Von der Straße aus Hilfe zur Selbsthilfe leisten: Ein Gespräch mit Luigi

Für alle LeserAls ich im Herbst letzten Jahres den Verein für integrative Projektarbeit und akuter Obdachlosenhilfe TiMMi ToHelp e. V. kennenlernte, hat mir das Team von Luigi erzählt. Er selbst ist wohnungslos, engagiert sich seit einiger Zeit regelmäßig im Verein und begleitet das Team um Sandra, Kay, Billy und Saskia u. a. auf ihren donnerstags stattfindenden Verteilerrunden. Später erfuhr ich, Luigi sei früher Bundeswehrsanitäter in Afghanistan gewesen. Hatte der Krieg ihn auf die Straße gebracht? Ein persönliches Treffen mit Luigi war längst überfällig. Heute endlich hat es geklappt. Wir treffen uns im Büro von TiMMi ToHelp e. V., in dem Luigi gerade eine außerordentliche Verteilerrunde vorbereitet.
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Hallo Luigi! Als mir meine Kollegin von Dir erzählte, sagte sie mir, dass du Sanitäter in Afghanistan …

Ich bin ausgebildeter Rettungsassistent. Ich habe im ASB gelernt, wollte dann eigentlich weitergehen in den Fachbereich für Kindermedizin, also in die Kinder- und Babynotaufnahme, denn für mich waren Kinder schon immer wichtig. Aber ich habe das psychisch nicht verkraftet und bin deshalb zur Bundeswehr gegangen. Dort fing ich im Sanitätsdienst an, habe dann am Bosnieneinsatz teilgenommen, dann kam Afghanistan und das war für mich der Genickbruch.

Ich musste zugucken, wie sich meine Kameraden aufhängen und so weiter. Meistens musste ich nicht Schusswunden versorgen, sondern Wunden, die sich selbst zugefügt wurden.

Luigi zeigt auf eine der mit Kleidung gefüllten Plastiktragetaschen.

Man musste jederzeit damit rechnen, dass in so einer Tüte hier eine Bombe drin ist. Und Plastiktüten lagen genügend herum. Wenn man über so eine Plastiktüte gefahren ist und die dann in die Luft geflogen ist …, wenn man das einmal gesehen hat … So etwas vergisst man nicht. Medikamente wollte ich aber keine nehmen. Die machen einen nur kaputt. Man muss schauen, sich selbst klar zu behalten. Nur in bestimmten Situationen wird es schwierig. Beispielsweise wenn ich es jetzt nachts wieder knallen höre.

Bei der Silvesterknallerei denke ich in erster Linie ja erst einmal an die ältere Bevölkerung, die den letzten Weltkrieg miterleben musste. Vom Krieg heimgekehrte Soldaten vergisst man dabei oft.

Offiziell gibt es heutzutage keinen Krieg mit deutschen Soldaten. Aber Afghanistan hat es deutlich gezeigt. Während wir unsere Brücken und Brunnen gebaut hatten, wurden wir beschossen, weil wir Verbündete der Engländer und Amerikaner waren.

Wann warst du in Afghanistan?

Ich bin 2004 zur Bundeswehr und dann 2006 nach Afghanistan versetzt worden. Kurz zuvor gab es einen tödlichen Angriff. Man hat das sofort gemerkt. Die Lage war anders als sonst. Die Truppe war extrem aufgewühlt.

Wie alt warst du damals?

22. Mit 26 wurde ich entlassen. Ich war dann noch in Somalia. Ich wäre auch länger geblieben. Ich wollte Soldat auf Zeit für 12 Jahre werden. Aber weil die Stelle schon besetzt war, bin ich gegangen.

Und dann bist du nach Leipzig zurückgekehrt?

Erst 2011. Zuvor bin ich noch mit dem ASB herumgetingelt, habe Mitgliederwerbung gemacht. Denn ich wollte nicht mehr auf den Rettungswagen zurück. Die Bilder, die ich in Afghanistan gesehen hatte, machten mir nun Angst, falsch zu handeln. Ich war nicht mehr fähig, hier zu arbeiten. Ich wäre vielleicht nur nervös oder unruhig geworden.

Aber man sitzt dann da und denkt sich: Scheiße, was kommt denn jetzt, was mache ich jetzt? Man ist blockiert. Man kriegt diese Unruhe in den Kopf. Aber man muss ja auf Zeit arbeiten. Und dann kommt noch die Bezahlung hinzu. Ein Sanitäter geht ja gerade einmal mit eins-zwei nach Hause.

