Wenn unter der Asche noch Glut ist, braucht es manchmal ein paar, die bereit sind, wieder Scheite herbeizutragen und neu anzublasen. Seit wenigen Stunden sieht es so aus, als ob die traditionsreiche 26. „Leipziger Jahresausstellung“ wieder etwas Wind unter die Flügel bekäme, auch weil es eigentlich keiner so richtig glauben konnte. Die Absage jedenfalls ist relativ sicher abgewendet, Blessuren wird es gegeben haben und noch geben, doch die Ausstellung findet statt. Mit wie vielen Künstlern genau ist noch unklar, doch eine Podiumsdebatte unter wahrscheinlicher Beteiligung von Axel Krause ist ebenfalls in Planung.

Am Ende wird es wohl das werden, was vor der Absage am 1. Juni 2019 durch den einstigen Vorstand des Leipziger Jahresausstellung e.V. schon möglich gewesen wäre und angebracht zudem. Die Ausstellung vom 7. bis 30. Juni 2019 in der Spinnerei (Halle 12) durchzuführen und gleichzeitig die unumgängliche politische Debatte hereinzulassen. Das jedenfalls versucht jetzt die derzeitige Interimsvertretung mit Prof. Rainer Schade und Kurator Frank Berger gemeinsam mit ihren Mitstreitern, den Künstlern und der Stadt Leipzig.

Frank Berger atmet tief durch am Telefon und sagt „Ja.“ Die Frage war: Findet die Ausstellung nun statt oder nicht? „Seit etwa einer Stunde weiß ich, ich kann weiterarbeiten.“, so Berger am 4. Juni, 20 Uhr. Er, der schon seit der Absage durch den zurückgetretenen Vorstand versuchte, die verbleibenden Fäden einer sich auflösenden Ausstellung zusammenzuhalten. Bilder, die bereits eingetroffen waren, blieben erst einmal vor Ort, Notsitzungen, Gespräche, mindestens 20 Künstler wollen ausstellen. Berger hat verzögert, viel mit allen geredet, geht schon wenige Stunden nach der Absage in die Offensive für die diesjährige Ausstellung.

Rainer Schade weiß er an seiner Seite, der Rest scheint sich in einem gewissen Chaos aufzulösen über einer Debatte, ob man mit Axel Krause nun einen Künstler oder politischen Agitator ausstellen wollte. Und über eine hilflose Absage der Ausstellung, welche keine Möglichkeiten fand, die nun kurzfristig erarbeitet wurden.

Auf die L-IZ-Anfrage vom 3. Juni 2019 an die Stadt Leipzig, was nun die Stadt selbst zu tun gedenke, die Ausstellung noch in diesem Jahr zu ermöglichen, kam erst keine Antwort. Sie ist immerhin Förderin der Ausstellung unter Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters Burkhard Jung, an mangelndem Interesse konnte es kaum liegen. Stattdessen eine Einladung zum Pressegespräch am 5. Juni 2019 mit Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke (Linke) zwischen 12:45 und 13 Uhr im Rathaus. Später die Nachricht, schon ab 12:30 Uhr beginnen zu wollen, es gebe doch mehr zu besprechen.

Jennicke wird gute Nachrichten haben. Die 26. Leipziger Jahresausstellung findet statt und wird eine spannende Podiumsdebatte am 11. Juni 2019 im Museum der bildenden Künste (MdbK) beinhalten.

Dann sollen nach bisherigen Informationen der umstrittene Maler Axel Krause auf seinen schärfsten Facebookkritiker Jens Kassner, welcher ihn online einen Neonazi nannte, die Künstler Moritz Frei, Galeristin Arne Linde und Dr. Rainer Schade treffen. Und gemeinsam über die Fragen der Freiheit der Kunst und politische Künstler debattieren. Moderiert wird das ganze von Alfred Weidinger (Dirketor des MdbK).

Es wäre also wohl gelacht, wenn man sich im 30. Jahr nach 1989, wo so vehement für die Redefreiheit gestritten wurde, nicht mal wieder herzlich über Politik und Kunst streiten könnte. Zumal über und mit einem Maler, der L-IZ-Interviewanfragen erst zu- und dann lieber wieder absagt. Und mit dem wir gern mal als Ostdeutsche über DDR-Geschichte und seine aktuellen Äußerungen seit 2015 gesprochen hätten.

Die genauen Abläufe und weiteren Informationen zur 26. Leipziger Jahresausstellung gibt es am 5. Juni nach der Pressekonferenz im Rathaus.

Eine Spurensuche – Absage der Leipziger Jahresausstellung: Ein Desaster weit über Axel Krause hinaus

Absage der Leipziger Jahresausstellung: Ein Desaster weit über Axel Krause hinaus

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