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Aus Worten werden Taten? Verdächtiger zu Dresdner Moscheeanschlag festgenommen

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    Wenn sich die ersten Informationen des Operativen Abwehrzentrums (OAZ) bestätigen, ist wohl festzuhalten: Aus Worten werden nun mal Taten. Seit heute ist zumindest klar: bei der Suche nach dem oder den Tätern des Angriffs vom Montag, 26. September 2016, kurz vor bzw. kurz nach 22 Uhr auf eine Dresdner Moschee in der Hühndorfer Straße, sind die Ermittler nun laut einem mittlerweile bestätigten Bericht der BILD-Zeitung auf Nino K. gekommen. Er steht im Verdacht, mittels einer Spreng- oder Brandvorrichtungen zwei Anschläge gegen die Moschee und das Kongresszentrum am Ostra-Ufer verübt zu haben. Am 13. Juli 2015 hielt Nino K. noch eine flammende Rede bei Pegida, beklatscht von Bachmann für den Frieden und gegen den Islam, die „faulen Afrikaner“ und Angela Merkel.

    Ein Tag, an welchem der Redner auf der Bühne eher höhnisch bemerkt, dass ihn der Spiegel zum „harten Kern von Pegida“ zählt. Verhärtet war damals mindestens bereits die Einstellung des Dresdners zu Ausländern jeder Art, wie man auf Youtube bis heute nachhören kann. Laut Ansprache habe er Angela Merkel, also die CDU, zweimal gewählt, da sie das Scheitern der multikulturellen Gesellschaft bekannt gegeben habe. Danach muss ihn die Kanzlerin dann enttäuscht haben – Nino K. verlas einen offenen Brief an sie, in welchem er sich unter anderem wunderte, warum die „faulen Afrikaner ihre Länder“ nicht aufbauen und stattdessen nach Deutschland kommen. Merkel würde zusehen, wie Kinder vergewaltigt würden.

    War er da noch für den Verzicht auf Gewalt im Nahen Osten, wendete er laut den Medienberichten und Informationen vom OAZ ein Jahr später selbst welche an. Und muss sich eventuell selbst vor Gericht verantworten, was er sich noch im Juli 2015 für Angela Merkel wünschte. Der Rest bestand aus dem gesammelten Pegida-Sprech in einer Rede vereint, auffallend jedoch auch die Aussage, der Islam sei eine Massenvernichtungswaffe.

    Nun meldet am heutigen Morgen das OAZ zur am Donnerstag im Zuge der Ermittlungen rings um den Moschee-Anschlag „Durchsuchungsmaßnahmen und Festnahme“: „Am Donnerstag, den 8. Dezember 2016, wurden im Ermittlungsverfahren der Generalstaatsanwaltschaft Dresden – Integrierte Ermittlungseinheit Sachsen – Sonderdezernat zur Bekämpfung politisch motivierter Kriminalität (INES-PMK) und des OAZ wegen des Verdachts des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion an der Fatih Camii Moschee Dresden ein Haftbefehl sowie zwei Durchsuchungen in Dresden realisiert.“

    Dabei hätten die umfangreichen Ermittlungen zu Hinweisen „auf einen 29-jährigen Mann aus Dresden“ geführt. „Bei den durchgeführten Maßnahmen konnten diverse Gegenstände gesichert werden, die mutmaßlich zur Herstellung von Spreng- und Brandvorrichtungen genutzt werden können. Im Ergebnis der kriminaltechnischen Untersuchung stimmen die an verschiedenen Tatmitteln gesicherten DNA-Spuren mit der DNA des Beschuldigten überein.“

    Demnach dürfte also entgegen eines offenkundig gefälschten Bekennerbriefes auf Indymedia die Spur eher in die gewaltbereite, rechte Ecke geführt haben. Zwischenzeitlich hatten linksradikale Aktivisten sogar 5.000 Euro Belohnung für Hinweise auf den oder die Täter ausgerufen. Dennoch dürfte es spannend werden, will man Nino K. die Schuld lückenlos nachweisen – im Anschluss an die Entdeckung des Anschlages war es zu Fehlern am Moschee-Tatort gekommen. Dieser war laut Medienberichten ungenügend abgesperrt gewesen, das Betreten für unberechtigte Personen möglich.

    Die Polizei hatte mittels Kameraufzeichnungen nach dem Täter gefahndet. Bild: PD Dresden
    Die Polizei hatte mittels Kameraaufzeichnungen nach dem Täter gefahndet. Bild: PD Dresden

    Der Beschuldigte muss sich nun laut OAZ-Mitteilung „wegen des Verdachts des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion am 26.09.2016, 22:09 Uhr, auf der Freitreppe des Internationalen Congress Centrums (ICC) in Dresden und den platzierten Sprengattrappen im Bereich der Dresdner Marienbrücke verantworten.“ Fraglich ist – stellt sich die Schuld des Pegida-Redners tatsächlich vor Gericht heraus – erneut die Rolle des Verfassungsschutzes in Sachsen. Dieser hat mehrfach erklärt, Pegida nicht zu überwachen.

    Unschön wäre der ganze Vorgang auch für Lutz Bachmann und seine Bewegung. Noch im Vorfeld des 3. Oktober 2016 hatte Bachmann versucht, ersten Vermutungen zu den Anschlägen in Richtung Pegida mit einer Opfertheorie zu begegnen, indem er über Versuche mutmaßte, die Demonstrationen am 3. Oktober irgendwie verhindern zu wollen.

    Nun versucht es der Pegida-Kopf mit einer weiteren Attacke angesichts der Ermittlungen. Gegenüber den Vergewaltigungen von Ausländern würde hier maßlos übertrieben. „Vollidiot zündet Böller an Moscheetür, welche daraufhin verrußt wird. Keinerlei Menschen verletzt, ja noch nicht einmal wirklich gefährdet gewesen – Hysterische Berichterstattung, weil mutmaßlicher Täter wahrscheinlich mal das „offene Bürger-Mikrophon“ bei PEGIDA nutzte! Ob Täter psychische Probleme hatte bleibt unbekannt, Nationalität wird umgehend bekannt gegeben!“

    Dass Bachmann die Rede von Nino K. aufgeregt beklatschte, scheint er bereits vergessen zu haben. Hysterisch ist es eher weniger, wenn nun klar werden könnte, dass die betonte Friedlichkeit auf Pegida-Veranstaltungen weitere Risse bekommt. Einen Zusammenhang zwischen Worten und Taten scheint es für Bachmann jedenfalls nicht zu geben.

    In eigener Sache: Lokaler Journalismus sucht weitere Freikäufer

    https://www.l-iz.de/bildung/medien/2016/11/in-eigener-sache-wir-knacken-gemeinsam-die-250-kaufen-den-melder-frei-154108

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