15.9 C
Leipzig
0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Kontroverse um Uwe Steimle als Schirmherr der Ökumenischen Friedensdekade 2018 + Update 28.02.

Anzeige
Werbung

Mehr zum Thema

Mehr
    Anzeige
    Werbung

    Ein Antisemit als Friedensbotschafter? Wenn es nach dem Willen der Ökumenischen Friedensdekade geht, soll es genau darauf in diesem Jahr hinauslaufen. Der von einem Gericht als „völkisch-antisemitisch“ eingeschätzte Dresdner Kabarettist Uwe Steimle soll im November die Schirmherrschaft der diesjährigen Friedensdekade übernehmen. In einem Interview rief er kürzlich zu einem „Marsch auf Berlin“ auf, um die Politiker im Reichstag „auszuhungern“. Die Öffentlich-Rechtlichen bezeichnet Steimle als „Propagandamedien“.

    Update vom 28. Februar 2018, 13 Uhr: In einer Pressemitteilung vom heutigen Mittwoch, den 28. Februar 2018 hat die „Ökumenische Friedensdekade“ mit sofortiger Wirkung die Zusammenarbeit mit dem Dresdner Kabarettisten Uwe Steimle beendet. Dieser ist damit nicht mehr Schirmherr. In der Begründung zum Schritt heißt es seitens des Vereins unter anderem: „Zu den zentralen Kritikpunkten an Uwe Steimle gehörten, seine Aussagen ließen keine eindeutige Distanzierung von rechtspopulistischen Positionen bzw. der Pegida-Bewegung erkennen. Verlautbarungen über Israel und die USA seien einseitig, würden der Komplexität nicht gerecht und ließen die Grenze zu antiamerikanischen und antisemitischen Positionen verschwimmen. Unabhängig von der Frage, ob die benannten Vorwürfe gegen Uwe Steimle berechtigt sind oder nicht, distanziert sich die Ökumenische FriedensDekade ausdrücklich von jeglichen pauschalisierenden, rassistischen und antisemitischen Positionen.“

    Wer neuer Schirmherr der diesjährigen Friedensdekade wird, ist noch offen. „Über eine mögliche Schirmherrschaft für die Ökumenische FriedensDekade 2018 werde zu einem späteren Zeitpunkt entschieden“, so Jan Gildemeister, Vorsitzender der Ökumenischen FriedensDekade e. V. und Geschäftsführer der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF).

    Weiter heißt es seitens des Gesprächsforums, man habe mit Steimle über die Entscheidung vorab gesprochen und dieser sei zwar enttäuscht, wünsche jedoch den diesjährigen Aktivitäten alles Gute und „allen weite Herzen“.

    Was vorher geschah

    In den vergangenen Jahren haben sich die Kirchen in Deutschland und die ihnen nahestehenden Organisationen selbst bei Kritikern einigen Respekt erarbeitet: Sie ergriffen Partei für Geflüchtete und meldeten sich zu Wort, wenn Rechte hetzten. Doch dieser Respekt könnte nun schwinden. Grund ist eine Entscheidung der „Ökumenischen Friedensdekade“, die den Dresdner Kabarettisten und Schauspieler Uwe Steimle zum Schirmherr der diesjährigen Ausgabe ernannt hat.

    Die Organisatoren der Friedensdekade wollen im November über die Gefahr eines Atomkrieges und die weltweite Aufrüstung reden. Der angebliche Friedensaktivist Steimle erschien da offenbar als plausible Wahl. Bei ihrer Entscheidung haben die Organisatoren allerdings übersehen oder ignoriert, dass Steimle in der Vergangenheit mit seltsamen Äußerungen aufgefallen ist.

    So entschied das Amtsgericht Meißen im vergangenen Jahr, dass es einem ehemaligen Mitarbeiter eines Grünen-Landtagsabgeordneten erlaubt sei, Steimle als „völkisch-antisemitischen Jammerossi“ zu bezeichnen. Beispielsweise hatte Steimle in einer Kabarettsendung gefragt: „Wieso zetteln die Amerikaner und Israelis Kriege an und wir Deutsche dürfen den Scheiß bezahlen?“ Interessant auch, dass Steimle laut der für gewöhnlich gründlich arbeitenden „Hoax-Map“ in seiner MDR-Sendung echte Falschnachrichten durch Weglassungen verbreitet – Weiterverbreitung und Ressonanz im rechten Spektrum eingeschlossen.

