+++Update 3.11.2017 Die Kriminalpolizei sucht im Fall der Explosion am 7. Oktober im Barclayweg weiter nach Augenzeugen: Insbesondere werden Zeugen gesucht, die unmittelbar vor oder unmittelbar nach der Explosion an dem Wohnhaus waren bzw. darauf geblickt haben und Aussagen zu Personen- und Fahrzeugbewegungen machen können. Darüber hinaus bittet die Polizei um Bereitstellung von Videoaufnahmen, welche ebenfalls unmittelbar nach der Explosion gefertigt worden sind und u. a. die Bereiche vor und hinter dem Wohnhaus zeigen. Zeugen wenden sich bitte an die Kripo Leipzig, Dimitroffstraße 1 oder melden sich unter der Telefonnummer (0341) 966 4 6666.+++

Der Beitrag vom 24. Oktober 2017

Offenkundig ist die Leipziger Polizei im Falle der schweren Detonation am 7. Oktober 2017 in einem Mietshaus am Barclayweg in Meusdorf einen entscheidenden Schritt vorangekommen. Mit Wirkung vom 23. Oktober wurde nun ein Haftbefehl gegen den 28-jährigen Mieter der Wohnung erlassen, in welcher die Explosion stattfand. Der Mieter selbst soll sich zu diesem Zeitpunkt zwar in Thüringen befunden haben, wird aber nach den Ermittlungen am Tatort für den Verursacher des Geschehens gehalten. Seit heute sitzt der junge Mann auf Anweisung des Haftrichters in Untersuchungshaft.

Als die Einsatzkräfte kurz nach 14 Uhr am 7. Oktober vor Ort kamen, bot sich ein Bild schwerer Zerstörungen in der dritten Etage eines Mietshauses. So meldete am gleichen Tag die Polizei: „Die Fensterrahmen der betreffenden Wohnung waren nicht mehr vorhanden. Auf der Rückseite hing der Fensterrahmen nur noch sprichwörtlich an einem seidenen Faden. Der Balkon und die komplette Wohnung waren ausgebrannt. Gegenstände lagen auf der Rückseite des Hauses bis zu einem Spielplatz, wo sich niemand zum Zeitpunkt der Explosion befand. Glassplitter lagen auf der ca. 100 Meter entfernten Chemnitzer Straße.“

Vor dem Wohnblock befanden sich zu diesem Zeitpunkt 21 Personen, die selbstständig das Gebäude verlassen hatten. Der Brand im Mitteleingang des dritten Obergeschosses war gerade dabei in den vierten Stock überzugreifen, eine 38-jährige Mieterin hatte sich mit einem Sprung auf der Rückseite vom Balkon zu retten versucht und wurde dabei schwer verletzt.

Unklar blieb, wodurch und wer all dies ausgelöst hatte. Der Mieter der detonierten Wohnung kam nach Leipzig, begab sich ins Krankenhaus und wurde anschließend von der Polizei vernommen. Am 9. Oktober wurde zumindest bekannt, dass sich der junge Mann tatsächlich in Thüringen aufgehalten hatte – die Polizei nannte sein Alibi „wasserdicht“.

Seit heute nun sitzt er dennoch in Haft und die Polizei meldete: „Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Leipzig hat der Ermittlungsrichter beim Amtsgericht Leipzig gegen den 28-jährigen Mieter der zerstörten Wohnung am 23.10.2017 einen Haftbefehl wegen des dringenden Tatverdachts des versuchten Mordes, der besonders schweren Brandstiftung, des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion sowie der gefährliche Körperverletzung erlassen.“

Man habe „umfangreiche kriminaltechnische Tatortarbeit durchgeführt. Durch die Kriminalpolizei wurden unter anderem Brandmittelspürhunde und Experten des Landeskriminalamtes Sachsen hinzugezogen. Im Ergebnis der bisher vorliegenden Ermittlungen und der gesicherten Beweismittel gehen die Ermittlungsbehörden davon aus, dass der 28-Jährige selbst den Brand und die Explosion, welche durch Entzündung eines Luft-Gas-Gemischs hervorgerufen wurde, verursacht hat.“, so die Polizei am 24. Oktober.

Die Ermittlungsbehörden gehen zudem davon aus, dass der Beschuldigte in Kenntnis der Gefährlichkeit seines Handelns den Tod anderer Mitbewohner billigend in Kauf genommen hat. Weitere Angaben möchte die Polizei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht machen, der Beschuldigte habe sich bisher nicht zu den gegen ihn erhobenen Tatvorwürfen geäußert.

Die Polizei zum bisher bekannten Schaden: „Der Sachschaden am Gebäude beträgt nach vorläufiger Schätzung mindestens eine Million Euro. Eine Bewohnerin des Hauses erlitt durch einen Sturz aus ihrer über der Wohnung des Beschuldigten gelegenen Wohnung lebensgefährliche Verletzungen und befindet sich weiterhin im Krankenhaus. Zwei weitere Bewohner mussten sich aufgrund leichter Verletzungen in ärztliche Behandlung begeben.“

Zum Beitrag vom 7. & 9. 10. 2017: Schwere Explosion in Leipzig Meusdorf

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