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Donnerstag, 21. Januar 2021

Organisationen fordern andere Unterbringung der in Dölzig lebenden Asylbewerber/-innen

Von René Loch

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    In Dölzig nahe Leipzig leben mehrere hundert Asylbewerber/-innen auf relativ engem Raum. Die im Angesicht der Coronakrise empfohlenen Abstandsregeln sind so kaum einzuhalten. Deshalb und wegen angeblicher hygienischer Missstände fordern 18 Organisationen in einem Offenen Brief eine bessere Unterbringung der Geflüchteten. Sie schlagen vor, leere Hotelzimmer dafür zu nutzen.

    Mit einem Offenen Brief an Politiker/-innen, Ämter und Behörden in Sachsen möchte die Organisation „Infobus Leipzig“ auf die Situation von Geflüchteten in der Erstaufnahmeeinrichtung in Dölzig nahe Leipzig hinweisen.

    Bewohner/-innen der Unterkunft hatten in den vergangenen Wochen wiederholt beklagt, dass die dortigen Zustände ein Problem darstellten, um sich vor dem Coronavirus zu schützen. Sie bemängeln fehlende Hygiene in den Sanitäreinrichtungen und die Anzahl der Personen in den Zimmern. Dadurch sei der empfohlene Mindestabstand nicht einzuhalten.

    „Im wahrscheinlichen Falle einer Infektion eines Bewohners oder einer Bewohnerin wird so in Kauf genommen, dass sich das Virus schnell ausbreiten kann“, heißt es in dem Offenen Brief. „Wir haben große Sorge davor, dass dann die einzige Lösung darin besteht, die gesamte Einrichtung zwangsweise in Quarantäne zu setzen, wodurch die jetzigen Bedingungen eklatant verschärft würden.“

    Unterbringung in Hotels würde vielen nutzen

    Die Autor/-innen verweisen darauf, dass in Deutschland derzeit hunderttausende Hotelzimmer nicht genutzt würden. Sie fordern, „Geflüchtete aus den Sammelunterkünften dort in kleineren Gruppen einzuquartieren – was dazu noch den Hoteliers durch die Krise helfen dürfte“. Grundsätzlich sollten die Bewohner/-innen von Aufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften dezentral untergebracht werden.

    Der Offene Brief ist unter anderem an die Fraktionen des Leipziger Stadtrates (mit Ausnahme der AfD), Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD), die Landesdirektion, das sächsische Innenministerium, die in Dölzig als Betreiber agierenden Malteser sowie verschiedene Ämter und Behörden in Leipzig und Umgebung adressiert.

    Zu den Erstunterzeichner/-innen gehören der Sächsische Flüchtlingsrat, das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“, der Bornaer Verein „Bon Courage“, die Gruppe „Rassismus tötet“ und etwa ein Dutzend weiterer Initiativen und Organisationen aus Leipzig und dem Umland.

    Landesdirektion äußert sich zu erneuter Verlegung

    Die von Bewohner/-innen beklagten Zustände in Dölzig hatten vor allem nach einem MDR-Beitrag in der vergangenen Woche eine breite Öffentlichkeit erreicht. Das lag auch daran, dass ein Bewohner, der sich darin äußerte, kurz darauf nach Chemnitz verlegt wurde. Am vergangenen Dienstag, den 7. April, informierte der Sächsische Flüchtlingsrat darüber, dass die Person wieder in Dölzig sei.

    Die Landesdirektion bestätigte das heute auf Anfrage der L-IZ: „Dem betroffenen Bewohner wurden bereits im Rahmen der Verlegung nach Chemnitz die Gründe erläutert und ihm von Anfang an die Möglichkeit offen gehalten, sich in eigener Verantwortung für eine Rückkehr nach Dölzig zu entscheiden. Von dieser Möglichkeit hat er Gebrauch gemacht.“

    Am Montag hatte die Landesdirektion erklärt, dass die Person aus „medizinischen Gründen“ nach Chemnitz gebracht wurde. Die Person selbst sah sich laut dem MDR-Beitrag für ihre Aussagen „bestraft“. Auch gegenüber der Linksfraktion im sächsischen Landtag hatte sich der Bewohner kritisch zu seiner Verlegung nach Chemnitz geäußert.

    Vorwürfe gegen Asylunterkunft nahe Leipzig: Fehlende Hygiene und „Bestrafung“ für Bewohner

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