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… oder kann das weg? Was Fundstücke erzählen, wenn sie mal wieder an die frische Luft dürfen

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    Da sieht man diesen großen Porzellantopf vor sich und kann gar nicht anders, als sich den Kaiser der Franzosen darauf vorzustellen mit heruntergelassener Hose. Und das Ding steht nun tatsächlich in der neuen Ausstellung, die im Studio des Stadtgeschichtlichen Museums im Böttchergässchen am Mittwoch, 7. Oktober, eröffnet wurde.

    Die Depots der Geschichtsmuseen sind meist voll von Dingen, die ungewöhnlich, ästhetisch ausgesprochen anspruchsvoll und oft mit einer faszinierenden Geschichte verbunden sind. Dennoch haben viele von ihnen das Tageslicht seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen. Warum? Weil sie irgendwie nie in das gerade anstehende Ausstellungsprojekt gepasst haben – eigentlich schade, stellt das Stadtgeschichtliche Museum fest.

    Vor diesem Hintergrund entwickelte das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig deshalb ein neues Ausstellungsformat, das mit „… oder kann das weg? Napoleons Nachttopf, Ulbrichts Küchenstuhl und das Taufkleid von Tante Marta“ im Studio des Haus Böttchergäßchens vom 7. Oktober 2020 bis 28. Februar 2021 seinen Auftakt hat.

    „,… oder kann das weg?‘ ist ein Projekt, das Lust machen soll auf Entdeckungen auch jenseits der großen Namen und Jubiläen, indem es dem unscheinbarsten Alltagsgegenstand aus der Sammlung die Essenz unserer Arbeit ebenso abringt wie es seine Besonderheit anerkennt und inszeniert. Die Ausstellung und die entsprechende Publikation sind Auftakt zu einer Reihe weiterer Befragungen unserer Sammlungsbestände.

    Die Beschäftigung mit den eigenen Beständen ist eine dauernde Kernbeschäftigung kulturgeschichtlicher Museen. Diese Ausstellung leistet dies in zugleich kundiger wie vergnüglicher Weise und stellt sich dabei mutig der Frage, warum Museen sammeln und worin die einzigartige Aura und Relevanz auch scheinbar alltäglichster Objekte liegen kann“, kommentiert Dr. Anselm Hartinger, Direktor der Stadtgeschichtlichen Museen Leipzig, die neue Reihe.

    Nachttopf Napoleon Nachtgeschirr, Porzellan Manufaktur Meißen, um 1780. Foto: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig
    Nachttopf Napoleon. Nachtgeschirr, Porzellan Manufaktur Meißen, um 1780. Foto: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig

    In dieser Ausstellung sollen einige von diesen Objekten an die frische Luft und bei der Beantwortung der Frage helfen, warum Geschichtsmuseen sammeln und was es wohl mit der viel beschworenen Aura der Dinge auf sich hat. Etliche herausragende Objekte aus den Sammlungen des Hauses werden in einer Ausstellung vereint, obgleich sie auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben. Ein Nashorn, mehrere Türklinken und der Jagdrock Kaiser Wilhelms II. fügen sich dabei ebenso zueinander wie das Dreigestirn aus Napoleons Nachttopf, Ulbrichts Küchenstuhl und Tante Martas Taufkleid.

    Der Zusammenhang stellt sich erst durch die Erzählungen her, für die jedes einzelne von ihnen steht. Wie wandelbar der Blick auf die materiellen Hinterlassenschaften unserer Altvorderen sein kann, wird deutlich, wenn der Besucher in der Ausstellung unterschiedliche Erzählstränge wählen und so etwas über sozialgeschichtliche, stadthistorische oder sanitäre Aspekte von Nachttopf, Küchenstuhl oder Taufkleid erfahren kann.

    Zentrales Anliegen der Ausstellung ist es aufzuzeigen, wie Museumsobjekte durch unterschiedliche Fragestellungen Details zu verschiedenen Sachzusammenhängen beitragen können. Zugleich soll eine zentrale Aufgabe von Geschichtsmuseen, verschiedene Aspekte der Vergangenheit historischer Artefakte immer wieder neu zu hinterfragen, ins Blickfeld gerückt werden.

    „Ein Reiz der Ausstellung liegt zudem darin, dass sich die Relevanz der Dinge für die jeweilige Erzählung von unserer Vergangenheit oft erst auf den zweiten Blick ergibt. Dabei soll auch die Frage nach dem Selbstverständnis unserer Arbeit mit den Sammlungsobjekten gestellt werden. Wie objektiv ist unser Umgang mit den Dingen? Wie arbeiten wir mit ihnen? Wird an ihnen geforscht? Spielen allein jene Aspekte eine Rolle, die das Objekt selbst mitteilen kann?“, fragt Steffen Poser, Kurator der Ausstellung, „oder kann das gegebenenfalls einfach weg?“

    Trotz des hehren Wortes von der Aura, ist die Ausstellung eine vergnügliche Spritztour zu Erbstücken unserer Vergangenheit und verspricht die Erkenntnis, dass in diesem Falle jedes Ding wenigstens drei Seiten hat.

    Studioausstellung vom 7. Oktober 2020 bis zum 28. Februar 2020 im Stadtgeschichtlichen Museum, Haus Böttchergässchen: „… oder kann das weg?“

    Zur Ausstellung erscheint ein begleitender Katalog; erhältlich für 8,50 Euro im Museum.

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