Der Kriegsdienstverweigerer
Krieg, Kampf und Zerstörung tobt
in deinem eig’nen Land.
Sag, willst du gar nicht mit uns kommen,
um zu schützen, um zu retten,
wo auch du dazu gehörst,
was du deine Heimat nennst
und dafür auch Treue trägst?

Ich lass Krieg, Kampf und Zerstörung toben,
denn es ist nicht meine Schuld
und ist es niemals gewesen,
dass nichts mehr friedvoll und gesittet ist.
Warum soll ich dann mich selbst riskieren,
nur um Erwartungen gerecht zu werden?

Seht her, seht her,
er ist der Kriegsdienstverweigerer,
versucht heimlich, unbemerkt zu fliehen,
vor den Pflichten, die sich über ihn ziehen,
er kann ihnen niemals entkommen,
bis die Verantwortung er übernommen,
die zwar nirgends im Gesetz drinsteht
und doch in vielen Köpfen schwebt.

Du ziehst dich einfach ganz zurück,
gibst keine Acht aufs Vaterland.
Sag, wenn alle sind wie du
und vergessen, was die Pflichten sind,
wer ist dann da zu schützen,
was auch ihr als euer Zuhause kennt?

Das, was ich als Zuhause kenn,
ist dann nicht mehr, wie es war,
will nicht Familie, Kinder, alles, was ich liebe
zurücklassen ohne irgendein Gewissen
darüber wo ich bin und was ich tu,
sodass sie bald vergessen, wer ich war.

Hört her, hört her,
er ist der Kriegsdienstverweigerer,
versucht heimlich, unbemerkt zu fliehen
vor den Pflichten, die sich über ihn ziehen,
er kann ihnen niemals entkommen
bis die Verantwortung er übernommen,
die zwar nirgends im Gesetz drinsteht
und doch in vielen Köpfen schwebt.

Warum seist nur du verschont,
von dem, was alle hier bedroht?
Sag, will denn irgendjemand freiwillig
in sein Verderben ziehen?
Du bist da ganz gewiss nicht allein,
und doch gehen wir alle zusammen für die Sicherheit.

Ich denke auch an meine Sicherheit,
die ich gerne um mich hab,
die ich mir hoch und heilig schätz
und nicht abgeben mag für etwas,
dem ich mich eigentlich widersetz.

Schaut her, schaut her,
er ist der Kriegsdienstverweigerer,
versucht heimlich, unbemerkt zu fliehen
vor den Pflichten, die sich über ihn ziehen,
er kann ihnen niemals entkommen
bis die Verantwortung er übernommen,
die zwar nirgends im Gesetz drinsteht
und doch in vielen Köpfen schwebt.

Wenn alle sind wie du,
und sich gegen all die Pflichten dieses Landes stellen,
sag, wo sollen wir nur Menschen herbekommen,
die bis auf die Knochen diesen Boden verteidigen
und eine Heimat, die in Trümmern liegt,
von diesen jemals zu befreien

Befreiung folgt auf Zerstörung,
die mir liegt so fremd,
vielleicht will ich gar nicht kämpfen,
weil der Kampf mir fern liegt,
wenn keiner kämpft, nur alle schweigen,
kann keine Zerstörung sich verbreiten.

Seht ihr nun den Pazifisten,
den wir in unseren Reihen listen,
der heimlich unbemerkt versucht zu fliehen
vor den Pflichten, die sich über ihn ziehen,
er kann ihnen niemals entkommen
bis die Verantwortung er übernommen,
die zwar nirgends im Gesetz drinsteht
und doch in vielen Köpfen schwebt.

Nennt mich Pazifist, sucht euch die übelsten aller Worte aus,
doch niemals treibt ihr mich aufs Feld zur Schlacht hinaus,
ich kenne meine Freiheit und lobe sie mir sehr,
mein Bedürfnis zu begreifen fällt euch ziemlich schwer,
ich will Krieg, Kampf und Zerstörung nicht steigern,
stattdessen lieber weiter verweigern.

***

Die Gewinner*innen des bundesweiten Schreibwettbewerbs „Die Freiheit, die ich meine – Gewissensfreiheit“ wurden am 21. März auf einer Festveranstaltung am Leipziger Standort der Stiftung Forum Recht geehrt. Die LZ sponserte dafür den Schülergewinn. Zudem konnte bis drei Tage vor der Preisverleihung aus den Shortlist-Beiträgen online über den Publikumsliebling abgestimmt werden.

Fast 1.000 Leser*innen haben an dieser Abstimmung teilgenommen. Aus den über 860 Einsendungen verschiedenster literarischer Gattungen schafften es 40 Werke letztendlich auf die Shortlist.

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