naTo lädt am 12. Juli zum allerletzten Badewannenrennen am Völkerschlachtdenkmal ein

1015 hatte alles so schön begonnen: Bischof Eido war extra aus Misni nach Lipsi gekommen, um das allererste Badezuber-Rennen auf der Pleiße zu eröffnen. Es war der erste wirklich friedliche Wettstreit zwischen den eroberten Sorben und den Neulingen aus dem Westen, den Franken und Sachsen. Ohne Blutvergießen, mit viel Spaß. Und dann endete das Ganze so tragisch mit dem Tod des wackeren Bischofs.

Doch nach 1.000 Jahren ungebrochener Traditionspflege ist nun Schluss, meldet die naTo, die das Großereignis seit 23 Jahren betreut – nicht mehr auf der Pleiße, deren schmaler Zuschnitt die Menge der Teilnehmer gar nicht mehr verkraften würde. 23 Jahre lang war man deshalb auf das große Becken vor dem Völkerschlachtdenkmal ausgewichen. Doch das Becken soll nun endlich zum 250. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig saniert werden. Das hat der Leipziger Kulturbürgermeister so schon einmal beantragt, der Stadtrat muss noch zustimmen. Und dann wird das Wasserbecken wieder hübsch gemacht – nur die fröhlichen Völkerspiele, bei denen sich nun Ostmärker und Westmärker immer friedlich begegnet sind, sollen ein Ende finden. Damit das Becken nicht wieder kaputt geht. Oder damit sich ein paar Zeitgenossen nicht gestört fühlen, weil sie das gewaltige Denkmal noch immer für ein Grabmal halten.

Getümmel beim Badewannenrennen 2012. Foto: nato / Eric Kemnitz

Getümmel beim Badewannenrennen 2012. Foto: nato / Eric Kemnitz

Und so ist nun Finale, teilt die naTo mit: „Zum wirklich aller-allerletzten Mal werden am 12. Juli mutige Großstadtkapitäne in ihren selbstgebauten Schwimmgefährten das Bassin vor dem Völkerschlachtdenkmal unsicher machen, denn: Die naTo setzt dem traditionellen Event in diesem Jahr ein Ende, um sich zukünftig intensiver ihren anderen soziokulturellen Projekten zuwenden zu können und mehr Energie für Neues frei zu haben.“

„Wir sind sehr stolz darauf, seit der Ersterwähnung Leipzigs mit unserem Badewannenrennen (ursprünglich ‚zuber-stritheit‘) dabei gewesen zu sein und erinnern uns gern an die vielen unvergleichlichen Erlebnisse aus insgesamt 1.000 Renntagen“, erklärt Projektleiter Falk Elstermann mit ernster Miene. „Aber irgendwann muss auch einmal Schluss sein und so nehmen wir den eintausendsten Jahrestag der urkundlichen Erwähnung eines bischöflichen Sterbefalls in der ‚urbe libzi‘ zum Anlass, unserem Event eine standesgemäße Seebestattung zu bereiten.. Sollte jedoch die Stadtobrigkeit – was ja nicht unwahrscheinlich ist – noch vor der Beckensanierung zum 1.250sten Stadtjubiläum aufrufen, so wären wir natürlich gern ein aller-aller-allerletztes Mal mit von der (Kahn)Partie.“

Und wer keine Bischof-Eido-Gedächtnisbadewanne zu Wasser lassen möchte, der kann natürlich am 12. Juli wieder ein angenehmes Zuschauer-Erlebnis auf den Graswällen am Beckenrand haben, die ja 1913 extra gebaut wurden, um den Zuschauern des über Jahrhunderte beliebten Badewannen-Wettstreits ein grünes Sitzplätzchen zu verschaffen. Künftig werden hier vielleicht noch ein paar stille Gäste in Schwarz sitzen, wenn mal wieder klagende Trauerzüge um den See ziehen, der guten alten Zeiten gedenkend, die es nie gab, die aber immerzu kommen sollen.

Ab 10:30 Uhr bis in die Nachmittagsstunden wird es auf dem Wasserbecken vor dem Denkmal am 12. Juli trotzdem wieder einiges zu sehen geben, verspricht der Veranstalter des allerallerletzten Badewannenrennens. In vier verschiedenen Disziplinen müssen die Badewannenteams Geschicklichkeit und Geschwindigkeit ihrer (hoffentlich) schwimmfähigen Untersätze unter Beweis stellen. Mit dem Hauptpreis wird die Badewanne mit dem ausgefallensten Design ausgezeichnet, denn neben Sportsgeist ist beim Badewannenrennen vor allem Kreativität gefragt. An Land wird ein bunter Markt für weitere Zerstreuung und das leibliche Wohl der Zuschauer sorgen.

Das über die Jahre zum Volksfest angewachsene Badewannenrennen wird vom Soziokulturellen Zentrum „die naTo“ veranstaltet, das nicht nur das gleichnamige Veranstaltungshaus in der Leipziger Südvorstadt betreibt, sondern auch vielfältige Kulturprojekte in der Stadt organisiert.

1.000 JahreNatoVölkerschlachtdenkmal
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