Dirk Zöllner und Manuel Schmid gastieren am Samstag, dem 21. Februar, ab 21:00 Uhr im Anker mit ihrem Programm „Die schönsten Balladen aus dem Land vor unserer Zeit“. Viele kennen Dirk Zöllner als Leadsänger der Band „Die Zöllner“. Er ist Sänger, Liedtexter und Komponist. Und worum es am 21. Februar im Konzert im Anker geht, darüber sprach er mit Holger Zürch.

Dirk, der Name Eures Projekts ist ebenso lang wie lyrisch – was für Musik bringt Ihr am 21. Februar in den Anker mit?

So wie es im Titel genannt ist: Die schönsten Balladen aus dem Land vor unserer Zeit. Das sind in unseren Augen vor allem die kunstvollen Songs von Franz Bartzsch, Wolfgang Scheffler, Ulrich Swillms, Holger Biege, Reinhard Lakomy und vielen anderen aus den 1970er Jahren in der DDR.

Lieder, die beispielsweise von Lyrikern wie Henry Pacholsky, Ingeburg Branoner, Fred Gertz, Kurt Demmler, Gisela Steineckert und Werner betextet wurden. Ziemlich hoher Anspruch an Text und Musik, ursprünglich fernab jedes kommerziellen Gedankens. Doch posthum gehen diese Werke vielen Menschen sehr intensiv ans Herz – man sieht es daran, dass uns regelrecht die Türen eingerannt werden.

Ihr seid auf der Bühne zu viert – wer ist alles dabei?

Mit Manuel Schmid, André Gensicke und Marek Arnold sind zwei erstklassige Pianisten und ein Saxofonist am Start, die in dieser Konstellation ein opulentes klangliches Erlebnis zelebrieren. Manuel Schmid sorgt mit seinen eigenen Alben in der deutschsprachigen Musikszene für viel Aufsehen und ist Frontmann der Stern-Combo Meißen.

Marek Arnold ist in der internationalen Progressive-Rock Szene eine feste Größe und hat mitgewirkt bei Alben von Steve Hackett (Genesis), Jon Anderson (Yes) und Derek Sherinian (Dream Theater). André Gensicke und ich gründeten 1988 unsere Big Band „Die Zöllner“, mit der wir in 38 Jahren bis jetzt siebzehn Alben veröffentlicht haben.

Alle beteiligten Musiker im Programm "Die schönsten Balladen aus dem Land vor unserer Zeit": Manuel Schmid (voc, key, perc), Dirk Zöllner (voc, git), Marek Arnold (sax, key, flt-rec), André Gensicke (key, voc) . Foto: Johanna Bergmann
Alle beteiligten Musiker im Programm „Die schönsten Balladen aus dem Land vor unserer Zeit“: Manuel Schmid (voc, key, perc), Dirk Zöllner (voc, git), Marek Arnold (sax, key, flt-rec), André Gensicke (key, voc). Foto: Johanna Bergmann

Wie kam es zu diesem Projekt? Wer hat da wen wann gefunden?

Die Idee zu diesem Projekt ist während der Corona-Pandemie entstanden. Ich habe Manuel zu einem Wohnzimmerkonzert eingeladen. Und er kam auf die Idee, diese alten Songs zu zelebrieren, obwohl er in den Siebzigerjahren noch nicht mal geboren war. Er hatte aber in seiner Heimat Altenburg einen Klavierlehrer, der diese Songs liebte.

Manuel hat das Material also mit der Muttermilch aufgesogen. Die Resonanz im Internet, wo wir das Wohnzimmerkonzert per Ton und Bild gestreamt haben, war jedenfalls überwältigend. Und so beschlossen wir, gemeinsam auf Tour zu gehen. Mit unseren jeweiligen Kompagnons als Verstärkung.

Und was ist Euer Anliegen?

Es macht uns Spaß, und wir pflegen ein Kulturerbe. Musik, die unter den bestimmten Bedingungen einer Enklave entstanden ist und die es in dieser Form wohl nie wieder geben wird.

Zugespitzt gefragt: Gab es in der DDR die besseren Balladen?

Da auch wir nur die Rezipienten dieser Songs sind, ist es uns vielleicht erlaubt, diese Frage zu bejahen. Auf jeden Fall sind diese Balladen in Komposition und Text einzigartig. Und bei mir im Speziellen ist es so, dass ich die Schönheit und die Besonderheit dieser Werke erst einige Jahre nach dem Ableben der DDR erkannt habe.

Dirk Zöllner im Programm "Die schönsten Balladen aus dem Land vor unserer Zeit". Foto: Johanna Bergmann
Dirk Zöllner im Programm „Die schönsten Balladen aus dem Land vor unserer Zeit“ Foto: Johanna Bergmann

Ihr habt mit den Balladen zwei Alben gefüllt und seid auf ausführlicher Tournee. Wie ist das Echo? Und wie könnte es damit weitergehen?

Das Echo auf den Konzerten ist überwältigend – und um einiges größer, als wir es erwartet hätten. Wir verkaufen auch richtig viele CDs und LPs. Auf unserem neuen Album sind sogar zwei Eigenkompositionen, die wir im Stil der alten Kunstsongs gehalten haben. Also viele Harmonien und kryptische Texte. Aber auch die Originale sind nicht einfach eins zu eins gecovert. Wir brechen das Material auf das Wesentliche hinunter, Melodie und Harmonien stehen im Vordergrund, auf die Accessoires der Zeit verzichten wir. Es gibt noch viele Schätze zu heben, und wir wollen auch weiterhin unsere Eigenkompositionen hinzufügen.

Das eigentliche Geheimnis liegt wahrscheinlich im Zusammenklang der Gesangsstimmen von Manuel und mir. Eine Tatsache, die uns selbst verwundert. Darüber hinaus ist unser Projekt von zwischenmenschlicher Qualität geprägt.

Wir lassen uns überraschen, und ich kann mir gut vorstellen, dass wir es noch ein paar Runden miteinander versuchen.

Hinweise zum Konzert im Anker am 21. Februar findet man hier.

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