Leipzig als Vorbild

Dachverband sächsischer Migrantenorganisationen hofft auf sachsenweite Kampagne zu Vielfalt und Antirassismus

Für alle LeserWenn in der Öffentlichkeit von Migranten die Rede ist, dann dominieren häufig Stereotype. Die Vielfalt in diesem Teil der Gesellschaft kommt selten zum Vorschein. Vor zwei Wochen hat bereits die Stadt Leipzig ihre Unterstützung für eine Kampagne zugesagt, die genau diese Vielfalt stärker in den Vordergrund rücken soll. Der Dachverband sächsischer Migrantenorganisationen fordert eine solche Unterstützung nun auch vom Freistaat.

Erst vor weniger als zwei Wochen hatten der Migrantenbeirat der Stadt Leipzig und mehrere Stadträte in der Stadtratsversammlung eindringlich davor gewarnt, dass rassistische Angriffe zum Alltag gehören. Damals, am 19. September, diskutierte das Gremium über einen Antrag des Beirats zur Schaffung einer „öffentlichkeitswirksamen Kampagne zu Diversität und migrantischem Leben in Leipzig“.

Tägliche Hetzjagden

Kanwal Sethi, der Vorsitzende des Migrantenbeirates, bezeichnete Hetzjagden als „tägliche Realität“. Personen aus Linksfraktion, SPD, Grünen und FDP stimmten dieser Sichtweise und dem Handlungsbedarf zu. Am Ende votierte der Stadtrat für einen leicht abgewandelten Änderungsantrag der Grünen. Ziel der Kampagne blieb aber nach wie vor, die „kulturelle, internationale, gesellschaftliche und religiöse Vielfalt im Leipziger Leben“ darzustellen „und damit gegen Rassismus, Diskriminierung und Vorurteile von Menschen in Leipzig“ zu wirken.

Nun, am 1. Oktober, hat sich der Dachverband sächsischer Migrantenorganisationen (DSM) mit einer Forderung an die sächsische Landesregierung zu Wort gemeldet: Diese soll eine solche Kampagne für den gesamten Freistaat unterstützen. Die Forderung fällt genau auf jenen Tag, an dem der Generalbundesanwalt über eine rechtsradikale Terrorgruppe aus Chemnitz informiert. Der DSM dürfte sich in seiner Forderung bestätigt fühlen.

Ideen sind da, Geld fehlt noch

Die Kampagne solle darauf abzielen, „ganz unterschiedliche Menschen mit Zuwanderungsgeschichte zu zeigen: bekannte Personen aus Sport, Kultur und den Medien ebenso wie Geflüchtete und prekär beschäftigte Menschen“. Statt einer vermeintlich homogenen Masse könne so die „Vielfalt der Gesellschaft“ dargestellt werden. Ideen für eine solche Kampagne seien bereits vorhanden – man benötige jedoch die finanzielle Unterstützung des Freistaates.

„Wir Migrantinnen sind auch schon lange mit unterschiedlichen Aktionen und Projekten aktiv, aber bisher spüren wir keine starke Unterstützung von den Regierungen auf kommunaler Ebene oder Landesebene“, beklagt Tatjana Jurk, die Vorsitzende des DSM. Leipzig habe sich als Vorbild erwiesen. „Ich hoffe, dass nun auch andere Städte und die sächsische Regierung aufwachen und mitmachen. Wir haben unsere Bereitschaft gezeigt und unsere Unterstützung angeboten – das Angebot müssen die Akteure nun nur noch annehmen.“

RassismusMigranten
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