Heute engagiert Luigi sich bei Timmi to help und ist für jeden Spaß zu haben. Foto: L-IZ.de

Heute engagiert Luigi sich bei Timmi to help und ist für jeden Spaß zu haben. Foto: L-IZ.de

Was zum Leben kaum reicht.

Das größte Problem in Leipzig ist nicht die Kleidung oder das Essen, sondern die Wohnungsnot. Bei den Verteilerrunden habe ich auch schon Leute kennengelernt, die eigentlich mit beiden Beinen im Leben stehen, sich aber ihre Wohnung nicht mehr leisten konnten.

Ist dir das auch passiert?

Nein. Bei mir war es die eigene Naivität und Dummheit. Ich musste zunächst eine fünfmonatige Strafe wegen Schwarzfahrens absitzen. Ich hatte dann meiner Exfrau vertraut. Als ich verhaftet wurde, hatte sie gesagt, sie kümmert sich darum, die Wohnung aufzulösen. Und als ich dann in die Wohnung zurückkam, war das Schloss ausgetauscht. So habe ich meine Wohnung verloren und hatte dazu noch Mietschulden, die nun in der SCHUFA stehen. Damit brauchte ich bei keinem Vermieter mehr anzufragen.

Viele schwören ja auf den Wohnberechtigungsschein. Aber damit komme ich nur in die sozialen Brennpunkte der Stadt. Ich trinke seit 2 Jahren keinen Tropfen Alkohol mehr und möchte da nicht neben jemandem wohnen, der bis obenhin voll ist und sich nicht unter Kontrolle hat.

Und das ist dann auch so etwas: Die Wege ziehen sich hier so ewig. Gar nicht einmal unbedingt der Weg mit der S-Bahn zum Arbeitsamt. Aber die Mühle, die anfängt zu arbeiten, wenn man sich entschlossen hat, Hilfe zu suchen – die dauert so ewig, dass viele die Geduld verlieren. Viele wollen kein Hartz-IV in Anspruch nehmen. Der innere Schweinehund, der Stolz, ist bei ihnen zu groß. Und dann werden die Leute sich selbst überlassen.

Wir leben ja in einer Gesellschaft, in der man sich alles leisten kann, wenn man das Geld hat. Aber wir, die am Ende der Kette stehen – bei uns schaut man runter, zuckt mit den Schultern und sagt sich: „Der fällt schon bald um. Der interessiert keinen mehr.“

Aber der Frust ist natürlich auch sehr groß. Überall sieht man Leute auf der Straße. Hier einer und dort schon wieder einer. In Leipzig wird eben viel geschnorrt. Aber die Wohnungsnot ist auch groß. Hier fehlen knapp 50.000 bezahlbare Wohnungen. So ist dann die „Punkwerxxkammer“ entstanden.

Das ehemals bestzte Gebäude, mittlerweile gut gesichert gegen neue Bewohner. Sozusagen der Gründungsort der Punkwerkskammer. Foto: L-IZ.de

Das ehemals besetzte Gebäude, mittlerweile gut gesichert gegen neue Bewohner. Sozusagen der Gründungsort der Punkwerxxkammer. Foto: L-IZ.de

Was hat es damit auf sich?

Die Punkwerxxkammer hat sich als Verein aus obdachlosen Punkern gegründet, die sich gesagt haben: Wir müssen etwas machen und wir sind nicht dumm, also nehmen wir das selbst in die Hand. Wir haben uns auf der Westseite des Bahnhofs niedergelassen und uns mit dem Eigentümer eines verlassenen Hauses unterhalten.

Der meinte: „Wenn euer Plan funktioniert, könnt ihr bleiben und wenn nicht, seid ihr selbst schuld.“ Es läuft sehr gut an.

Was macht ihr konkret?

Wir betreiben Hilfe zur Selbsthilfe. Menschen, die zum Teil noch selbst auf der Straße leben, helfen anderen Menschen auf der Straße, weil wir ihnen in einigen Belangen besser helfen können als der soziale Dienst der Stadt. Wir haben eine bessere emphatische Ader.

Die Leute auf der Straße kennen mich und kommen von sich aus auf uns zu, wenn sie Probleme haben. Die Streetworker und Fachkräfte der Stadt haben erkannt, dass wir so eine Art Brücke zu den Leuten sind.

Weil ihr dieselbe Sprache sprecht, wie die, die zu euch kommen.

