Der Warschauer Aufstand von 1944 wird von vielen Menschen in Deutschland, besonders in Ostdeutschland, mit dem Aufstand im Warschauer Ghetto 1943 verwechselt. Das sagt einiges über unsere Kenntnis der Geschichte des Zweiten Weltkrieges, insbesondere der Deutschen Besatzung in Polen aus. In der DDR wurde der Warschauer Aufstand im Geschichtsunterricht bestenfalls als Fußnote erwähnt, war er doch ein nationaler und bürgerlicher Aufstand auch mit dem Ziel, nicht unter die sowjetische Herrschaft zu fallen.

Somit ist es wichtig, dass am 1. April 2026 die vom Museum des Warschauer Aufstands gemeinsam mit dem Polnischen Institut Berlin veranstaltete Ausstellung eröffnet wurde. Die Ausstellung ist bis zum 8. Mai 2026 im Bundesverwaltungsgericht Leipzig zu sehen. Es ist zu hoffen, dass besonders junge Menschen sich dort über dieses wichtige Ereignis in unserem Nachbarland informieren.

Schautafel “Kampf um die Freiheit”. Foto: Thomas Köhler

Die Eröffnung fand mit einiger Prominenz statt. Aus Warschau kam unter anderem Dr. Paweł Ukielski, der stellvertretende Direktor des Museums des Warschauer Aufstands. Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer, die Kulturbürgermeisterin der Stadt Leipzig Skadi Jennicke und Prof. Dr. Andreas Korbmacher, Präsident des Bundesverwaltungsgerichts, als Hausherr, seien hier stellvertretend genannt.

Prof. Korbmacher machte in seiner Rede auf die Geschichte des Hauses aufmerksam, vom Reichsgericht, über den Reichstagsbrandprozess und das Dimitroff-Museum bis heute. Über die Ausstellung und was er aus dieser gelernt hat, sagt Prof. Korbmacher:

„Gleichzeitig zeigt sie (die Ausstellung; d.Verf.) das Faszinierende, den Mut, die Hoffnung und die Opferbereitschaft, die die Bevölkerung Warschaus aufgebracht hat, um sich selbst von der Besatzung und der Tyrannei zu befreien und einen demokratischen Staat aufzubauen. Ich gebe offen zu, mir war nicht bekannt, dass in den zwei Monaten, in denen der Widerstand erfolgreich war, sich eine staatliche Organisation in Warschau etabliert hatte, mit dem wirklichen Versuch, einen Staat aufzubauen.“

Michael Kretschmer bei seiner Rede. Foto: Thomas Köhler

Ja, es ist bei uns vieles nicht bekannt über den Warschauer Aufstand. Auch Michael Kretschmer sprach in seiner Rede davon, dass es ihn oft erstaunt, wie wenig wir uns mit der gemeinsamen Geschichte beschäftigen. Das zeigt er auf am Beispiel von Paul Ziemiak, der bei Markus Lanz gefragt wurde, warum Polen und Deutsche im Bereich der Verteidigungsausgaben so unterschiedlich sind.

Er sagt: „Da habe ich gedacht, die Frage ist berechtigt, die kriegt man häufig, aber sie ist im Grunde genommen mit unserer Geschichte zu erklären. Und da unten (in der Ausstellung; d.Verf.) steht die Begründung. Für Polen ist Sicherheit, ist Verteidigung die eigene Armee. Ein eigener Beitrag zur Souveränität, zur Sicherheit, zum Schutz. Für uns ist eine solche Armee eben oft in den vergangenen Jahrzehnten der Angriff, das Unrecht gewesen.“

Skadi Jennicke ging in ihrer Rede ebenfalls auf den Terror der Besatzer und den Mut der Aufständischen ein. Sie schlug aber den Bogen zur heute erforderlichen politischen Bildung besonders auf die historische Bildung, die nicht nur Wissen vermitteln, sondern Zusammenhänge aufzeigen soll.

Dr. Paweł Ukielski erläutert die Exponate. Foto: Thomas Köhler

Es gab weitere Reden, im Namen der polnischen Botschaft und die Ansprache von Dr. Paweł Ukielski. Er betonte: „Heute, nach der Invasion Russlands in der Ukraine, leben wir in einer vollkommen anderen Welt als vor zwölf Jahren. Und in diesem Zusammenhang gewinnt diese Ausstellung zusätzliche Bedeutung. Noch wichtiger ist die Tatsache, dass Polen und Deutschland heute Verbündete in der NATO und enge politische und wirtschaftliche Partner in der Europäischen Union sind. Umso wichtiger ist es, dass wir gemeinsam über die tragischsten Ereignisse unserer gemeinsamen Geschichte sprechen, dass es Raum für Versöhnung gibt, aber auch für Erinnerung und Ehrung der Opfer, sowie für die Verurteilung der Täter.“

Im Anschluss an die Reden führte Dr. Ukielski durch die Ausstellung und erläuterte die Exponate und sprach über den Ablauf der Ereignisse.

Bereits vor Beginn hatte ich Maria Diersch kennengelernt, sie ist die Präsidentin der Sächsisch-Polnischen Gesellschaft in Leipzig. Sie sagte uns, was ihr die Ausstellung bedeutet und warum sie diese wichtig für die politische Bildung hält.

Schautafel “Kampf um die Freiheit”. Foto: Thomas Köhler

Es wurde in einigen Reden betont und sollte auch allen einleuchten, dass eine solche Ausstellung nicht nur ein kulturelles Ereignis ist, sie ist auch ein Bestandteil der politischen Bildung. Sowohl Kultur als auch die politische Bildung unterliegen zurzeit einem Sparzwang. Wir haben Ministerpräsident Michael Kretschmer gefragt, wie man dem abhelfen kann und was er dafür tun will.

Mit den Antworten mussten wir uns zufriedengeben, der Ministerpräsident hatte es eilig. Wir fragten die Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke, ob die finanziellen Herausforderungen wirklich beim Bund ihre Ursachen haben und was ihr die Ausstellung bedeutet.

Fazit: Ein Besuch der Ausstellung ist unbedingt empfehlenswert, besonders für Schulen sollte dieser zum Pflichtprogramm gehören. Man kann dort viel über unsere Nachbarn und unsere gemeinsame Geschichte lernen.

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