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Nahezu unscheinbar, vor der Alten Messe gelegen, ruht nicht weniger, als das Gedächtnis unserer gesamten Nation. Selbst viele Leipziger wissen es nicht, was sich heute ändern ließe. LZ verrät, wie es geht. Die Bahn schafft und schraubt –  und wer einem hässlichen Geheimnis dieser Stadt auf die Spur kommen will, muss heute den Besen schwingen.

Lebe ewig, altes Haus!

Deutschlands Gedächtnis mag alt sein, aber noch kann es  Geburtstag feiern! Genau 110 Jahre nach der Einweihung ihres historischen Gebäudes in Leipzig lädt die Deutsche Nationalbibliothek heute zu einem besonderen Besuchstag ein. Von 9 bis 18 Uhr können Gäste bei freiem Eintritt die Geschichte und Architektur des Hauses sowie Bereiche kennenlernen, die sonst nicht ohne Weiteres zugänglich sind.

Insgesamt sind fünf Führungen geplant. Den Anfang macht um 9 Uhr „Hidden Places. Führung zu den verborgenen Orten der Deutschen Nationalbibliothek“. Treffpunkt: Museumsfoyer, Deutsches Buch- und Schriftmuseum (Neubau links neben dem Hauptgebäude). Die Teilnehmer erhalten dabei Einblicke hinter die Kulissen des mehr als 600 Räume umfassenden Hauses.

Um 11 Uhr beginnt im Foyer des historischen Gebäudes eine Führung durch den denkmalgeschützten Altbau und den modernen Erweiterungsbau. „Hidden Places“ wird um 13 Uhr ein zweites Mal angeboten, wiederum ab Museumsfoyer. Um 16 Uhr beginnen dort parallel zwei weitere Rundgänge, sodass Besucher sich für eines der Angebote entscheiden müssen: „Die Architektur der Deutschen Nationalbibliothek im Wandel der Zeiten“ verfolgt die bauliche Entwicklung von Oskar Pusch bis Gabriele Glöckler. Gleichzeitig führt DNB-Direktor Johannes Neuer unter dem Titel „Bauen für die Ewigkeit“ durch das Haus. Eine zusätzliche Führungsgebühr ist für die Jubiläumsangebote nicht ausgewiesen.

Der Gründungsbau war von 1914 bis 1916 unter Leitung von Baurat Karl-Julius Baer nach Entwürfen des Architekten Oskar Pusch entstanden. Die Hauptfassade zum Deutschen Platz misst rund 120 Meter, der ursprüngliche Baukörper ist etwa 22 Meter hoch. Pusch plante bereits mit Blick auf den dauerhaft wachsenden Bibliotheksbestand und den daraus entstehenden zusätzlichen Raumbedarf. Wie sich der Standort seither verändert hat, zeigen die späteren Erweiterungen, darunter der von Gabriele Glöckler entworfene und 2011 eröffnete vierte Erweiterungsbau.

Auch 110 Jahre nach der Einweihung bleibt Platzmangel ein drängendes Thema: Die Leipziger Magazine der Deutschen Nationalbibliothek nähern sich erneut ihren Kapazitätsgrenzen. Geplant ist deshalb ein fünfter Erweiterungsbau mit rund 17.000 Quadratmetern Nutzfläche. Er soll Platz für weitere 35,5 Millionen Medienwerke beziehungsweise 148 Regalkilometer schaffen. Die derzeit veranschlagten Gesamtkosten betragen 156 Millionen Euro; über die Finanzierung muss der Bundestag noch entscheiden.

Damit richtet der Aktionstag den Blick nicht nur auf die Eröffnung vom 2. September 1916, sondern zugleich auf die Zukunft eines Bibliotheksstandorts, dessen Bestände stets weiterwachsen. Das wiederum ist Teil ihres gesetzlichen Auftrags. Seit 1913 in Deutschland veröffentlichte Medienwerke müssen von der Bibliothek gesammelt, erschlossen, bibliografisch verzeichnet und dauerhaft gesichert werden; hinzu kommen unter anderem im Ausland erschienene deutschsprachige Medienwerke, Übersetzungen deutschsprachiger Werke sowie fremdsprachige Veröffentlichungen über Deutschland.

