Laura, Sophie, Jasmin und Kim: Vier eineiige Frühchen in Leipziger Uniklinikum

Wer schon einmal ein solches Würmchen in der Hand gehalten hat, weiß, um was es geht. Früh geborene Kinder liegen wie zerbrechliche Küken in der Hand und man hat Angst, sie mit der kleinsten Bewegung zu verletzen. Dabei erweisen sich diese zarten Westen als zähe Kämpfer. Das nicht auch zuletzt dank der Fortschritte in der Neonatologie. Fortschritte, von denen auch die eineiigen Vierlinge profitieren, die am Freitag, 6. Januar, im Uniklinikum per Kaiserschnitt zur Welt kamen.

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Beste Nachricht dabei: Die Mutter und die vier frühgeborenen Mädchen sind wohlauf. Am Freitagabend, zwischen 21.45 Uhr und 21.50 Uhr holen am Leipziger Uniklinikum Prof. Holger Stepan und Prof. Renaldo Faber im Minutentakt Laura, Sophie, Jasmin und Kim auf die Welt. Ein kurzer Blick auf die Kinder für die aufgeregten Eltern – dann nimmt im Nachbarraum des Kreißsaal-OPs ein Team aus fünf Neonatologen und mehreren Schwestern die 28 Wochen alten Frühchen von den Hebammen in Empfang. Weitere fünf Minuten später sind alle vier neuen Leipzigerinnen in Inkubatoren versorgt und auf der neonatologischen Station.

Nach nur wenigen Minuten ist der große Moment vorbei. Erleichterung und Stolz bei den Eltern und dem gesamten medizinischen Team. Als alles überstanden ist, kommen dem Vater die Tränen. „Jetzt ist mir ein Stein vom Herzen gefallen“. Erst am Vortag hatte die Familie, die schon einen fünfjährigen Sohn hat, ein neues Auto gekauft und die Kinderzimmer fertig eingerichtet. Dann meldeten sich am Freitagabend die Mädchen. „Die wussten, jetzt können wir kommen“, so der Vater. „Wir sind sehr glücklich, dass es der Mutter und den Kindern gut geht und diese sehr außergewöhnliche und extrem seltene Schwangerschaft so gut verlaufen ist“, sagt Prof. Holger Stepan, Leiter der Geburtsmedizin am UKL, nach der besonderen Geburt.

„Vierlinge auf die Welt zu holen ist für uns Geburtsmediziner ein einmaliges Erlebnis, dass sich vermutlich nicht wiederholen wird“. Die Wahrscheinlichkeit, dass eineiige Vierlinge auf natürlichem Wege entstehen und in einen lebensfähigen Bereich kommen, ist verschwindend gering. „Dass eine solche Mehrlingsschwangerschaft mit einer gemeinsamen Plazenta dann bis zur 28. Woche völlig problemlos verläuft, gleicht einem Wunder“, erklärt Prof. Renaldo Faber, der die 31jährige Mutter während der Schwangerschaft betreut im Zentrum für Pränatale Medizin Leipzig hat.

Zu diesem einzigartigen Glück gratulierten am Montag die UKL-Vorstände Prof. Wolfgang Fleig und Ekkehard Zimmer. Neben guten Wünschen gab es auch ein besonderes Geschenk für die frischgebackenen Vierlingseltern: „Wir freuen uns mit den Eltern über diese außergewöhnliche Geburt und möchten unsere ersten Vierlinge seit über 30 Jahren auch nach der Zeit am Klinikum unterstützen“, so Prof. Fleig. „Deshalb werden wir als Uniklinikum die Windeln für die vier Mädchen sponsern – auch für die kommenden Jahre.“

Zu diesem Geschenk gab es noch vier Schlafsäcke und vier Bodys. Die sind allerdings noch zu groß für die Mädchen, obwohl die mit einem Geburtsgewicht zwischen 980 und 1100 Gramm zu den „großen“ Frühchen zählen. Das kleinste bisher am UKL geborene Frühgeborene wog nur 340 Gramm. Auch wenn die Vierlinge wohlauf sind, gibt es für die Neonatologen noch keine Entwarnung. „Die Mädchen haben die frühe Geburt erstaunlich gut überstanden. Jetzt müssen wir sicherstellen, dass sie sich in den nächsten Tagen gut an die neuen Lebensumstände außerhalb der Gebärmutter anpassen“, erklärt Prof. Ulrich Thome, Leiter der Neonatologie.

Hier auf der Frühgeborenenstation werden die Vierlinge voraussichtlich die nächsten zehn Wochen bis kurz vor dem natürlichen Geburtstermin bleiben müssen. Das Universitätsklinikum Leipzig ist die größte Geburtsklinik Sachsens. 2011 kamen hier 2292 Kinder auf die Welt, darunter vier Mal Drillinge. Die letzte Vierlingsgeburt am UKL gab es 1976.


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