Tanners Interview mit Eva Wulsten (Hostel & Garten Eden)

High-Tech-Hotels sprießen wie kleine Silicon-Valleys aus dem Leipziger Boden. Kein Mensch am Empfang aber Flatrate-Pornokanal und Essen aus der Trendy-Dose. Da gibt es Erdenwesen, die sich willkommen fühlen in diesem Ambiente. Die gehen aber auch zu Mario-Barth-Anhimmelungen. Andere machen es anders! Und machen es mit Freundlichkeit und Charme. Eva Wulsten zum Beispiel – nebst ihren Freundinnen – baut einen Garten Eden für Fremde und Freunde. Und ein Hostel Eden eben auch. Tanner fragte einfach mal nach ...

Hallo Eva. Einen wundervollen Tag wünsche ich Dir. Du willst mit Deinen Freundinnen ein Hostel & Garten Eden eröffnen – in der Demmeringstraße 57. Das ist ja gleich bei mir um die Ecke. Fein. Da können dann all meine Freunde übernachten, nachdem wir durch die Bars gezogen sind. Was steckt denn im Konzept des Hauses so drin? Ich meine, aus Eden wurden wir ja schon mal vertrieben.

Mit der Bibel hat unser Konzept eigentlich nicht viel zu tun, aber wir planen schon aus unserem großen, zugewucherten Garten, bald ein kleines Eden zu machen. Überhaupt ist der Garten ein wichtiger Teil unseres Hostels und falls ihr nach der Kneipentour den Weg nicht mehr nach Hause schafft, könnt ihr zwischen weichem Beet, Hängematte oder Wohnwagen wählen. Im Winter empfehlen wir jedoch unsere gemütlichen Zimmer. Der König, also Kunde, hat die Wahl zwischen Doppelbett und Mehrbettzimmer. Wenn außerdem der Wunsch aufkommt, mit seinen 35 Liebsten mal richtig die Sau rauszulassen, zum Beispiel bei Kupfener-Hochzeit oder Twilight-Fan-Night, ist nicht nur Platz zum Feiern sondern auch anschließendem Nächtigen.

Die Verwandtschaft aus Glauchau muss also nicht „Biss zum Morgengrauen“ feiern oder besoffen ins Auto steigen, sondern kann sich direkt nach der Fete ins Bett legen und am nächsten Tag erwartet sie sogar noch ein schmackhaftes Frühstück. Die Zimmer selbst werden von verschiedenen Künstlern und Handwerkern gestaltet, so dass jeder Raum eine andere Handschrift trägt. Wir hoffen, dass wir unsere eigenen Erwartungen und Vorstellungen von einem Übernachtungs- und Kulturort realisieren werden, der von einer familiären und persönlichen Atmosphäre geprägt ist.

Bei startnext können liebevolle Menschen Geld geben, um Eure Träume zu erfüllen und bekommen dafür wirklich feine Dinge. Erzähl mal bitte ausführlich.

In den nächsten zwei Wochen versuchen wir, das Budget für die Zimmergestaltung und -Gestalter durch unsere Crowdfunding-Aktion zu erhöhen. Je nach Höhe der Spende erwarten einen wirklich attraktive Dankeschöns – vom Platz in unserem Herzen über Big-Spender-Dinner bis hin zur exklusiven Weinprobe mit Winzerstochter Gabriela. Das absolute Highlight ist jedoch das 2.500 Euro-Dankeschön: für ein Wochenende gehört das Hostel Dir!

Kannst Du bitte mal Dein Team und auch Dich selber ein bisschen vorstellen? Ein Hostel & Garten Eden eröffnen ist ja nicht so der normale Weg für junge Damen, wenn ich den soziologischen Statistiken glauben darf. Wie, wer und warum das Ganze?

