Stadt Leipzig – ein Boxenluder? RB Leipzig in der Baby Box

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug aus Ausgabe 41Es gibt einen Neuzugang in der Leip­ziger Babybox. In der Schatulle für Neugeborene, die die Stadt Leipzig verantwortet, liegt seit Neuestem eine Fan­mütze von RB Leipzig obenauf. Die Stadt und die Stadtholding „L“, die den Versand und die Bestückung verantworten, bleiben Antworten zu Standards und Umfängen schuldig. Der Leipziger Kinderschutzbund sieht es zumin­dest offiziell nur als marginal problematisch, dass ein Energy-Drink-Hersteller indirekt auf Köpfen von Babys werben darf, spricht sogar von einer „Hetze“ gegen RB Leipzig an der man sich nicht beteiligen wolle.
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Für jeden neugeborenen Leipziger erhalten die Eltern von „Frischlingen“ im Standesamt eine Begrüßungsmappe in der sich unter anderem ein Gutschein für die Babybox befindet, den man im Familieninfobüro abgeben kann. Die Box gibt es dann nach Hause. Normalerweise befinden sich in der Babybox Geschenke der stadteigenen Firmen wie ein Badethermome­ter oder Steckdosensicherungen. Auch einen Latz und die Babycard der LVB, die einem Elternteil und dem Neugeborenen Freifahrten für ein Jahr ermöglicht, packen Eltern Neuge­borener aus. Zeitweise gab es Babysocken von der Sparkasse Leipzig und neuerdings auch Babystrickschuhe der AOK.

So weit, so gut und bisher unproblematisch – zumindest weitestgehend. „Würden wir als Kinderschutzbund Geschenke an Eltern ver­teilen, würden wir Fremdwerbung gern so weit wie möglich vermeiden wollen“, heißt es vom Kinderschutzbund Leipzig (KSB). Geschäfts­führerin Kristin Drechsler räumt allerdings ein, dass „viele Angebote der Kinder- und Jugend­hilfe gänzlich ohne Spender und Sponsoren überhaupt nicht funktionieren“ würden.

Ergo: Wir nehmen alles, was wir kriegen kön­nen, denn wir haben selbst kein Geld. Das zieht sich bis in die offenen Freizeittreffs, wo man dankbar für Torwände ist, auch wenn die von einem Energy-Drink-Hersteller geliefert werden.

Hauptsache, es ist etwas da. „Krankenkassen, Banken und Wirtschaftsunternehmen stellen immer wieder zusätzliche Mittel zur Verfü­gung, da die kommunalen Mittel für Kinder, Jugendliche und Familien immer knapper werden. Auch wir müssen aus Spenden und Beiträgen für viele Projekte und Angebote sogenannte Eigenmittel beitragen, die ohne solche Förderer nicht möglich wären.“

Selbst der Versand der Elternbriefe, von denen alle Eltern in Leipzig mindestens drei vom KSB erhalten, sei nicht mehr in dem Umfang wie früher möglich. „Würde ein Sponsor uns anbieten, hierfür die Kosten zu übernehmen, würden wir sicher nachdenken, ob dies für uns eine Option wäre.“

Die LZ-Anfrage hat den Kinderschutzbund ein wenig aufgescheucht, bis zum Landesver­band sollen sogar Mails gegangen sein, wie man denn mit der Frage umgehen solle. Wie denn der Kinderschutzbund Leipzig dazu steht, dass in einer Babybox nun Merchan­dising-Artikel für eine Fußballmannschaft liegen.

„Babymützchen mit dem RB- Logo wären dabei aber nicht unser Stil. Ein Mas­sagegutschein für die Mutter, gesponsert von Rasenball würde uns schon wieder ins Nachdenken bringen. Wir sehen aber in der Babymütze des RB Leipzig nicht primär eine Werbung für ein Energy-Getränk sondern für den nun wieder in der 1. Bundesliga ver­tretenen Fußball in Leipzig“, heißt es weiter in der Antwort auf die Presseanfrage der LEIPZIGER ZEITUNG.

Tatsächlich prangt auf der Mütze das Ver­eins-Logo von RB, was sich nur geringfügig vom Logo der Marke Red Bull unterscheidet. Das scheint für den KSB, also immerhin für Sozialpädagogen, deren Bundesverband auf Anfrage die Arbeit des KSB für gesunde Ernährung unterstreicht, kein Problem zu sein. Oder die Gesundheitskampagne des Bundesverbands hat sich noch nicht bis nach Leipzig herumgesprochen.

„So wie wir Werbung für Alkohol und Zigaretten im Zusammenhang mit den Angeboten des Kinderschutzbundes ablehnen würden, würden wir vermutlich auch keine Werbung für einen Energydrink propagieren. Rein rechtlich gesehen, werden bei RB keine jugendgefährdenden Getränke (nach Jugend­schutzgesetz) beworben, im Gegensatz zu anderen Vereinen.“

Wer diese anderen Vereine sind, lässt Kristin Drechsler offen. Und zu RB schiebt sie nach: „RB polarisiert nicht nur die Leipziger, sondern die ganze Fußballwelt. Für die einen handelt es sich um einen Energydrink, für andere um einen Fußballclub. Es ist daher in letzter Konsequenz Sache der Kommune selbst, sich hierzu zu positionieren. Der KSB Leipzig wird sich nicht, auch nicht in versteckter Form, an einer Hetze gegen RB Leipzig beteiligen.“

Aber mit der Kommune ist das auch so eine Sache. Eine Anfrage der LZ, wer denn alles etwas in die Babybox stecken darf, was das kostet und ob es eine kriteriengeleitete Qua­litätssicherung gibt, ließ „L“ trotz mehrfacher Nachfragen unbeantwortet. Auch ob es andere Leipziger Vereine gibt, die über die Babybox werben wollen, wurde nicht beantwortet, denn auch in sportpolitischer Sicht lehnt sich die Stadt hier weit aus dem Fenster. Der KSB nannte die Referentin für Familienpolitik, Dr. Cornelia Pauschek, als Ansprechpartnerin, die ebenfalls nur an „L“ verwies.

Sozialpädagogen, die über die negativen Aspekte der Einmischung von RB in die Kinder- und Jugendangebote der Stadt reden wollen, gibt es einige, sie wollen aber alle nicht ihren Namen in einer Zeitung lesen, zu abhängig sei mittlerweile die Kinder- und Jugendarbeit in Leipzig von RB.

Abgesehen von RB bleibt die Frage offen, ob nicht auch beispielsweise Parteien die Babybox als Werbeplattform nutzen könnten. Vielleicht gibt es ja bald SPD-Fähnchen für den kleinen Sonnenschein mit Befestigungs­möglichkeit am Kinderwagen.

Getreu dem Motto: Hauptsache, wir haben etwas. Und wer es gibt, ist doch eigentlich auch egal.

Die Leipziger Zeitung Nr. 41 aktuell in Leipzig zu kaufen

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