Bum Bum Bene: Benedikt Braun zeigt Schießbudenbilder aus der Spaßgesellschaft

Für alle LeserSage niemand, Künstler würden sich nicht mit dem beschäftigen, was derzeit in der Welt vor sich geht. Sie tun es oft sogar intensiver als die hyperventilierenden Medien. Auch weil sie noch eine Vorstellung davon haben, dass es garantiert ein Danach geben wird und dass der schrille Zustand der mit sich selbst zufriedenen Spaßgesellschaft garantiert endet. Wahrscheinlich mit einem sehr bösen Erwachen. Der in Weimar lebende Benedikt Braun widmet sich diesem Thema.

In der Galerie „The Gras Is Greener“ in der Halle 10 in der Spinnerei zeigt er ab Samstag, 22. Februar, neue Arbeiten, die – so betont er extra – erst einmal von seinem Programm, das er in „Actus Coitus – P(r)ost Kapitalist“ gezeigt hat, abweichen. Denn da ging es um das Danach, die wahrscheinlich sehr dystopischen Zustände nach dem Zusammenbruch einer Gesellschaft, die immer nur auf Wachstum und die Zerstörung unserer Lebensbedingungen gesetzt hat.

Noch sind wir nicht da. Aber besonders erfreulich findet Benedikt Braun das, was er in der Gegenwart sieht, auch nicht.

In „Actus Coitus – P(r)ost Kapitalist“ hat er quasi einen fiktiven Zeitsprung gemacht und seine Arbeiten nach der Überwindung des Kapitalismus angesiedelt. Ein Blick zurück sozusagen.

„Bei der aktuellen Ausstellung bleibe ich vor dieser Zeit. Ich bin noch in der Spaßgesellschaft, welche jedoch die kommenden Umwälzungen und Ungemütlichkeiten bereits auf sich zukommen spürt. Der Druck wächst. Ventile werden gesucht“, schildert Benedikt Braun den Anlass für die jetzt gezeigten Aufnahmen.

Detail (2020). Foto: Benedikt Braun

Detail (2020). Foto: Benedikt Braun

Und der 1979 in Koblenz Geborene erzählt dazu eine kleine Anekdote: „Den allerersten Prototyp dieser Schießbuden-Arbeit habe ich in einer regionalen Kunstmesse in Erfurt gezeigt. Hier war die Vorstellung, in den Gängen der Messe Menschen zu sehen, welche auf die Kunst schießen, treibender Gedanke. Man konnte auf unterschiedliche Postkarten-Motive schießen. Auf mich als fetten nackten Künstler auf einem Sessel sitzend.

Und eine Version von mir als dicke Frau im Deutschland-Bikini. Nachdem die Messe für die Presse geöffnet war, konnte ich einen Radio-Beitrag hören, dass bei meinem Stand auf Schwangere geschossen werde und dass das ja nicht so toll sei. Am nächsten Tag sind dann mehrere Hörer/-innen dieses Beitrags sehr empört und energisch zu mir an den Stand gekommen, um Wut und Frust abzulassen. Ich glaube sie haben sich danach besser gefühlt.“

Was ja schon einmal eine kleine Warnung ist: Man sollte genau hinschauen in so einer Ausstellung. Manchmal trügt das Gesehene auf den ersten Blick. Und manchmal ist auch die Irritation eine Botschaft. Wir sehen ja nur zu gern, was wir sehen wollen. Und wir sind an Medien gewohnt, die mittlerweile mit so groben Bildern arbeiten, dass es bei wirklich hintersinnigen Arbeiten wohl ein großes Warnschild braucht: „Vorsicht, Kunst! Es können Hintergedanken im Spiel sein. Schauen Sie bitte genauer hin.“

Eröffnet wird die Ausstellung „Bum Bum Bene“ von Benedikt Braun in der Galerie „The Grass is Greener“ am Samstag, 22. Februar, von 18 bis 21 Uhr. Ausstellungsdauer: 22. Februar bis 28. März.

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SpinnereiThe Grass Is Greener
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