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Überfall auf Connewitz (2): Junge Lok-Ultras politisch missbraucht?

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    ExclusivDie Mobilisierung für den 11. Januar 2016 richtete sich nicht nur an Angehörige der rechten Szene. Die Leipziger Gerüchteküche berichtet direkt nach dem Überfall bereits von einer unverfänglichen Wortwahl, um junge Lok-Fans aus der erlebnisorientierten Ultraszene zur Teilnahme am Überfall zu bewegen. Tatsächlich befinden sich auf der Liste zahlreiche Namen junger Fußballfans aus Leipzig und Umgebung, die nicht vor 1995 geboren sind. Manche zeigen in ihren Facebook-Profilen offene Sympathien für die blau-gelbe Ultrakultur, wie sie von der Gruppe „Gauner Lok“ gelebt wird.

    Dabei handelt es sich zumindest zeitlich um die Nachfolgerin der aufgelösten Fangruppierung „Scenario Lok“. Die selbsternannten „Gauner“ tolerieren zwar rechtes Gedankengut in ihren Reihen. Die Gruppe ist aber, anders als „Scenario“, nicht rechtsextrem ausgerichtet. Ferner verstehen sich die Gauner-Ultras auch nicht als elitärer Männerbund.

    Insofern würde ein direkter Aufruf zum Angriff auf Connewitzer Geschäfte und Gaststätten ohne Fußballbezug bei diesem Klientel nicht wirklich auf fruchtbaren Boden fallen. Dazu passt eine Statistik des sächsischen Innenministeriums. Demnach lagen dem Landesamt für Verfassungsschutz nur zu 77 Tatverdächtigen Erkenntnisse mit rechtsextremistischen Bezügen vor. Und bei weitem nicht alle gehören dabei zum Lok-Umfeld.

    Nicht übersehen werden darf der Fakt, dass am 11. Januar auch Personen nach Leipzig-Connewitz fanden, die keine erkennbaren Nähen zum regionalen Fußballmilieu aufweisen, gleichwohl aber Neonazi-Organisationen und rechten Parteien nahestehen. Prominentestes Beispiel ist sicherlich ein NPD-Kader, Gianluca B. (22) aus Niedersachsen. Hinzu kommt eine diffuse Schnittmenge aus Neonazis und Stadiongängern. Der sächsische Verfassungsschutz stellte unter den Festgenommenen sechs frühere Scenario-Mitglieder und sechs Mitglieder der Dresdner Hooligan-Combo „Faust des Ostens“ fest.

    Umgekehrt kommen weitere Neonazis vor, die einen Teil ihrer Freizeit gerne in Fußballstadien verbringen.

    Mancher sprach im Nachgang von der größten Zerstörung nach der "Reichskristallnacht" in Leipzig. Foto: L-IZ.de
    Mancher sprach im Nachgang von der größten Zerstörung nach der „Reichskristallnacht“ in Leipzig. Foto: L-IZ.de

    Auffällig ist ferner die gehäufte positive Bezugnahme der Verdächtigen auf regionale Kampfsportler und Gyms im sozialen Netzwerk „Facebook“. Das überrascht kaum. Freefight-Wettkämpfe sind für Hooligans und Neonazis in Ostdeutschland seit Jahren ein probates Mittel, um ihren Aggressionen in einem legalen Rahmen freie Bahn zu lassen. Die im Training erlernten Techniken kommen wiederum beim militant ausgetragenen „Kampf um die Straße“ zum Einsatz.

    Einige der Angreifer trainieren seit Jahren Kampfsport. Zu den Festgenommenen zählte beispielsweise Christopher H.. Der Profi-Freefighter bewegte sich politisch im Umfeld der rechtsextremen Ultragruppe „Scenario Lok“. Marcus K. (29)  hält sich ebenfalls seit vielen Jahren im Dunstkreis der blau-gelben Fanszene auf. Timo F. (20) gehört dagegen zu einer nachgewachsenen Generation erlebnisorientierter Lok-Fans.

    Der frühere Scenario-Anhänger Paul H. (26) ist für Kenner der lokalen Neonaziszene kein Unbekannter. Ende der 2000er Jahre hatte der Leipziger gemeinsam mit anderen Scenario-Mitgliedern rege an rechten Aufmärschen teilgenommen. Ebenfalls festgenommen wurde der Dresdner Freefightprofi Tim Z. (27).

    Doch unter den Tatverdächtigen befinden sich noch weit bekanntere Personen aus der regionalen Neonazi- und Hooliganszene. Mancher hat es längst zu zweifelhafter Prominenz in Sachsen gebracht. Andere haben sich zudem bereits vor längerer Zeit intensiv über weitere Aktionen verständigt.

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