Genau. Mit uns gibt es keine Berührungsängste. Seit dem 22. März 2018 sind wir mit der „Punkwerxxkammer“ in dieser Arbeit Vorreiter. Wir sind die ersten, die so etwas in Leipzig gestartet haben. Neider gibt es zwar auch, aber wir haben insgesamt sehr guten Zuspruch. Wir betreiben Kriminal- und Suchtprävention, Denkmalpflege und bei uns kann man auch Sozialstunden ableisten.

Was hat es mit dem Namen auf sich?

Wir haben einen Punk bei uns, der im Bau gearbeitet hatte. Der sagte: Ich mag die Handwerkskammer nicht! So kam der Name zustande.

Was sind deine Aufgaben?

Ich habe erstens immer einen Erste-Hilfe-Koffer im Rucksack. Wenn etwas ist, bin ich der Ansprechpartner. Und ich leite unsere Kleiderkammer. Die gibt es jetzt schon seit 1. November letzten Jahres. Hier habe ich schon sehr viel Gutes erfahren. Der Wert der Kleiderkammer geht schon in den fünfstelligen Betrag. Die Klamotten verschenke ich.

Neulich habe ich eine Lederjacke ausgegeben, die 500 Euro wert war. Mit der Kleiderkammer will ich keinen Groschen Gewinn erzielen. Zu uns können auch Leute kommen, die arbeiten, in einer ordentlichen Wohnung leben und 4 Kinder haben und bei denen dann aber auch manchmal das Geld nicht mehr zum Leben reicht. Die können zu mir kommen und sich eine Hose umsonst mitnehmen.

Wo befindet sich die Punkwerxxkammer?

In der Berliner Straße 66. Das ist ein sehr auffälliges Gebäude: die alte Werkstatt mit dem Quad auf dem Dach. Die alte Werkstatt ist eines der ältesten Gebäude auf dem Gelände, 1866 aus einer alten Gartenlaube entstanden. Nur ist das Dach leider kaputt. Es hat schon reingeregnet. 125.000 Euro müssten wir mindestens aufbringen, um es reparieren zu lassen. Und sowieso haben wir eine uralte Technik in dem Haus, Kabelage aus den Siebzigern oder Achtzigern.

Das Gebäude der Punkwerkskammer an der Berliner Straße. Foto: L-IZ.de

Das Gebäude der Punkwerxxkammer an der Berliner Straße. Foto: L-IZ.de

Und ihr habt keine Heizung.

Ja. Wir versuchen es mit Lüftern. Das ist eines unserer Probleme. Auch die Wasserversorgung. Wir haben zwar fließendes Wasser, können aber die Toilette nicht ordentlich mit fließendem Wasser versorgen, weil man uns vor dem Einzug die Kupferrohre geklaut hatte. Das Gebäude war ja zwischendurch einige Zeit leer. Irgendjemand hatte wohl vergessen, ein Fenster zu schließen und das haben die Leute dann genutzt. Bei der Begehung des Gebäudes waren die Heizungsrohre herausgerissen, der Boiler war weg und in einem Zimmer lag noch ein Schlafsack.

Na ja! Aktiv sind wir jedenfalls nun schon seit 2 Jahren. Unser Ziel ist es, bleiben zu dürfen, um von hier aus unsere Arbeit leisten zu können. Wir würden auch gern das Gebäude umbauen, damit wir noch mehr Leuten eine Möglichkeit bieten können, für eine Nacht oder zwei bei uns zu schlafen.

Inwiefern unterscheidet ihr euch von den Notunterkünften der Stadt?

Von der Stadt werden keine Übernachtungshäuser für Paare oder für Menschen mit Hunden angeboten. Ich sollte damals in der Rückmarsdorfer Straße von meiner Frau getrennt werden. Meine Frau sollte in die Scharnhorststraße und der Hund ins Tierheim. Da sind wir gegangen. Offiziell gelte ich daher als freiwilliger Obdachloser.

Ob du als Mann deine Frau, dein Kind oder deinen Hund mitbringst, interessiert uns jedoch nicht. Wir trennen hier niemanden.

Hunde sind hier kein Problem. Foto: L-IZ.de

Hunde sind hier kein Problem. Foto: L-IZ.de

Ein paar Impressionen vom angrenzenden ehemaligen Zollschuppengelände (Fotos: L-IZ.de)

 

Mehr Informationen:

https://punkwerxxkammer.wixsite.com/pwkg3

https://timmitohelp.de/

Über die wohltätige Arbeit von TiMMi ToHelp e.V.

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