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Rektorat der Uni Leipzig ruft zur Teilnahme am „globalen Klimastreik“ auf – Julis protestieren

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    Es könnte die bislang größte Demonstration der „Fridays for Future“-Bewegung werden: Für Freitag, den 20. September, sind Klimaaktivist/-innen in Leipzig und anderen Städten zum „globalen Klimastreik“ aufgerufen. Auch Wissenschaftler/-innen und viele andere Gruppen wollen sich der Demo anschließen. Das Rektorat der Uni Leipzig ruft Mitarbeiter/-innen der Hochschule ebenfalls zur Teilnahme auf. Das kritisieren nun die Julis, die Jugendorganisation der FDP.

    Das Rektorat der Universität Leipzig ruft die Mitarbeiter/-innen der Hochschule dazu auf, sich am kommenden Freitag, den 20. September, am „globalen Klimastreik“ von Fridays for Future zu beteiligen.

    In einer unter anderem auf Facebook verbreiteten Mitteilung von Unirektorin Beate Schücking heißt es: „Das Rektorat würde sich freuen, wenn möglichst viele Mitarbeitende das Anliegen vieler unserer Studierenden und Jugendlicher unterstützen und mitlaufen – privat, aber mit der Überzeugung und Verantwortung einer auf Nachhaltigkeit setzenden Universität.“

    Bereits Anfang des Monats erschien der Aufruf online in einem Artikel des hochschulinternen Universitätsmagazins Lumag. Darin kommt auch Anke Himmelreich zu Wort. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Linguistik und Mitorganisatorin des sogenannten Science Blocks. Dort sollen insbesondere Mitarbeiter/-innen der Universität laufen.

    Himmelreich ruft dazu auf, Kurzstreckenflüge zu vermeiden. „Dazu rechnen wir Reisen unter 1.000 Kilometer Entfernung, sofern diese mit der Bahn in weniger als zwölf Stunden abgeschlossen werden können.“ Wissenschaftler/-innen der Universität könnten eine entsprechende Selbstverpflichtung unterschreiben. Während der Klimademonstration am Freitag soll die Anzahl der Unterzeichner/-innen genannt werden.

    Nicht nur Lob für die Klimabewegung

    Ob Rektorat, Studierende oder Mitarbeiter/-innen – die bisherigen Äußerungen zu den Aktivitäten von Fridays for Future fielen überwiegend positiv aus. Kritik kommt nun von den Julis Leipzig, der Jugendorganisation der FDP.

    In einer am Dienstag, den 17. September, veröffentlichten Pressemitteilung beklagen die Jungliberalen „politische Scheinneutralität von Rektorin Schücking“. Man sei „entsetzt über den Schulterschluss zwischen Klimademonstranten und Unileitung“.

    Maximilian König, der Kreisvorsitzende der Julis, wirft Schücking vor, „auf dem grün-roten Auge blind“ zu sein. „Es zeigt sich das alte Muster. Die Universität postuliert Klimaschutz als indiskutables Mehrheitsanliegen, obwohl aktuelle Wahlergebnisse eine andere Sprache sprechen. So werden Kritiker als Ungläubige gebrandmarkt.“

    Unirektorin Beate Schücking beim March for Science am 22. April 2017. Foto: L-IZ.de
    Unirektorin Beate Schücking beim March for Science am 22. April 2017. Foto: L-IZ.de

    Die Julis beziehen sich auf den Facebookbeitrag der Universität Leipzig und die darunter veröffentlichten Kommentare. Auf die dort veröffentliche Kritik von König, dass es „unwürdig“ sei, „so undifferenziert einer Lobbygruppe hinterherzulaufen“, entgegnete die Hochschule, dass die Mehrheit der Wissenschaftler/-innen Klimaschutz nicht als reines Lobbyinteresse betrachte. König antwortete, dass es einen Unterschied zwischen Klimaschutz und Fridays for Future gebe.

    In ihrer Pressemitteilung führen die Julis weiter aus, dass die Bewegung in Leipzig „für jeden gut sichtbar durch Führungsfiguren der Linksjugend dominiert“ sei. „Wer ernsthaft glaubt, dass es den Streikenden nur um Klima und nicht wie schon so oft um platte Kapitalismuskritik und Phantasien vom Systemsturz geht, kann sich kaum Wissenschaftler nennen“, so König.

    Auf Nachfrage der L-IZ ergänzte König, dass es eine „umfangreiche Rechtsprechung zur Neutralitätspflicht der Hochschule“ gebe. Diese werde aus der Neutralitätspflicht des Staates abgeleitet. „In diesem Sinne muss die Rektorin ihre Äußerungen abwägen. Eine Positionierung der Hochschule in allgemeinpolitischen Feldern ist mindestens heikel und aus unserer Sicht völlig unangemessen.“

    Schücking wird bei der Demo reden

    Ein Sprecher der Universität erklärte auf Anfrage, dass Nachhaltigkeit und Umweltschutz allen eine „Herzensangelegenheit“ sein sollte. „Es muss also darum gehen, so viel wie möglich dafür zu tun. Das wollen am Freitag sehr viele Menschen aus unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft unterstreichen, nicht mehr und nicht weniger.“ Rektorin Schücking werde zudem „die Gelegenheit nutzen, um die Wichtigkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse zu unterstreichen“.