    Steimle will Politiker aushungern

    Darüber hinaus drückte Steimle mehrfach seine Sympathie für Pegida und die DDR aus und äußerte sich abfällig über Politiker und Medien. Im Dezember gab er dem aus Leipzig sendenden „NuoViso-TV“ ein ausführliches Interview und sagte darin unter anderem: „Warum machen wir es nicht wie ‚89? Wir werden das friedlich organisieren, dass wir auf Berlin marschieren, den Reichstag umstellen – möglichst an dem Tag, an dem sich die Leute ihre Diäten fett erhöhen wollen – und dann werden wir die aushungern, ganz friedlich.“

    Später bezeichnete er die Öffentlich-Rechtlichen als „Propagandamedien“. Schon vor einigen Jahren hatte er die ZDF-Journalistin Marietta Slomka in einer Kabarettsendung als „Marionetta“ tituliert.

    Die Entscheidung der „Ökumenischen Friedensdekade“ rief bereits viele empörte Reaktionen und kritische Einordnungen hervor. Das Online-Kirchenmagazin „Die Eule“ bezeichnete die Wahl als „Panne mit Ansage“. Einigen Mitgliedern des verantwortlichen Gesprächsforums seien die Äußerungen des Kabarettisten dem Bericht zufolge nicht bekannt gewesen – andere hätten sie als nicht schwerwiegend eingeschätzt. Auch der ehemalige Leipziger Thomaspfarrer Christian Wolff nannte die Entscheidung einen „Fehlgriff“.

    Die Evangelische Kirche (EKD) reagierte ebenfalls auf die Kritik und schrieb auf Twitter: „Die Ökumenische Friedensdekade hat der EKD zugesichert, die genannten Kritikpunkte genau zu prüfen. Rechtsextremes und antisemitisches Gedankengut sind mit dem christlichen Glauben unvereinbar.“ Einem Boulevardmedium sagte ein Sprecher der Ökumenischen Friedensdekade jedoch, dass er bei Steimle „keine rechte Nähe“ erkennen kann. Diese Personalie dürfte also noch für Diskussionen sorgen.

    Die Pressemitteilung der Ökumenischen Friedensdkade vom 28.02.2018 zum Nachlesen (PDF)

    Warum so eilig oder Wie wird man wieder Herr seiner Zeit?

    Anzeige
    Werbung

    Mehr zum Thema

    Mehr
      Anzeige
      Werbung

      Topthemen

      2 KOMMENTARE

      1. Der Herr Steimle bedient sein populistisches Publikum.
        Genauso wie Pegida, die AfD und wie die alle noch so heißen.
        Insofern ist es für den Beweis seiner destruktiven Wirkung nebensächlich, ihm anhand einzelner Aussagen ein rechtsgerichtetes Denken nachzuweisen.

        Ob das jetzt seinem (inzwischen als fixer Idee anmutendem) Engagement für eine ‚Wiederbelebung‘ des Dresdner Fernsehturmes geschuldet ist?

        Auf alle Fälle hat er in Dresden mit mehreren Tausend Stimmen eine Öffentlichkeit, die vermutlich gerne mal in ihre Kindheit bzw. Jugend zurückreisen würden, mit garantiertem Rückkehrrecht.

        Also auf die Aussichts-Plattform des Dresdner Fernsehturmes.
        Ob die dann aber mehr als einmal ca. 10 € für eine Fahrstuhlfahrt bezahlen würden?
        Und ob da jemals die 15 Millionen Euro für die ‚einfache‘ Variante zurückkämen..

        Schon die Frau Festerling hatte in ihrem Dresdner Bürgermeisterwahlkampf das Potential der ihrer Jugend nachtrauernden Dresdner erkannt und das Café auf dem Fernsehturm zu ihrem Hauptanliegen erklärt (neben der Unterstützung eines privaten Immobilien-Projektes).

        Und warum das dann auch etwas mit ganz Sachsen und Leipzig zu tun hat:
        https://www.l-iz.de/melder/wortmelder/2018/02/Rene-Hobusch-FDP-%E2%80%9E15-Millionen-Euro-aus-DDR-Vermoegen-fuer-Eierschecke-mit-Aussicht-in-Dresden-sind-masslos%E2%80%9C-207172

        Auf alle Fälle ist die Entscheidung der „Ökumenische Friedensdekade“ richtig, ihm keine weitere Plattform zu bieten.

      2. Die Entscheidung über die Beendigung der Zusammenarbeit mit Steimle kann ich nur ausdrücklich begrüßen.

      - Werbung -

      Aktuell auf LZ

      Anzeige
      Anzeige
      Anzeige