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Robert Pohlers studiert Gesang und singt bei amarcord – Ein Interview

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    LEIPZIGER ZEITUNG/Auszug aus der Ausgabe 35Robert Pohlers (22) erlernt einen besonderen Beruf. Der Leipziger singt im weltbekannten Vokalquintett amarcord und studiert nebenher an der Hochschule für Musik und Theater klassischen Gesang. Anlässlich des 800-jährigen Bestehens des Kreuzchores ist das Ensemble am 30. September 2016, 20 Uhr, in der Leipziger Thomaskirche zu erleben. Die LEIPZIGER ZEITUNG hat mit dem Tenor über seine Ausbildung gesprochen.

    LZ: Wann haben Sie mit dem Singen angefangen?

    Pohlers: Das war ziemlich früh. Ich erinnere mich, dass mein Bruder und ich bei unseren Eltern in der Badewanne ganze Wolfgang-Petry-Platten wiedergegeben haben. Davon existieren noch kompromittierende Fotos und Videos. (lacht) Die ersten Berührungspunkte mit klassischer Musik hatte ich durch Klavierunterricht. Dann ist mein Bruder in den Thomanerchor gegangen. Das war für mich spannend mitzuerleben. Ich war ursprünglich Geräteturner, hab dann aber gesagt, zum einen möchte ich meinen Bruder mehr sehen, zum anderen macht mir das Singen unheimlich viel Spaß. Also habe ich das einfach mal ausprobiert und bin dort aufgenommen worden.

    LZ: Hatten Sie schon vor dem Thomanerchor Gesangsunterricht erhalten?

    Pohlers: Ja, das kann man einfach nur jedem raten, der sich dort bewerben möchte.

    LZ: Heute sind Sie 2. Tenor bei amarcord. Nebenbei studieren Sie an der Hochschule für Musik und Theater (HMT) klassischen Gesang. Wie schaut Ihr Alltag aus?

    Pohlers: Meistens stehe ich um 8:30 Uhr auf. Um 9:30 Uhr finde ich mich zur Probe mit amarcord ein. Dann hängt es davon ab, welche Lehrveranstaltungen ich an dem Tag habe. In der Regel proben wir drei Stunden. Während für die anderen Mittagspause ist, gehe ich in die Hochschule und mache dort meine zwei, drei Geschichten am Tag. Anschließend wird bis 16:30 Uhr weitergeprobt.

    LZ: Wie häufig proben Sie mit amarcord?

    Pohlers: Eigentlich jeden Tag. Die Kollegen sind das von früher so gewohnt, dass von 9:30 Uhr bis 16:30 Uhr geprobt wird. Das lässt sich mit meinem Studienplan nicht ganz vereinbaren. Die Hochschule und meine Kollegen sind jedoch flexibel, so dass ich beides miteinander kombinieren kann.

    LZ: Wie läuft die Gesangsausbildung an der HMT ab?

    Pohlers: Das Studium ist sehr vielseitig. Wir haben nicht nur Gesangsunterricht, sondern lernen auch andere Dinge, die man später im Leben gebrauchen kann. Wir erhalten zum Beispiel auch Sprech- und Schauspielunterricht und Unterricht in Musikwissenschaft. Das Studium ist sehr polyvalent und deshalb sehr interessant.

    LZ: Welche Schwerpunkte setzen Sie sich in Ihrer musikalischen Ausbildung?

    Pohlers: Ich bin für alles offen. Meine Toleranzgrenzen sind ziemlich hoch. Ein Schwerpunkt ist die Frage, wie ich mit mir selbst im Konzert umgehe. Wie bereite ich mich so vor, dass ich im Konzert mental und körperlich so fit bin, dass ich immer meine Top-Leistung abrufen kann?

    LZ: Ihre Kommilitonen beneiden Sie sicher um die Chance, in einem international etablierten Ensemble zu singen?

    Pohlers: Schwer zu sagen. Ich glaube schon, dass der eine oder andere sagt, wo ist er jetzt, was macht er jetzt? Wie kann es sein, dass er jetzt nicht an der Hochschule ist und trotzdem vorwärts kommt? Das nehme ich aber nicht so wahr, weil natürlich keiner ankommt und sagt „ich beneide dich“. Damit beschäftige ich mich aber auch nicht, weil ich freundliche Kommilitonen habe. Zumindest bei denen, die ich kenne, habe ich nicht den Eindruck, dass große Missgunst dabei ist.

