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Bayreuther Festspiele: Ein verschwundener Hochzeiter läutet die Festspielzeit ein

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    In Bayreuth ist es mittlerweile gute Tradition, die Festspielzeit schon am Vorabend der Eröffnungsvorstellung einzuläuten. In diesem Jahr stand mit Klaus Langs Oper „der verschwundene hochzeiter“ eine Uraufführung auf dem Programm. Die erste seit 1882.

    Die Bayreuther Festspiele sind wahrlich nicht für die Pflege neuer Musik bekannt. Richard Wagner rief die Festspiele bekanntlich ins Leben, um in der fränkischen Provinz den „Ring des Nibelungen“ erstmals komplett aufzuführen. Das war 1876. Sechs Jahre später standen die zweiten Festspiele im Zeichen der Uraufführung des „Parsifal“. Im Jahr darauf verstarb Wagner in Venedig. Witwe Cosima herrschte fortan über den Grünen Hügel und widersetzte sich hartnäckig jedem innovativen Geist. An dem Festspielprogramm – die zehn letzten Opern des Meisters – hat sich bis heute nichts geändert. Auf dem Festspielhügel dürfen bis heute (fast) ausschließlich Werke Wagners gespielt werden.

    Gleichwohl scheuen die Festspiele nicht die (selbst-)kritische Auseinandersetzung mit Leben, Schaffen und Wirken ihres Gründungsvaters. Der „Diskurs Bayreuth“ bietet seit 2017 den Rahmen für das offizielle Begleitprogramm, das in diesem Jahr „Verbote (in) der Kunst“ thematisiert. Mit Klaus Lang beauftragte Festspielleiterin Katharina Wagner einen der arriviertesten Komponisten der Gegenwart, um das künstlerische Spektrum des Wagner-Festivals zu erweitern. Ausgangspunkt des „hochzeiter“ ist wie im „Lohengrin“ ein Verbot. In der österreichischen Sage besucht ein Mann die Hochzeit eines Fremden. Der Bräutigam bittet ihn zum Tanz, aber nicht länger, als die Musik spiele. Der Mann verstößt gegen das Verbot. Als er heimkehrt, sind 300 Jahre vergangen und er zerfällt zu Staub.

    Lang hat die kurze Sage – der Abdruck im Programmheft beansprucht eine Doppelseite – in ein neunzigminütiges Opernoratorium gebettet. Gespielt wird im „Reichshof“, einem alten Stummfilmkino im Stadtzentrum, das heute als Kulturbühne dient. Ursprünglich war das Markgräfliche Opernhaus vorgesehen. Terminliche Schwierigkeiten machten das Vorhaben zunichte. Für Langs langgezogene, bisweilen sakral klingende Klangfiguren ist der urige „Reichshof“ sowieso die bessere Spielstätte.

    Der alte Kinosaal besticht durch ein gewölbtes Dach und hölzerne Wandverkleidungen. Musiziert wird im Parkett an den Seiten und im Rang. Der Soundteppich, den das Ictus-Ensemble, der Chor Cantando Admont, Bass Alexander Kiechle (Hochzeiter) und Countertenor Terry Wey (Fremder) nach elektronisch vorgegebenem Takt produzieren, klingt in diesem Setting zum einen intim wie in einem Wohnzimmerkonzert, zum anderen raumeinnehmend wie in einer Kirche.

    Regisseur Paul Esterhazy, der auch Konzept und Raum entwickelte, konfrontiert den Zuschauer im Laufe des eineinhalbstündigen Abends mit einer Vielzahl von Fremden und Hochzeitern. Die Zwillinge Jiri und Otto Bubenicek, beides erfahrene Balletttänzer, sowie modernde Projektionstechnik machen’s möglich. Die Inszenierung folgt schnörkellos der überschaubaren Handlung. Alle Ortswechsel werden mit schnellen Videofahrten über Felder und Wiesen visualisiert. Das szenische Spiel der Bubenicek-Zwillinge mit ihren digitalen Doppelgängern hat eine gewisse Situationskomik.

    Klarheit und schlüssige Linien in der Musik finden nur leider kein Äquivalent in der Inszenierung. Die Fabel, die zu Beginn aus dem Off vorgelesen wird, lässt sich in Esterhazys Bilderfluten aus Video, Projektion, Tanz und Performance nur schemenhaft erahnen. Die wiederkehrenden Blicke des Fremden auf die Taschenuhr sollen vermutlich bedeuten, dass ihm die Zeit entgleitet. Eine schlüssige Antwort auf die Fragen, die die Parabel aufwirft, liefert die visuell reizvolle Inszenierung nicht.

    Kulturbühne „Reichshof“, Bayreuth
    Klaus Lang
    „der verschwundene hochzeiter“

    Weitere Vorstellungen: 26. & 27.07., jeweils 21 Uhr.

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