    Über das „kurze Grußwort an die Demonstrierenden“ freuen sich auch die Aktivist/-innen von Fridays for Future, wie sie auf Anfrage erklärten. „Die Rektorin der Universität Leipzig tritt für die Würde der Wissenschaft und der Demokratie an der Universität ein.“

    Sowohl bei Fridays for Future als auch bei Students for Future handle es sich um „Einzelpersonen und Menschen aus verschiedenen Gruppen“. Diese Vielfalt sei eine große Stärke. In Richtung der Julis formulieren sie eine Einladung: „Soweit ihr kein Problem mit Vielfalt habt, laden wir euch herzlich ein, am Freitag, den 20. September, den Porsche eurer Eltern und die Aktenkoffer zuhause stehen zu lassen und euch unserer Demo um 15 Uhr am Augustusplatz anzuschließen.“

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    9 KOMMENTARE

    1. „Auf die dort veröffentliche Kritik von König, dass es „unwürdig“ sei, „so undifferenziert einer Lobbygruppe hinterherzulaufen“

      Ein FDPler beklagt sich über Lobbyismus, ernsthaft? Verrückte Zeiten sind das…

    2. Der Kandidat erhält 17 UNHEIMLICHE Punkte!!!
      Und darf ein Doppel-S kaufen.

      Und ja, auch wenn mancher es sich für sich selbst nicht vorstellen kann,
      es gibt ehrliche Menschen, vor allem auch engagierte Wissenschaftler, die zu ihrem gegeben Wort stehen. <3

    3. „Selbstverpflichtung zum Verzicht auf Kurzstreckenflüge“ 😉

      Klingt wie bei den Parteikadern in der DDR, die heimlich Westfernsehen geschaut haben.

      Papier ist geduldig, das wißt ihr doch…

    4. Da gibt es nichts „zu meckern“!

      „Selbstverpflichtung zum Verzicht auf Kurzstreckenflüge

      Motiviert von dem Engagement der SchülerInnen für Fridays4Future, sind eine Gruppe von WissenschaftlerInnen aktiv, um das Thema Klimaschutz an der Uni Leipzig zu stärken und damit auch gezielter nach außen zu treten.
      Wir greifen Initiativen der TU-Berlin (www.tu-berlin.de/ztg/menue/aktuelles/scientist4future/),
      der Uni Potsdam (www.uni-potsdam.de/de/umweltportal/handlungsfelder/mobilitaet/dienstreisen.html) und der HU-Berlin (www.projekte.hu-berlin.de/de/selbstverpflichtung) zur CO2-Reduktion auf.
      Ein erster Schritt, in diesem Bereich deutlich zum Klimaschutz beizutragen, ist die Vermeidung von Kurzstreckenflügen.“

      Dankeschön den engagierten Wissenschaftlern. <3

    5. „Die Universität postuliert Klimaschutz als indiskutables Mehrheitsanliegen, obwohl aktuelle Wahlergebnisse eine andere Sprache sprechen. So werden Kritiker als Ungläubige gebrandmarkt.“
      Na, da wird das Klima aber beeindruckt sein und sich schön an die aktuellen Wahlergebnisse halten. Man muß nur ganz fest daran glauben!

    6. „Es zeigt sich das alte Muster. Die Universität postuliert Klimaschutz als indiskutables Mehrheitsanliegen, obwohl aktuelle Wahlergebnisse eine andere Sprache sprechen. So werden Kritiker als Ungläubige gebrandmarkt.“
      Hmmm, da wollte ich doch jetzt einfach mal so schauen,
      welches Wahlergebnis die Jungen Liberalen so meinen könnten, um sich im Konsens irgendeiner ‚Mehrheit‘ zu fühlen.

      Und dann das ..

      „Das Kraftwerk Lippendorf ist eines der modernsten Kohlekraftwerke der Welt. Jedoch gilt es, das Klima gemäß der Pariser Klimaziele soweit zu stabilisieren, dass ein zunehmendes Artensterben und Wetterextreme vermieden werden. Haupttreiber ist hier CO2, dessen Ausstoß in die Atmosphäre mit verschiedenen Mitteln verringert werden soll.

      Eines davon ist die Abschaltung von Kohlekraftwerken. Das betrifft auch das Kraftwerk Lippendorf bei Leipzig. Da aber ein Abriss nur noch mehr Abfall produzieren würde und wir ein Rückgrat für die Energieversorgung benötigen, liegt es nur nahe, Lippendorf nach der Abschaltung umzurüsten. Die von den Jungen Liberalen vorgeschlagenen Reaktoren der nächsten Generation sind zum einen bis zum Abschalttermin einsetzbar und bringen zudem keine Gefahr einer Kernschmelze mit sich, wie es etwa in Fukushima oder Chernobyl der Fall war (wobei dort auch menschliche Fehler eine Erhebliche Rolle spielten). Hinzu kommt, dass das Brennmaterial länger genutzt werden kann, womit weniger radioaktiver Müll entsteht.“
      https://www.julis-leipzig.de/2019/06/16/lippendorf-nach-der-kohle/

      Alexa: *grusel*****sprachlos********

    7. Aufstellung im Block der parteilich gefestigten Akademiker.
      Bitte keine Winkelemente, aber die „freiwillige Selbstverpflichtung“ mitbringen.
      Das sind die staatlich und von staatsnahen Funktionären verordneten „Streiks“ im Jahr 2019 …LOL…..

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