    LZ: Wie haben Sie reagiert, als das Angebot von amarcord kam?

    Pohlers: Wolfram Lattke hatte mich gefragt, hättest du Lust, mal mit uns was zusammen zu singen und könntest du dir vorstellen, mit uns zusammen Musik zu machen? Da weißt du natürlich noch nicht, was als nächstes passiert. Mir war schnell klar, dass ich mir die Chance nicht entgehen lassen sollte.

    LZ: Ihre vier Kollegen sind alle deutlich älter als Sie. Macht sich der Altersunterschied in der künstlerischen Arbeit in irgendeiner Weise bemerkbar?

    Pohlers: Nur in der Hinsicht, dass sie in manchen Dingen mehr Erfahrung haben. Das ist aber völlig normal. Ich muss schauen, dass ich das schnellstmöglich aufhole.

    LZ: Haben Sie jemals Angst gehabt, dass Ihnen der plötzliche Erfolg zu Kopf steigen könnte?

    Pohlers: Ich habe mich schon damit beschäftigt. Aber zum einen halten mich die Kollegen ganz gut am Boden. Zum anderen habe ich eine relativ eigene Art mit Kritik umzugehen. Ich freue mich genauso über gute Kritik wie ich mich über schlechte Kritik ärgere, wenn sie unberechtigt ist. Ich arbeite mit Kritik allerdings nur, wenn sie von Leuten kommt, von denen ich weiß, wir kennen uns über eine ziemlich lange Zeit persönlich und dass sie über die Kompetenz verfügen, mir ihre Kritik ehrlich anzutragen und mir nichts Böses wollen. Ich finde es auch wichtig, sich seiner Wurzeln bewusst zu sein. Wir kommen alle fünf aus dem Thomanerchor. Dort wird groß geschrieben, dass wir zwar etwas Besonderes tun, aber nichts Besonderes sind.

    LZ: Schwebt Ihnen nach dem Studium neben der Arbeit mit Amarcord eine Solistenkarriere vor?

    Pohlers: Das ist durchaus eine Option, zumal Tenöre nicht die ungefragteste Stimmgruppe in der Welt sind. Aber was das betrifft, möchte ich kleine Brötchen backen und mir die Zeit geben, mich zu entwickeln. Ich habe immer wieder kleinere Projekte mit Kantaten und werde im Februar meine erste Opernpartie singen. Ich muss immer schauen, was für mich und meine Stimme sinnvoll ist.

    LZ: Beschäftigen Sie sich auch mit Operngesang?

    Pohlers: Ja, absolut. Man kann aus Operngesang sehr viel lernen, weil das Zusammenspiel aus Gesang und Schauspiel sehr gefordert ist.

    LZ: Welche Partie möchten Sie gerne mal singen?

    Pohlers: Es ist schwierig, die eine Partie zu nennen, aber natürlich möchte ich gerne mal den Tamino aus Mozarts Zauberflöte singen.

    LZ: Am 30. September singen Sie mit amarcord in der Thomaskirche. Auf dem Programm stehen Werke aus dem Notenschrank der Kruzianer. Was verbindet Sie als Thomaner mit dem Dresdner Kreuzchor?

    Pohlers: Erstmal eine gesunde Rivalität. Es gibt ja auch diese schönen Fußballspiele gegeneinander. Eigentlich machen die Kruzianer das Gleiche wie wir. Ich war vor meinem Engagement mit einem Kruzianer-Ensemble auf Tour und kenne einige Kruzianer durch mein Studium.

    LZ: Auf welche für Musik dürfen sich die Konzertbesucher freuen?

    Pohlers: Im Konzert singen wir Werke von Kreuzkantoren und von Komponisten, die keine waren, aber heute das Repertoire des Chors mitprägen.

    Dieser Artikel erschien am 16.09.16 in der aktuellen Ausgabe 35 der LEIPZIGER ZEITUNG. An dieser Stelle zum Nachlesen auch für L-IZ.de-Leser.

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