Regionalgruppe der Giordano-Bruno-Stiftung lädt am 30. März zur Heidenspaß-Party in die Moritzbastei ein

Für alle LeserDie meisten unserer Feiertage sind zwar christlich begründet, eröffnen uns aber auch den Blick auf das Einmalige und Wichtige in unserem Leben, wie Fabian Vogt in seinem Büchlein „Feiert die Tage“ sehr anschaulich erzählt. Aber gleichzeitig dienen diese Feiertage auch staatlichen Reglements, die für Menschen ohne Kirchenbindung überhaupt keinen Sinn machen. Und deshalb soll am Karfreitag in Leipzig eben doch getanzt werden.

Die Leipziger Regionalgruppe der Giordano-Bruno-Stiftung („gbs Leipzig“) richtet mit ihrer Heidenspaß-Party einen Appell an den sächsischen Landtag zur Streichung der Vergnügungsverbote am Karfreitag.

Maximilian Steinhaus, Sprecher der gbs Leipzig: „Ein weltanschaulich neutraler Staat darf seine Bürger nicht zur kollektiven ‚Jesus starb für unsere Sünden‘-Trauer verpflichten und ihnen das Tanzen, Sport und sonstige öffentliche Vergnügungen verbieten! Genau das steht aber immer noch im Sächsischen Sonn- und Feiertagsgesetz um den ‚ernsten Charakter‘ des Karfreitags zu schützen. Hiergegen demonstrieren wir mit einer Heidenspaß-Party in der Moritzbastei.“

Der Hintergrund: Bereits Ende 2016 erklärte das Bundesverfassungsgericht das Verbot der „Münchener Heidenspaß-Party 2007“ und die entsprechenden Bestimmungen des Bayerischen Feiertagsgesetzes für nichtig. In seinem Urteil stellte das Gericht fest, dass am „stillen“ Karfreitag sehr wohl getanzt werden darf – sofern der Tanz Ausdruck einer klaren weltanschaulichen Abgrenzung gegenüber dem Christentum ist.

Deshalb beginne, so Steinhaus, die Heidenspaß-Party am Freitag, 30. März, um 20 Uhr mit einem amüsanten aber nicht minder ernsten Vortrag des vierfachen Bestseller-Autors Philipp Möller, der den Gästen noch einmal erklärt, warum für die Anwesenden gilt: „Gottlos glücklich – warum wir ohne Religion besser dran wären.“ (So auch der Titel seines aktuellen Buches.) Nach einer angedachten intensiven Diskussion geht es ab etwa 22 Uhr weiter mit ausgelassener Tanzerei bis in den Ostersamstag hinein. An den Reglern steht DJ Sergej Klang.

Maximilian Steinhaus erklärt, warum trotz der Entscheidung aus Karlsruhe weiterhin Protest nötig ist: „Zwar gibt es in Sachsen laut Gesetz die Möglichkeit, von dem Vergnügungsverbot eine ‚Befreiung‘ zu beantragen. Doch die Kirchen haben sich im Gesetz ein Mitspracherecht gesichert (§ 7 Absatz 2). Vor allem aber kann es nicht sein, dass sich die über 70 Prozent Nicht-Christen ihre Aktivitäten genehmigen lassen müssen, nur um die religiösen Gefühle einer christlichen Minderheit zu schützen. Die Politik sollte nicht immer nur die streitbare Legende vom christlichen Abendland bemühen, sondern auch endlich die geänderten Realitäten akzeptieren: Ostern ist – zumindest in Sachsen – längst kein christliches Fest mehr, sondern ein volkstümliches Familien- und Frühlingsfest. Daran ändert auch nichts, dass die Kirchenbänke ausnahmsweise mal wieder für ein paar Stunden voll sind. Selbst in Italien ist Karfreitag ein normaler Arbeitstag.“

Tanzen also auch als eine Art des Bekenntnisses.

Wer daher am Karfreitag schon vor 24 Uhr tanzen will, muss in die Moritzbastei kommen. Mit dem Betreten der Veranstaltungsräume bestätigen die Teilhmer/-innen,

  1. a) dass sie einer humanistischen Weltanschauung folgen,
  2. b) weder an Götter noch an Elfen, Kobolde oder Dämonen glauben und
  3. c) dass jede noch so kleine rhythmische Zuckung ihres Körpers auf der Heidenspaß-Party Ausdruck dieses weltanschaulichen Bekenntnisses ist.

So bringt es die Leipziger gbs auf den Punkt.

Die Giordano-Bruno-Stiftung versteht sich als Denkfabrik für Humanismus und Aufklärung, die sich am Leitbild des evolutionären Humanismus orientiert und der sich viele renommierte Wissenschaftler, Philosophen und Künstler angeschlossen haben. Aktuell unterstützen bereits mehr als 8.500 Fördermitglieder die Anliegen der Giordano-Bruno-Stiftung. Die Leipziger Regionalgruppe gibt den säkularen Humanisten, Konfessionsfreien und Atheisten in Leipzig eine Stimme, z. B. durch Aktionen wie „11. Gebot: Du sollst Deinen Kirchentag selbst bezahlen!“, „Die nackte Wahrheit über Martin Luther“, die „Säkularen Tage“ (Alternativveranstaltung zum Katholikentag 2016) und den „March for Science Leipzig“.

Kolumne: Warum Atheisten am Karfreitag tanzen sollten!

Giordano-Bruno-StiftungTanzverbotKarfreitag
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