„Frau Müller muss weg!“: Gallige Schulkomödie nimmt Eltern auf’s Korn

Von der "Feuerzangebowle" bis "Bad Teacher": Bissige Schulkomödien sorgen seit Jahrzehnten für volle Kassen. Zuletzt feierte die Regisseurin Bora Dagtekin mit "Fack ju Göhte" einen Publikumshit. Stehen in der Regel aufmüpfige Schüler im Mittelpunkt, nimmt ihr Kollege Sönke Wortmann in der Verfilmung von Lutz Hübners Theaterstück "Frau Müller muss weg!" deren Eltern auf's Korn.

So verschieden Wolf (Justus von Dohnány), Jessica (Anke Engelke), Patrick (Ken Duken), Marina (Mina Tander), Katja (Alwara Höfels) auch sein mögen. Sie alle eint dasselbe Schicksal: Ihr Nachwuchs besucht in Dresden die 4. Klasse von Frau Müller (Gabriela Maria Schmeide). In naher Zukunft stehen die wichtigen Halbjahreszeugnisse an, die über die beruflichen Perspektiven der Kinder entscheiden könnten. Freilich sind alle hochbegabt und haben nur das Gymnasium verdient. Doch die Leistungen lassen punktuell zu wünschen übrig. Und Frau Müller hat den Laden nicht im Griff.

Die Eltern klagen: Die Klassenlehrerin sei hoffnungslos überfordert, bekäme den Lehrstoff nicht adäquat vermittelt und sei obendrein in therapeutischer Behandlung. Kurzum. Die gutherzige, aber toughe Dame möge bitte ihren Platz räumen. Beim Elterngespräch im kleinen Kreis soll die Mittfünfzigerin, grandios gespielt von Gabriela Maria Schmeide, überrumpelt werden. Aber die Pädagogin denkt gar nicht daran, die Klasse abzugeben.

Die Lehrerin nimmt kein Blatt vor den Mund, konfrontiert die Eltern mit nackten Tatsachen und lässt ein konsterniertes Quintett zurück. Ein furioser Tiefschlag, der gesessen hat. Die beinharte Karrieristin Jessica, überzeugend verkörpert von Comedy-Star Anke Engelke, ringt mit den Mitstreitern um einen Konsens.
Plötzlich finden sich die Verschwörer in bitterbösen Grabenkämpfen wieder, die außer Kontrolle geraten. Auf den Tisch kommen längst vergessene Ressentiments zwischen Ost und West. Patrick und Marina ringen auf einmal um ihre Ehe. Die moralistische Hausfrau Katja battelt sich mit der schnöseligen Jessica. Wolf, der Prototyp eines Helikopter-Vaters, versinkt derweil in Selbstmitleid. Und am Ende? Wird natürlich alles gut.

Das Schauspiel, das die deutschen Kammerbühnen im Eiltempo erobert hat, folgt stur dem dramaturgischem Konzept einer TV-Komödie auf „Sat 1“. Die mollig-warmen Farbkontraste, Wortmanns Abgrasen jeglicher (Grund-)Schulklischees – vom Kastanienmännchen bis zum Kakaoautomaten. Die fünf Hauptdarsteller – Anke Engelke, Justus von Dohnanyi, Alwara Höfels, Ken Duken, Mina Tander – spielen jedoch geschlossen und laufen zur Höchstform auf.

D 2014: R: Sönke Wortmann, D: Anke Engelke, Justus von Dohnanyi, Alwara Höfels, Ken Duken, Mina Tander, 88 Min, FSK 6.

Filmstart ist der 15. Januar, zu sehen in de Passage Kinnos und im CineStar.

Die Seite zum Film:
www.constantin-film.de/kino/frau-mueller-muss-weg


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