Wie Buchillustrationen die Weltwahrnehmung in der Reformationszeit veränderten

Natürlich kann man in der Buchstadt Leipzig kein Lutherjahr begehen, ohne auf die Rolle des Buches in Luthers Wirken einzugehen. Und genau das tut ab Freitag, 10. März, eine Bibliothek, wo man weiß, worum es geht und über die richtigen Bestände dazu verfügt. Die Universitätsbibliothek lädt ein zur Ausstellungseröffnung „Bildwechsel. Buchillustration in der Reformationszeit“.
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In der Bibliotheca Albertina der Universität Leipzig in der Beethovenstraße 6 ist ab Samstag, 10. März, die neue Ausstellung „Bildwechsel. Buchillustration in der Reformationszeit“ zu sehen.

Denn wenn man über die Reformation und ihre europaweite Wirkung nachdenkt, dann kommt man um die Rolle der damals neuen Medien nicht herum. Gutenbergs Buchdruck mit beweglichen Lettern änderte nicht nur den Buchmarkt komplett – erschuf ihn geradezu. Denn mit den von Hand geschriebenen Büchern davor war schlicht kein Buchhandel möglich. Aber nicht nur das – für Gutbetuchte nun bezahlbare – Buch wurde zum wirksamen Massenprodukt, es entstand quasi nebenbei auch noch eine ganze neue Welt der kleinen Drucke und Schriften, deren riesige Auflagen sich in Windeseile verbreiteten und die Diskussionen um die Reformation im ganzen Reich befeuerten.

Und davon ist ein besonderer Aspekt in der Universitätsbibliothek zu sehen. Denn nun wurde auf einmal auch das gedruckte Bild zum politischen Argument.

Mit der durch Martin Luther angestoßenen Reformation veränderte sich eben nicht nur das Bild der Welt, sondern auch die Art und Weise, wie die Welt abgebildet wurde.

Aus der Perspektive der Ausstellungsgestalter um Kurator Thomas Thibault Döring klingt das so: „Bücher und auch das Bild im Buch gewannen zunehmend an Bedeutung. Bücher, die in der Reformationszeit gedruckt wurden, bieten reiches Anschauungsmaterial. Bilder wurden von den verschiedenen Parteien zur Darstellung des eigenen Standpunktes genutzt. Entwickelt wurde eine eigene Bildtypologie, die die evangelische Heilsbotschaft den Menschen vermittelte und die Akteure der reformatorischen Verkündigung in den Mittelpunkt rückte. Von evangelischen Künstlern wurden spezifische Bildprogramme erschaffen.“

"Papstesel und Mönchskalb" - Diese Darstellung von Lukas Cranach d. Ä. gehört zu den bekanntesten Bildern aus der Reformationszeit. Foto: Universitätsbibliothek Leipzig

„Papstesel und Mönchskalb“ – Diese Darstellung von Lukas Cranach d. Ä. gehört zu den bekanntesten Bildern aus der Reformationszeit. Foto: Universitätsbibliothek Leipzig

Der markanteste dieser Akteure ist natürlich kein anderer als Luthers Freund Lukas Cranach d. Ä., der quasi zum ersten großen Medienkünstler der Neuzeit wurde, indem er den typisch lutherschen Bilderkanon schuf – und zwar nicht nur als gemaltes Bild, sondern auch in zahlreichen Holzstichen für den Buchdruck.

In der Ausstellung zeigen zeitgenössische Buchillustrationen aus dem Bestand der Universitätsbibliothek Leipzig den durch die evangelische Bewegung verursachten Bildwechsel.

„Bilder in den Büchern dieser Zeit hatten vielfältige Funktionen“, betonen die Ausstellungsmacher. „Sie waren Symbol, Bekenntnis, Satire, Erläuterung oder bloßer Schmuck. Sie belehren, erzählen, erbauen und ermahnen, bekennen, zeigen Visionen, verspotten und vieles mehr. Heute sind sie interessante und wichtige Zeugen einer großen Umwälzung.“

Und da die Bibliothek der Universität ab 1544 auch die Bestände vieler aufgelöster Klöster übernahm, hat sie natürlich eine Menge Material aus dieser Frühzeit zu bieten.

Die Ausstellung „Bildwechsel. Buchillustration in der Reformationszeit“ ist vom 10. März bis 9. Juli 2017 täglich von 10 bis 18 Uhr in der Bibliotheca Albertina zu sehen. Der Eintritt ist frei.

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