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Wie aus einem Kunstwerk des Bildermuseums ein neuer Star im Antikenmuseum der Uni Leipzig wurde

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    Manchmal bringen Ausstellungen Dinge in Bewegung, mit denen die Planer gar nicht gerechnet haben. Die Wissenschaftler müssen wieder mal in die Archive, filzen die Bestände und kommen ins Stutzen. Zum Beispiel, wenn sie eine kleine alte Statue in die Hand nehmen. "Passt die vielleicht in unsere Bernini-Ausstellung?" - "Das ist doch kein Bernini!" - "Aber was ist es dann?"

    So ungefähr muss sich das 2013/2014 abgespielt haben, als die Mitarbeiter des Museums der bildenden Künste die große Bernini-Ausstellung vorbereiteten. Die kleine Statue gehört schon lange zu den Leipziger Hinguckern, die immer mal wieder auftauchen. Nur ging es ihr wie so vielen Kunstwerken, die Leipziger Bürger im 18. Jahrhundert gesammelt haben: Niemand wusste, wo sie wirklich herkam, von welchem Künstler sie stammte oder wie alt sie wahr.

    Wie alt diese kleine, 23,5 Zentimeter hohe Bronzestatuette mit dem Titel „Perseus mit dem Medusenhaupt“ tatsächlich ist, wissen die Leipziger Forscher nun seit 2014. Im damaligen Katalog zur Bernini-Ausstellung tauchte sie auf, quasi als eines der Vorbilder für diverse Arbeiten Berninis. Aber auch damals war die kleine Statue schon richtig alt. 3. oder 4. Jahrhundert vor Christus, gab der Katalog an. Das war 2014 eine neue Nachricht. Die Kenner der Materie wird sie überrascht haben.

    Außer jene Experten, die Leipzig noch in seinen Mauern beherbergt – die klassischen Archäologen (die ja bekanntlich auf der Streichliste der Uni Leipzig stehen, eines von vielen Opfern einer sächsischen Sparpolitik, die eben nicht nur „Blütenfächer“ trifft, sondern markante Forschungsgebiete, mit denen Leipzig überregional seit Jahrzehnten für sich wirbt).

    Und was ist schöner, als wenn klassische Archäologen den Kollegen aus dem städtischen Bildermuseum helfen können, den Ursprung einer kleinen Plastik zu ermitteln?

    Am Mittwoch, 9. Dezember, bezog die kleine Figur nämlich einen neuen Platz – im Antikenmuseum der Uni Leipzig in der Alten Nikolaischule.

    „Wir dürfen uns glücklich schätzen, bei dieser Statuette nicht nur zur Aufklärung beigetragen zu haben, sondern dieses wissenschaftlich bedeutende Objekt ab sofort auch bei uns zeigen zu können“, sagte bei der Gelegenheit Prof. Dr. Hans-Ulrich Cain, Direktor des Instituts für Klassische Archäologie und des Antikenmuseums der Universität Leipzig.

    Sein Amtskollege Dr. Hans-Werner Schmidt, Direktor des Museums der bildenden Künste, erklärte bei der ganz offiziellen Übergabe: „Ich freue mich, dass wir erneut dazu beitragen können, die schöne Ausstellung im Antikenmuseum weiter zu bereichern. Unsere beiden Häuser arbeiten seit vielen Jahren sehr gut zusammen. Wir haben den Kollegen nunmehr ein halbes Dutzend Dauerleihgaben sowie neun Objekte zur Nutzung auf Dauer überlassen.“

    Prof. Dr. Thomas Hofsäss, Prorektor der Universität Leipzig für Bildung und Internationales, ergänzte: „Auch diese neue Dauerleihgabe zeigt, dass die enge Kooperation zwischen Universität und Stadt Leipzig an vielen Stellen gelebt wird. Die Originale und Kopien antiker Werke können an der Universität nicht nur gezeigt, sondern für Lehre und Forschung gut genutzt werden.“

    Beim „Leipziger Perseus“ handelt es sich um ein Kleinod etruskischer Bronzekunst.

    Bis 2014 galt die Statuette als moderne Neuschöpfung des 19. Jahrhunderts, so modern wirkt sie auf den ersten Blick. Bei der Vorbereitung der Ausstellung „Bernini. Erfinder des barocken Rom“ stieß die Leiterin der Graphischen Sammlung des Museums der bildenden Künste und Kuratorin der Ausstellung, Dr. Jeannette Stoschek, auf das Werk. Sie war es, die das oben angedeutete „Hoppla!“ sagte.

    „Im April 2014 wurden wir dann um eine Expertise gebeten“, sagte Dr. Hans-Peter Müller, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Klassische Archäologie. „Wir haben einen Fachmann für antike Bronzen, Dr. Norbert Franken, und den Metallrestaurator Uwe Peltz von der Antikensammlung an den Staatlichen Museen zu Berlin hinzugezogen. Es stellte sich heraus, dass es sich um eine originale antike Statuette handelt. Gewissheit hat vor allem eine mikroskopische Untersuchung gebracht, mit der eine archäologische Korrosionskruste nachgewiesen werden konnte.“

    Aber selbst die jüngere Geschichte der kleinen Figur ist recht abenteuerlich.

    Der "Leipziger Perseus". Foto: Swen Reichhold
    Der „Leipziger Perseus“. Foto: Swen Reichhold

    Die Statuette war 1952 aus dem Altbestand der Leipziger Stadtbibliothek vom Museum der bildenden Künste übernommen worden. Nach Leipzig kam sie vermutlich 1714 auf Initiative des Ratsbibliothekars Gottfried Christian Götze beim Ankauf eines Konvoluts von Zeichnungen und Kleinbronzen für das Kunstkabinett der Leipziger Ratsbibliothek. Einzelheiten zur Sammlungsgeschichte ließen sich aber bisher nicht ermitteln.

    „Somit können wir nur spekulieren, wem der ‚Leipziger Perseus‘ früher gehörte. In Frage kämen beispielsweise aristokratische Familien in Rom. Nicht auszuschließen ist auch, dass er zur Sammlung Christinas von Schweden gehörte, schwedische Königin von 1632 bis 1654“, erklärte Hans-Peter Müller.

    Dargestellt ist Perseus, Sohn des Zeus, einer der berühmtesten Helden in der griechischen Mythologie, der in der ausgestreckten Linken das Haupt der Medusa hält. Perseus soll der schrecklichsten der drei Schwestern der Gorgonen, bei deren Anblick jeder zu Stein verwandelt wurde, den Kopf abgeschlagen haben. Entstanden sein dürfte das Kunstwerk um die Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr. in Mittelitalien. Der antike Typus des triumphierenden Helden inspirierte laut Müller wohl auch eine der bedeutendsten Plastiken der italienischen Renaissance, das von Benvenuto Cellini in der Mitte des 16. Jahrhunderts für die Arkaden der Loggia dei Lanzi in Florenz geschaffene Bronzestandbild des Perseus.

    Das Leipziger Museum der bildenden Künste überlässt dem Antikenmuseum der Universität Leipzig die kleine Statue als attraktive Dauerleihgabe. Der „Leipziger Perseus“ ist ab sofort in der Dauerausstellung des Antikenmuseums zu sehen.

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