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Webversand „Shiny Flakes“: Kurierfahrer gesteht Drogenlieferung nach Leipzig

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    Vor dem Landgericht begann am Montag mit dem Prozess gegen einen Kurier die juristische Aufarbeitung im Fall des Drogenversands "Shiny Flakes". Zhivko Z. (51) fuhr am 26. Februar sieben prall gefüllte Kartons mit illegalen Substanzen vom holländischen Eindhoven in die Messestadt. Nach der Übergabe an "Shiny Flakes"-Betreiber Maximilian S. (20) nahm eine Spezialeinheit den Wirtschaftstechniker fest.

    An der Schuld des Angeklagten gibt es nichts zu deuteln. Nachdem sich die Beteiligten auf einen Strafrahmen um die sechs Jahre Haft verständigt hatten, räumte der Kurierfahrer ein, am 26. Februar 27,6 Kilo Amphetaminpaste, 24.850 Ecstasy-Tabletten, 10 Kilo Haschisch und 10.000 LSD-Trips im Gepäck gehabt zu haben. „Der Anklagevorwurf ist zutreffend und wird durch Herrn Z. eingeräumt“, bestätigte Verteidiger Rolf Franek.

    Die Drogen waren für den Verkauf auf der Webplattform „Shiny Flakes“ bestimmt. Der Betreiber des Webshops, der Leipziger Maximilian S., ein junger Mann von sportlicher Statur mit Igelfrisur, machte am Montag von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Der Erwerbslose muss sich ab Dienstag selbst vor dem Landgericht verantworten. Die Ermittler konnten ihm Geschäfte mit über 900 Kilo verschiedener Betäubungsmittel nachweisen. Abgesehen von Heroin führte „Shiny Flakes“ alle gängigen Drogen sowie verschiedene verschreibungs- oder apothekenpflichtige Medikamente.

    Die Mutter des Großhändlers, Carmen S., bekam von den Drogengeschäften nichts mit. Der Filius führte anscheinend ein perfides Doppelleben. Während er im Netz Millionen umsetzte, gab er den Eltern vor, mittellos zu sein. „Ich dachte, ein bisschen Geld muss er haben, aber er hat sich immer wieder Geld geborgt“, berichtete die Einzelhändlerin. Maximilian S. mied das Klischee. Er verzichtete auf Luxusgüter, besaß weder Auto noch Führerschein, hatte keine Freundin und ging abends nicht feiern. „Wie sah an einem Sonnabend der Tagesablauf Ihres Sohnes aus“, erkundigte sich der Vorsitzende Jens Kaden. „Ausschlafen, Essen machen, Fernsehen“, glaubte S. zu wissen.

    Das klandestine Drogengeschäft betrieb der junge Mann, der eine Kellnerlehre angefangen, aber abgebrochen hatte, höchst professionell. Die verbotenen Substanzen bezog S. über das Internet aus den Niederlanden. Seine Geschäftspartner nannten sich in Chatrooms „Dutchmaster“ und „Godfather“. Drogenermittler sind nach wie vor mit der Auswertung sichergestellter Daten beschäftigt.

    Bestellungen versandte er möglichst so, dass die Polizei keine Chance hatte, die Briefe rechtzeitig aus dem Verkehr zu ziehen. „Herr S. wusste, wann die Briefkästen geleert werden und hat die Briefe fünf Minuten vorher eingeworfen“, erzählte Kriminalhauptkommissar Rocco D. (44). In der Kürze der Zeit war es den Beamten natürlich unmöglich, den notwendigen Gerichtsbeschluss zu erwirken. Die Finanzen wickelte der kriminelle Jungunternehmer über die Cyber-Währung Bitcoins ab. Die Technik verhindert die Nachverfolgung von Transaktionen.

    Zhivko Z. hat von dem Ausmaß der kriminellen Geschäfte höchstwahrscheinlich nichts mitbekommen. Der Kurier sollte für die Leipzig-Fahrt 400 Euro Lohn erhalten. Dazu gab’s 200 Euro Spesen. Staatsanwalt André Kuhnert beantragte sechs Jahre Haft. Die Verteidigung plädierte auf eine Strafe „mit Augenmaß“. Das Urteil wird am Mittwoch gesprochen.

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