Leipziger Bahnhofsmission: Helfen hilft – mehr helfen hilft noch mehr

Etwas versteckt an der Westseite des Hauptbahnhofs, fast schon am Ende des Gebäudes, hängt die Fahne der Leipziger Bahnhofsmission und kündet von dem Ort, an dem Reisende und sozial Benachteiligte Hilfe finden. Das Angebot geht über eine Tasse Tee hinaus, selbst Kinder werden von Mitarbeitern auf ihrer Reise begleitet. Würden noch mehr helfen, wäre noch mehr möglich.
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Frank Engelien und Carlo Arena kennen sich zwar erst seit wenigen Wochen, trotzdem scheinen sie sich schon gut aufeinander abgestimmt zu haben, der Leiter und sein Stellvertreter in der Leipziger Bahnhofsmission. Engelien, Diplom-Theologe und Diplom-Sozialpädagoge wird ab 1. Juli offiziell die Leipziger Bahnhofsmission leiten und hat gemeinsam mit Arena, der 1991 in Rom alles stehen und liegen ließ und mit seiner Frau nach Leipzig ging, große Ziele. Es scheint so, als ob sich die letztes Jahr noch vor dem Aus stehende Leipziger Bahnhofsmission noch unentbehrlicher machen will.

Bisher ist sie da für alle Reisenden, die nicht wissen, wie sie genau ihr Ziel in der Stadt erreichen, die durchnässt sind, ein trockenes Kleidungsstück brauchen oder andere Hilfe benötigen. „Für Recht und Ordnung ist hier die Polizei zuständig, für medizinische Hilfe die Ärzte und der Rest kommt erstmal zu uns. Wir helfen kostenlos und anonym“, erklärt Arena, der seit 2003 in dieser Einrichtung arbeitet.“Pro Tag besuchen unzählige Menschen den Hauptbahnhof, da gibt es Hilfebedarf und wir schicken keinen weg, denn wir sind ihr Anlaufpunkt“, sagt Engelien. „Letzten Freitag erst war eine junge Mutter da, die für ihren einjährigen Sohn Gustav die Nahrung aufwärmen musste“. Sind Sie gehbehindert und müssen auf dem Bahnhof schnell den Zug wechseln? Brauchen Sie Hilfe beim Koffertransport? Die Bahnhofsmission hilft.

Auch sozial Benachteiligte können zur Bahnhofsmission kommen. „Wasser und Obst geben wir gern und versuchen zu helfen, indem wir die Person weitervermitteln“, so Arena. Obdachlose etwa werden an die Oase, den Tagestreff für Obdachlose, vermittelt oder in den Tagestreff in die Rückmarsdorfer Straße. Ein Tagestreff für Obdachlose ist die Bahnhofsmission selbst nicht. Die Räumlichkeiten stellt die Bahn, Träger sind Caritas und Diakonie. Engelien und Arena sind die einzigen hauptamtlichen Mitarbeiter, beide arbeiten nur 50 Prozent. Während Engelien die konzeptionelle Arbeit übernehmen soll, ist Arena für die Praxis zuständig. Unterstützt werden beide von 25 ehrenamtlichen Helfern, die die skizzierten Aufgaben im Großteil übernehmen. Ohne sie würde es nicht gehen und mit noch mehr Ehrenamtlichen würde mehr gehen.“Derzeit haben wir sonnabends geschlossen und montags bis freitags nur von 9:00 Uhr – 16:30 Uhr geöffnet. Wenn wir noch mehr Ehrenamtliche bekämen, könnten wir bis 19:00 Uhr öffnen und sonnabends vielleicht auch“, hofft Engelien. Vorkenntnisse brauchen diese nicht, denn Kenntnisse erwerben sie bei der Bahnhofsmission und auch ein bestimmtes Alter ist nicht vorgeschrieben. Es gibt Leute Mitte 30, die helfen, und auch noch jüngere Interessenten, wie Engelien berichtet: „Kürzlich hat sich ein Theologiestudent vorgestellt, der festgestellt hat, dass er Leipzig nur aus der Perspektive junger Leute kennt. Er will aber mehr erfahren und wird nun zum Team dazustoßen. Wichtig ist, zu erkennen, dass Helfen hilft. Den anderen und mir.“

Denn wer hilft, tut etwas Gutes und nebenbei lernt man auch interessante Leute kennen. Nicht nur die, denen man hilft, sondern auch im Team. Einmal im Monat werden alle weitergebildet. Mehr als fünf Stunden in der Woche müssen die Ehrenamtlichen nicht arbeiten.

Engelien und Arena suchen ebenfalls Freiwillige, um der Bahnhofsmission mehr regionale Mobilität zu verleihen. Geplant ist, Reisefähige, die hilfebedürftig sind, auf ihre Reise im Umkreis von 90 Minuten Fahrzeit zu begleiten. „Wir denken da vor allem an Kinder, die alleine reisen müssen oder an Sehbehinderte, die bestimmte Sachen nicht lesen können“, erläutert Arena. Die Hilfe wird allerdings nur bei Reisen mit der Regionalbahn möglich sein, weil die Betreuer im Fall der Kinderbetreuung nur dann kostenlos mitreisen könnten. Noch fehlen vier Freiwillige, um das Projekt realisieren zu können. „Das ist eine Sache, die nicht so lange dauert: Am Vormittag einmal hin und einmal zurück und dann hat man noch genügend vom Tag“, so Engelien. Und anderen geholfen.

Interessenten wenden sich bitte an direkt an die Leipziger Bahnhofsmission: Tel./ Fax: (0341) 9 68 32 54, E-Mail leipzig@bahnhofsmission.de

Die Leipziger Bahnhofsmission im Netz: www.ocvleipzig.caritas.de/9785.html


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