Soziales

Stadt Leipzig startet Winternotprogramm für Wohnungslose – Hilfebus und weitere Maßnahmen geplant

Für alle LeserDie zunehmende Wohnungsknappheit in einer wachsenden Stadt wie Leipzig hat viele Gesichter. Zu den dramatischsten Auswirkungen zählen Obdach- und Wohnungslosigkeit. Die Stadt Leipzig startet nun ihr jährliches Winternotprogramm und plant zudem zusätzliche Maßnahmen, unter anderem einen Hilfebus. Ein Überblick über alle Angebote für Bedürftige findet sich am Ende des Artikels.

Die Stadt Leipzig möchte am Donnerstag, den 15. November, ihr Winternotprogramm für wohnungslose Menschen starten. Die Details präsentierten Vertreterinnen und Vertreter der Verwaltung am Tag zuvor auf einer Pressekonferenz im Rathaus.

„Die Wohnsituation in Leipzig wird für einen immer größeren Personenkreis zu einem Problem“, sagte Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) auf der Pressekonferenz. „Das Angebot auf dem Wohnungsmarkt verknappt sich.“ Die Resultate dieser Verknappung sind in den Statistiken der Verwaltung zu sehen.

Waren es 2013 noch 896 Räumungen, stieg die Zahl im Jahr 2017 auf 1.025. Die Zahl der sogenannten Wohnungsnotfälle stieg im selben Zeitraum von 1.438 auf 1.978 – darunter sind jene Personen zu verstehen, denen der Verlust der Wohnung droht. Allerdings sind hier nur jene erfasst, die sich bei der Stadt melden – die Dunkelziffer dürfte deutlich darüber liegen.

Aktuell kümmert sich eine Fachstelle im Sozialamt um die Wohnungsnotfallhilfe. Sie ist unter anderem für Beratung und Unterbringung zuständig. Zudem kann sie Mietzahlungsrückstände übernehmen – im Jahr 2017 war das in 155 Fällen so. Zudem übernahm die Stadt von 516 Personen die Energieschulden. Die Zahl der Fälle ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Fabian vermutet, dass Vermieter bei Rückständen mittlerweile schneller kündigen.

Hilfebus, Fahrscheine und Schließfächer

Im nun gestarteten Winternotprogramm stellt die Stadt neben den 94 ganzjährig vorhandenen Plätzen zusätzlich 41 Plätze zur Verfügung. Zudem gibt sie Schlafsäcke und Nothilferucksäcke aus, falls Betroffene die angebotenen Plätze nicht nutzen wollen – oder dürfen, weil sie beispielsweise einen Hund haben.

Neben dem Winternotprogramm plant die Stadt zusätzliche Maßnahmen, um auf die aus ihrer Sicht zunehmenden Probleme zu reagieren: einen Hilfebus, der abends, nachts und am Wochenende unterstützt und transportiert, die Finanzierung von ÖPNV-Fahrscheinen und Schließfächer in den Unterkünften. Es sei bislang vorgekommen, dass Betroffene die Unterkünfte aus Angst vor Diebstahl gemieden hätten.

Wohnungen der LWB

Weitere Maßnahmen: Die kommunale Wohnungsbaugesellschaft LWB soll dem Sozialamt monatlich zehn „kostenangemessene“ Wohnungen für „Personen mit Marktzugangsschwierigkeiten“ zur Verfügung stellen, das Wohnprojekt in der Theklaer Straße 11 soll für zwei Millionen Euro saniert werden und mehrsprachige Faltblätter sollen über Notfallnummern, Anlaufstellen, aber auch Pflichten und Rechte als Mieter beziehungsweise Unterstützungsmöglichkeiten informieren.

In diesem Jahr rechnet die Stadt insgesamt mit Ausgaben in Höhe von sechs Millionen Euro. 2019 sollen es voraussichtlich 6,7 und 2020 voraussichtlich 7,2 Millionen Euro sein. Für die Maßnahmen im „Fachplan Wohnungsnotfallhilfe“ wären 2019 zusätzlich knapp 600.000 und 2020 weitere knapp 700.000 Euro nötig. Der Fachplan enthält unter anderem den Hilfebus, die Schließfächer und die LWB-Wohnungen. Der Stadtrat soll im Dezember darüber entscheiden.

Sozialbürgermeister Fabian ist zuversichtlich, dass der Stadtrat für den Plan stimmt: „Wir gehen davon aus, dass wir den Bus noch in diesem Jahr auf der Straße haben werden.“ Oberstes Ziel der Notfallhilfe sei es jedoch, die Menschen aus Obdach- oder Wohnungslosigkeit herauszubekommen. In den Unterkünften beispielsweise gebe es deshalb nicht nur Schlafmöglichkeiten, sondern auch Information und Beratung.

Wie üblich bittet das Sozialamt die Leipzigerinnen und Leipziger, alle bedürftigen Personen auf die folgenden Angebote hinzuweisen:

Rettungsleitstelle, Bereitschaftsdienst
Tel. 0341 550044000

Sozialamt (wochentags)
Abt. Soziale Wohnhilfen, Sachgebiet Wohnungsnotfallhilfe
Prager Straße 21, Tel. 0341 123-9139
E-Mail: soziale.wohnhilfen@leipzig.de

Übernachtungseinrichtungen

Übernachtungshaus für wohnungslose Männer
Rückmarsdorfer Straße 7, Tel. 0341 123-4504
täglich ab 16 Uhr geöffnet, feiertags und an den Wochenenden ganztägig

Übernachtungshaus für wohnungslose Frauen
Scharnhorststraße 27, Tel. 0341 5852413
Montag bis Freitag ab 16 Uhr, Samstag ab 15 Uhr, sonn- und feiertags ganztägig geöffnet

Alternative I (Notunterbringung wohnungsloser drogenabhängiger Personen)
Chopinstraße 13, Tel. 0341 913560
täglich ab 20 Uhr geöffnet

Tagesaufenthalte

Ökumenische Kontaktstube „Leipziger Oase“
Nürnberger Straße 31, Tel. 0341 2682670
Montag bis Freitag (inkl. Feiertage) von 8 bis 16 Uhr, Samstag von 9 bis 14 Uhr

Tagestreff „Insel“
Plautstraße 18, Tel. 0341 24676655
Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr geöffnet, am Wochenende und feiertags von 9 bis 15 Uhr

In den Tagesaufenthalten erhalten wohnungslose und bedürftige Personen warmes Essen, Getränke und warme Bekleidung.

ObdachlosigkeitHilfebus
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