Was war das für ein Kampf: Erst wurde Clara Schumann für die Jubiläen der Stadt im Jahr 2019 komplett vergessen. Dann gab es berechtigte Beschwerden aus allen Richtungen. Dann beschloss der Stadtrat, diesen 200. Geburtstag besonders zu feiern. Und seit Juni liegt jetzt auch der Vorschlag der Verwaltung vor, wie man Claras 200. noch besonders würdigen kann.

Man hat die berühmte Leipziger Pianistin und Komponistin nicht nur einfach eingetaktet in den Jubiläumsreigen 2019. Sie bekommt einen besonderen Platz und ein eigenes Budget. Denn erstmals will man mit ihrer Person in Leipzig auch die Förderung von Kreativpotentialen verbinden. Dazu fand dann zum Jahresbeginn schon ein Wettbewerb statt.

Und weil 2019 mit einiger Sicherheit auch viele Verehrer von Clara und Robert Schumann nach Leipzig kommen, bekommt das Schumann-Haus auch Geld, um die Ausstellung im Haus in der Inselstraße, wo Clara und Robert ihre schönsten Jahre verbrachten, gründlich zu überarbeiten: „Die Ausstellungskonzeption des Museums stammt aus dem Jahre 1999 und ist hauptsächlich Robert Schumann gewidmet. Clara Schumann als europäische Spitzenkünstlerin des 19. Jahrhunderts, die Rolle als Mutter und ihre Werkrezeption führen bis dato eher ein Schattendasein. Gänzlich vermisst wird ihre singuläre Emanzipationsgeschichte als professionelle Künstlerin des 19. Jahrhunderts“, heißt es in der Vorlage.

„Neben den inhaltlichen Defiziten kommt hinzu, dass die Ausstellung notwendige attraktive Elemente der Interaktion (mit Ausnahme des Klangraumes) und zeitgemäße moderne Präsentationsformen vermissen lässt, um dieses historische Kleinod mit allen Sinnen erleben zu können. Im Wettbewerb mit anderen überregionalen Einrichtungen wie den Bach- Erinnerungsstätten in Leipzig und Eisenach oder dem Mendelssohn-Haus in Leipzig offenbart das Schumann-Haus heute deutliche Schwächen. Eine Neugestaltung des Schumann-Museums im Sinne Clara Schumanns als bedeutendste Künstlerin des 19. Jahrhunderts ist überfällig.“

Und der Anspruch ist hoch. Immerhin haben das Bach-Museum und das Mendelssohn-Haus schon Maßstäbe gesetzt: „Ziel der Neugestaltung und Erweiterung des Museums ist die Schaffung eines einzigartigen Museums, in dem Clara Schumann und ihr Ehemann gleichberechtigt als Paar im Zentrum der Betrachtung stehen. Themen wie die Karriere Clara Schumanns vor der Eheschließung, die unterschiedlichen Arbeits- und Lebensbedingungen der beiden Ehepartner, ihre eheliche Schaffens-, Wirtschafts- und Lebensgemeinschaft im Wandel der Rollen und ihre Kinder, schließlich der stete Wandel des öffentlichen Bildes von diesem weltweit berühmten außergewöhnlichen Paar sollen dabei in verschiedenen Themen-Räumen im Mittelpunkt stehen.“

Das alles wird rund 450.000 Euro kosten, über die der Stadtrat noch im August abstimmen soll.

Anfang März informierte Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke schon mal über die für „Clara19“ geplanten Projekte.

Das umfangreiche Programm ist so facettenreich wie Clara selbst. Es geht über das Musikalische weit hinaus und verbindet die unterschiedlichen Kunstebenen, Alters- und Interessengruppen miteinander. So stehen nicht nur ihre Kompositionen im Mittelpunkt des Festjahres, sondern auch ihre Künstlergemeinschaft mit Robert Schumann und ihre einzigartige internationale Konzerttätigkeit.

Zudem werden ihr Konflikt zwischen Beruf und Familie, ihre umjubelte Zeit als Wunderkind und ihre Emanzipationsgeschichte thematisiert. Für hohen Kunstgenuss sowie für ausgelassene Festatmosphäre in der Stadt mit Projekten wie „Clara im Park“ und „Clara in der City“, organisiert von der Leipziger Notenspur, wird gesorgt sein.

Den Höhepunkt des Jahres werden die Schumann-Festwochen vom 12. bis 29. September 2019 bilden, die sich um den Geburts- (13.09.1819) und Hochzeitstag (12.09.1840) ranken. Das Schumann-Haus präsentiert sich dann mit einem neuen Museumskonzept. In Zusammenarbeit mit der Kuratorin und Clara Schumann-Expertin Dr. Beatrix Borchard werden die originalen Wohnräume gestaltet.

In der Inselstraße verbrachten Clara und Robert ihre ersten vier Ehejahre. Die Pianistin Lauma Skride und das Gewandhausorchester unter der Leitung von Gewandhauskapellmeister Andris Nelsons interpretieren am 12./13. September 2019 im „Großen Concert“ Clara Schumanns Klavierkonzert op. 7. Eröffnet wird CLARA19 am 26. Januar 2019 mit einer Festveranstaltung in der Hochschule für Musik- und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy.

Clara Schumann verbrachte ihre ersten 25 Lebensjahre in Leipzig. Im Alter von neun Jahren gab sie ihr erfolgreiches Konzertdebüt im Leipziger Gewandhaus. Als anerkannte Künstlerin feierte sie in der Leipziger Zeit Konzerterfolge in Paris, Wien, Kopenhagen, St. Petersburg u. a. und heiratete hier Robert Schumann. Anlässlich ihres 50-jährigen Künstlerjubiläums wurde sie 1878 im Leipziger Gewandhaus geehrt.

Und die Grundgestaltung für das Festjahr liegt inzwischen auch schon vor. Die Stadt hat damit die Agentur KOCMOC beauftragt. Und die hat natürlich das berühmte Jugendbildnis von Clara zur Grundlage genommen, das einst den 100-DM-Schein zierte und eine Lithografie von Andreas Staub zum Vorbild hatte.

Stadt vergibt Fördermittel für Projekte zum 200. Geburtstag von Clara Schumann 2019

- Anzeige -

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar