an. Besonders zwei Städte sind derzeit im Visier von Putins Streitmacht, die heftigen Kämpfe dauern an und die Fluchtbewegung aus dem Land erreicht auch Westeuropa und Deutschland. Die Lage ist dynamisch und unüberschaubar. Außerdem: Sachsen hat wieder einmal eine neue Corona-Verordnung beschlossen. Die LZ fasst zusammen, was am Dienstag, dem 1. März 2022, in Leipzig, Sachsen und darüber hinaus wichtig war.

Bilder vom Dienstag: Militärkonvoi rollt auf Kiew zu

Ein Angriffskrieg auf europäischem Boden, direkt vor der Haustür von EU und NATO – was trotz schwelender Krise bis vor kurzem absurd schien, ist mit dem militärischen Überfall der russischen Führung auf den Nachbarstaat Ukraine am vergangenen Donnerstag bittere Realität geworden. Hunderttausende Bürgerinnen und Bürger des Landes sind auf der Flucht, besonders in der Hauptstadt Kiew sowie in Charkiw im Osten des Landes toben aktuell weiterhin heftige Gefechte.

Nachdem der erste Vorstoß der russischen Streitmacht ins Stocken geraten und das wahrscheinliche Kalkül von Russlands Präsident Wladimir Putin (69) auf einen raschen Sieg gescheitert ist, wird nun eine zweite und noch brutalere Attacke befürchtet. Bilder vom heutigen Dienstag zeigen offenbar einen mehr als 60 Kilometer langen Konvoi vor den Toren Kiews.

Beobachter befürchten nun, dass ein wirklich massiver Angriff auf die ukrainische Hauptstadt erst noch bevorstehen könnte. Damit würde auch der Krieg nach Expertenmeinung womöglich eine neue Stufe an Gewalt und Zerstörung erreichen.

Friedensgespräche und Geldangebot – doch nur wenig Hoffnung

Währenddessen wurde laut ukrainischem Innenministerium am Dienstag der Kiewer Fernsehturm von russischer Seite beschossen, das Zentrum der zweitgrößten Stadt Charkiw sei von Raketeneinschlägen betroffen gewesen. Heftiger Beschuss mit Toten und Verletzten wurde auch aus der Stadt Mariupol gemeldet.

Nach allgemeiner Lesart hat sich Russlands Führungselite schwer verkalkuliert, als es um die Verteidigungsbereitschaft des ukrainischen Militärs und der Zivilbevölkerung ging. Unbeirrt davon jedoch setzt die Regierung ihren Kriegskurs fort, um eine angebliche Bedrohung durch den Westen abzuwehren.

Die Armee werde ihre Angriffe weiterführen, bis alle Ziele erreicht sind, sagte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoiku (66) am Dienstag. Ein Durchbruch bei der zweiten Runde von Friedensverhandlungen, laut Insidern für den morgigen Mittwoch angesetzt, ist vor diesem Hintergrund eher unwahrscheinlich.

Auch der neueste Schritt der Ukraine, russischen Soldaten Geld und Straffreiheit für eine Kapitulation anzubieten, wird den Krieg wohl nicht stoppen. Laut ukrainischer Seite beteiligen sich nun auch Truppen des belarussischen Machthabers Alexander Lukaschenko an der Invasion.

Wenn ein Außenminister spricht – und (fast) keiner zuhört

Russlands Außenminister Sergej Lawrow (71) hielt – für viele nur purer Zynismus – am Dienstag per Video-Zuschaltung eine Rede vor dem UN-Menschenrechtsrat in Genf. Seinen massiven Vorwürfen gegen die ukrainische Führung und den Westen hörten nur wenige Abgesandte zu, darunter China und Nicaragua. Die meisten Delegierten dagegen hatten den Saal aus Protest gegen die „Verdrehung von Tatsachen“ verlassen.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (63) hat indes 500 Millionen Euro an humanitärer Hilfe für Flüchtlinge aus der Ukraine angekündigt. Bei einer Sondersitzung des Europäischen Parlaments war auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (44) aus seinem Land zugeschaltet und bekam minutenlangen Applaus als Zeichen der Solidarität. Dieser hatte kurz zuvor mehrfach um Aufnahme seines Landes in die EU gebeten. Heute telefonierte er mit dem deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz (63).

UN: 677.000 Geflüchtete – und das dürfte erst der Anfang sein

Nach aktuellen Zahlen der UN sind etwa 677.000 Menschen aus der Ukraine bereits auf der Flucht Richtung Westen, allein im benachbarten Polen kamen etwa 400.000 auf der Suche nach Schutz und Hilfe an. Auch die deutschen Bundesländer bereiten sich schon auf einen erhöhten Zustrom Schutzsuchender vor.

Die Lage bleibt weiter dynamisch und kann sich rasch ändern. Nicht alle Informationen aus der Ukraine sind derzeit von unabhängiger Seite überprüfbar.

Corona: Sachsen plant deutliche Lockerungen ab Freitag

Die Schreckensmeldungen aus einem Land, das bis vor kurzem noch in weniger als zwei Flugstunden zu erreichen war, bestimmen derzeit die Schlagzeilen und lassen die Corona-Pandemie beinahe in den Hintergrund treten.

Trotz einer aktuellen Inzidenz von über 1.000 in allen Landkreisen von Sachsen beschloss das Regierungskabinett am Dienstag umfassende Lockerungen, die bereits ab kommendem Freitag gelten sollen, vorerst bis 19. März.

Unter anderem dürfen Diskotheken und Klubs ihre Pforten wieder öffnen, in einigen Bereichen entfällt ein 3G-Nachweis und neue Regelungen für Großveranstaltungen treten in Kraft. Auch Kitas und Schulen sollen in den Regelbetrieb zurückkehren. Allgemein gilt: Komplette Schließungen gibt es unter den gelockerten Regeln faktisch keine mehr.

Alle Details, was ab Freitag gilt, sind hier nachzulesen.

Einsamkeit, Energiekrise und Mitteldeutschland

Worüber die LZ heute berichtet hat: Pfarrer Andreas Dohrn sprach mit unserer Kollegin Antonia Weber unter anderem über Einsamkeit. Das wird dann auch im Text von Birthe Kleemann noch einmal vertieft. Es ist ein in den westlichen Gesellschaften vielfach unterschätztes Problem, das sehr viele Menschen betrifft. Großbritannien hat, nur nebenbei, seit 2018 sogar ein eigenes Ministerium, dass sich der komplexen Herausforderung annimmt und Menschen aus der Isolation helfen will.

Ein weiteres Thema, das auch mit dem Russland-Konflikt neue Nahrung erhält, beschreibt Maren Wilczek sehr lebensnah, nämlich die Energieversorgung.

Ralf Julke hat eine interessante, neue Buchrezension im Angebot: Was bedeutet eigentlich mitteldeutsch?

Und welche Auswirkungen der Ukrainekrieg auf Sachsen haben wird – damit hat sich das Sächsische Landeskabinett am heutigen Tag beschäftigt, zusammengefasst von René Loch.

Neues Geld für Corona-Impfungen und Wende im doppelten Polizistenmord

Was heute sonst noch wichtig war: Deutschland will 1,3 Milliarden Euro für Corona-Impfungen in ärmeren Ländern bereitstellen.

Rund vier Wochen nach der brutalen Tötung zweier junger Polizisten in der Pfalz steht nun nur noch einer der inhaftierten Verdächtigen unter Mordverdacht.

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