Die Damen von Hostel & Garten Eden: v.l. Eva, Gabriela, Jule, Thea. Foto: Volly Tanner 

Die Damen von Hostel & Garten Eden: v.l. Eva, Gabriela, Jule, Thea. Foto: Volly Tanner

Wir vier, also Thea, Jule, Gabriela und ich haben uns vor ungefähr sieben Jahren in Leipzig kennengelernt. Für so ein kurzes Leben (bei einem Durchschnittsalter von 27,5 Jahren), ist das schon eine lange Zeit! Naja und dann kam irgendwann der Punkt, wo man sich nach dem Studium überlegt wo die Reise nun hingehen soll … Leipzig war und ist für uns die Stadt in der wir leben möchten und da uns alle die Lust am Reisen eint, kamen wir dann sehr schnell auf die Idee mit dem Hostel. Eine glückliche Fügung reihte sich zur anderen und so wurde aus unserem Hirngespinst innerhalb von einem Sommer ein sehr konkretes Unterfangen.

Euer Gesamtpaket beinhaltet ja auch „Veranstaltungsort, Kunst und Unterhaltung“. Ist das bis jetzt geduldiges Papier, oder sind da die Planungen schon weiter? In welche Richtung soll es denn da gehen? Da gibt es ja die unterschiedlichsten Segmente im kulturellen Leben.

Zum einen bietet die Gestaltung der Räume durch die verschiedenen Künstler und Handwerker eine ganz spezielle Form des künstlerischen Austauschs oder Kunsterlebens, quasi “im Schlaf”. Dabei wollen wir wirklich die Leute in den Fokus rücken, die für die Zimmergestaltung verantwortlich sind.

Mehr Informationen dazu gibt’s dann auch bald auf unserer Website. Außerdem bieten der großzügige Aufenthaltsbereich sowie der große Garten viel Platz für Veranstaltungen. Dabei legen wir uns auf keine kulturelle Sparte fest, sondern schauen, was zu uns und unserem Hostel passt. Alle Veranstaltungen sind offen für alle. Den kulturellen Auftakt bildet am 14. März ganz klassisch eine Lesung im Rahmen der Leipziger Buchmesse. Helwig Arenz liest aus seinem Roman “Der böse Nik”. Im Anschluss findet unter dem Motto “Nichts als die Wahrheit” eine Tagebuchlesung statt! Wir selber werden uns die Blöße geben und unsere literarischen Teenieergüsse über z. B. Aaron Carter (“in den ich voll verknallt bin”) zum Besten geben. Apropos: wir suchen noch mutige Kandidaten die uns Einblicke in ihre verwirrten Teenagerseelen gewähren!

Auf den Fotos von Euch sieht man Euch fleißig mit den Baumaschinen werkeln, verstaubt und Schleifmaschinen schwingend – ich bin da ja eher unbegabt – wo habt Ihr das denn gelernt. Oder auch wie?

Ladies-Night bei BAUHAUS!

Es gibt da ein Lied von Kettcar (Schrilles, buntes Hamburg), da gehen die ersten beiden Strophen so:
Wir hatten vier, fünf gute Jahre
In zukünftiger bester Lage
Der Malerfürst lässt leise wissen:
Ab jetzt kommen die Touristen …
Pioniere in Problemgebieten
Wo wir hinkommen, da steigen Mieten
Wir tun, als ob wir das nicht wüssten
Ab jetzt kommen die Touristen …

Wie geht Ihr mit Kritik um? Euer Angebot bringt ja auch Menschen nach Leipzig, die konsumieren wollen, was ist da Eure Sicht der Dinge?

Wie jedes Neue und Alternative im Stadtteil müssen auch wir uns die Gentrifizierungsmütze aufsetzen! Ehrlich gesagt, sind wir selber hin- und hergerissen zwischen dem Fakt, dass wir gerne hier leben und das auch teilen und der Befürchtung, dass wir die Monopoly-Mentalität weiter beflügeln werden. Allerdings fällt es uns auch schwer, anderen einen Vorwurf aus dem zu machen was auch wir haben, also dem Interesse und die Neugierde an anderen Orten.

Danke für die Antworten – und natürlich Durchhaltevermögen und genug Spürsinn.

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