Die Sammlung umfasst dabei inzwischen nicht nur Gedrucktes, sondern auch digitale Veröffentlichungen. Wer ein ablieferungspflichtiges Medienwerk verbreiten oder öffentlich zugänglich machen darf und seinen Sitz, eine Betriebsstätte oder seinen Hauptwohnsitz in Deutschland hat, unterliegt grundsätzlich der gesetzlichen Ablieferungspflicht.

Auf diese Weise soll das publizierte kulturelle Erbe dauerhaft erhalten und für die Allgemeinheit nutzbar gemacht werden – und mit jeder neuen Veröffentlichung wächst zugleich der Platzbedarf der Nationalbibliothek.

Der Ur-Bau der Deutsche Nationalbibliothek wurde vor 110 Jahren eingeweiht. Foto: Benjamin Weinkauf

Fahr nicht in die Stadt, heut Nacht

Auch heute heißt es mal wieder: Nachteulen aufgepasst! Denn nicht jede gewohnte Reise folgt bewährter Route. Fahrgäste der Regionalexpress-Linie RE 50 Leipzig–Riesa–Dresden müssen ab dem Abend mit Einschränkungen im Leipziger Osten rechnen.

Wegen Bauarbeiten zwischen Borsdorf (Sachs) und Leipzig Hauptbahnhof halten in der Nacht zum Donnerstag sechs Züge nicht in Leipzig-Engelsdorf. Nach der detaillierten Bauinformation gelten die Änderungen von heute, 2. September, 21:45 Uhr, bis Donnerstag, 3. September, 4 Uhr. Betroffen sind ausschließlich die RE-50-Züge 16537, 16539, 16501, 16534, 16536 und 16538. Der Halt entfällt also nicht bei allen Verbindungen der Linie in dieser Nacht.

Für Reisende ist Ersatzverkehr mit Bussen vorgesehen. Besondere Aufmerksamkeit ist bei der Verbindungssuche erforderlich, weil die Änderungen möglicherweise nicht in den regulären elektronischen Auskünften erscheinen. Der Verkehrsverbund Oberelbe warnt ausdrücklich: „Bitte beachten Sie, dass die Auswirkungen dieser Fahrplanänderung derzeit nicht von der Fahrplanauskunft berücksichtigt werden.“ Die betroffene Linie RE50 wird von DB Regio AG Südost betrieben. Als Ursache nennt die Verkehrsmeldung „Bauarbeiten zwischen Borsdorf (Sachs) und Leipzig Hauptbahnhof“.

Die Deutsche Bahn stellt für Sachsen grundsätzlich eine offizielle Übersicht baubedingter Fahrplanänderungen bereit und empfiehlt Fahrgästen unter anderem, aktuelle Änderungen im DB Navigator zu verfolgen.

Lässt zumindest in Engelsdorf heute Nacht nicht immer alle einsteigen. Der Regionalexpress-Linie RE 50 hat leichte Aussetzer. Symbolbild: Lucas Böhme

Tatsächlich schrecklich interessant

Diese kleine Reise begibt sich auf große, dunkle Spuren. Dabei zu sein, bedarf keiner Zauberkünste, sondern nur einer pünktlichen Anmeldung. Wer am Freitag den Stadtrundgang „Frauenalltag und Hexenverfolgung in Mittelalter und Früher Neuzeit“ besuchen will, hat nur noch heute die Möglichkeit, eines der begehrten Tickets zu reservieren.

Die Führung mit Christiane Dietering und Christine Rietzke vom Arbeitskreis Aufarbeitung Hexenverfolgung des Soziokulturellen Zentrums Frauenkultur Leipzig beginnt am 4. September um 16 Uhr am Brunnen auf dem Nikolaikirchhof und endet um 18 Uhr. Im Mittelpunkt stehen der Alltag von Frauen im Mittelalter, die brutale und über Jahrhunderte betriebene Hexenverfolgung sowie regionale und überregionale Zusammenhänge.

Unter dem Leitgedanken „…und was uns aus dieser Zeit bis ins Heute begleitet“ geht es auch um bis heute verbreitete falsche Vorstellungen über die Epoche. Der Arbeitskreis beschäftigt sich längerfristig mit der Hexenverfolgung in Leipzig und Sachsen, dem dabei begangenen Unrecht und der Frage nach einer Rehabilitierung unschuldig ermordeter Frauen und Männer.

Die Teilnahme am Rundgang kostet 8 Euro, ermäßigt 6 Euro. Für Anmeldung, Kontakt und Rückfragen gibt die Frauenkultur Leipzig hallo@frauenkultur-leipzig.de an.

 

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