Leipziger Rockerkrieg: Video zeigt Schießerei – United Tribuns verzichten bislang auf Vergeltung

Nach der tödlichen Schießerei am 25. Juni auf der Leipziger Eisenbahnstraße halten „Hells Angels“ und „United Tribuns“ offenbar den Ball flach. Die Polizei stellte am Wochenende keine Verstöße gegen ein umfassendes Aufenthaltsverbot fest, welches die Stadt gegen Mitglieder dreier Rockerclubs erlassen hatte. Am Samstag tauchte im Internet ein Handyvideo auf, das den Mord an dem United-Tribunds-Anwärter Veysel A. (27) praktisch live zeigt.

Mehrere Hundertschaften der Polizei kontrollierten über das gesamte Wochenende auf den Zufahrtsstraßen ins Stadtgebiet zahllose Fahrzeuge. Nach der Auseinandersetzung zwischen Mitgliedern der „Hells Angels“ und der „United Tribuns“ am 25. Juni, bei dem ein Anwärter der „United Tribuns“ starb und zwei weitere Mitglieder schwer verletzt wurden, befürchteten die Sicherheitsbehörden einen Racheakt. Streetgang-Sprecher Fritz L. (55) hatte allerdings unter der Woche gegenüber einer Boulevardzeitung versichert: „Von unserem Club wird es keine Racheaktionen geben, denn diese Gewalt bringt nichts.“ Kurz darauf verschwand jedoch sein vorheriges „United Tribuns“-Profil auf Facebook – nun macht eine Firma L. Werbung für Baudienstleistungen unter dem Namen.

Dem Anschein nach hält die Streetgang, die erst seit Anfang Mai in der Messestadt präsent ist, ihr Wort. „Wir haben keine Verstöße gegen die Allgemeinverfügung festgestellt“, teilte Polizeisprecher Andreas Loepki am Sonntagnachmittag gegenüber L-IZ.de mit. Anlass für die Allgemeinverfügung, die noch bis Montag um 6 Uhr gilt, war eine geplante Feier der „Hells Angels“. Das Leipziger Charter hatte allerdings schon am Donnerstag das Clubhaus in der Dessauer Straße geräumt und gegenüber den Behörden seine Selbstauflösung verkündet. Vermutlich wollten die Rocker auf diese Weise einem staatlichen Vereinsverbot zuvorkommen.

Seither schweigen die Behörden hartnäckig zu weiteren Einzelheiten mit der Begründung, den weiteren Ermittlungserfolg nicht zu gefährden. „Auch die Hintergründe und etwaigen Motive der Tat, sowie der genaue Tatablauf ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen, die mit Hochdruck geführt werden“, so Sprecherin Jana Friedrich für die Staatanwaltschaft Leipzig.

Video mit Tathergang aufgetaucht

Seit dem gestrigen Samstag kursiert im Internet ein Handyvideo, das die tödlichen Schüsse vom 25. Juni 2016 zeigt. Weitgehend erkennbar ist, wie sich ein Pulk von United-Tribuns-Mitgliedern auf die Gruppe der „Hells Angels“ zubewegt. Die Rocker haben zuvor demonstrativ einen Freisitz vor dem Eckladen an der Neustädter Straße besetzt und erwarten die herankommende Gang. Wenige Schritte entfernt auf der Neustädter parkt ein Mannschaftswagen der Polizei, mindestens zwei Beamte sind zu erkennen. Die „United Tribuns“ suchen zielgerichtet den körperlichen Konflikt mit den „Höllenengeln“. Mindestens ein Polizist versucht noch, die Streitparteien voneinander zu trennen, indem er auf die „United Tribuns“ einzuwirken versucht.

Völlig unvermittelt fallen sieben Schüsse. Die „United Tribuns“ ergreifen sofort die Flucht. Eine Person bleibt auf der Straße liegen. Bei dem Mann soll es sich um Veysel A. handeln. Ein Hells Angel setzt nach, indem er dem Schwerverletzten gegen den Kopf tritt, andere schwärmen aus und verfolgen die weglaufenden „United Tribuns“. Mindestens einer der Verfolger brüllt „Hinlegen, hinlegen hab ich gesagt“.

Die Aufnahmen belegen einerseits, dass die „United Tribuns“ sich haben provozieren lassen und selbst die tätliche Auseinandersetzung mit Angehörigen des verfeindeten Rockerclubs am Tattag einleiteten. Sie beweisen aber auch, dass die mutmaßlichen Schützen Stefan S. (30) und „Matze“ M. (33) weit früher schossen, als man es bislang annehmen konnte.

Hinweis d. Redaktion: Entgegen anderer Berichte auf der L-IZ.de hat sich im Beitrag ein Fehler eingeschlichen. In einer ersten Version war von acht Schüssen die Rede, es handelt sich jedoch nur um sieben.

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