Am 17. Januar wollen mehrere Palästina-solidarische Gruppen in Connewitz demonstrieren. Die Gruppe Handala behauptet, dass sich Geflüchtete wegen „Antideutschen“ und „Zionisten“ kaum in den Stadtteil trauen würden. Dem widerspricht der Sächsische Flüchtlingsrat: Das Gegenteil sei der Fall.
Kurz nach Weihnachten hat die Gruppe „Lotta Antifascista“ in den sozialen Medien einen Aufruf für eine Demonstration in Connewitz veröffentlicht. Es handelt sich bei „Lotta“ nach eigenen Angaben um eine „antifaschistische Aktionsgruppe aus dem Stadtteil. Anlass für die Demonstration sei die „seit zwei Jahren eskalierende Gewalt der Zionist*innen in Connewitz“.
Die palästinensische Gruppe „Handala“ schloss sich kurz darauf an und veröffentlichte einen eigenen Aufruf. Demnach richte sich die Demonstration gegen „Antideutsche“ in Connewitz; konkret gegen das Conne Island, das Linxxnet und die Stadträtin Juliane Nagel. Man wolle ein „neues, wirklich antifaschistisches Connewitz“, das mit Palästina solidarisch ist.
Angst vor „zionistischen Schlägerbanden“
Handala behauptet in dem Aufruf auch, dass Connewitz ein Stadtteil sei, in dem „kaum Flüchtlinge wohnen oder sich auch nur in der Freizeit dorthin trauen“. Zu groß sei die Angst vor „zionistischen Schlägerbanden“ und zu groß der „Ekel“ vor bestimmten Aufklebern und Parolen.
„Unserer Einschätzung nach ist diese Behauptung schlichtweg falsch“, sagt Angela Müller, Geschäftsführerin des Sächsischen Flüchtlingsrates, auf Anfrage der Leipziger Zeitung. Vielmehr sei das Gegenteil der Fall: „In Connewitz gibt es viele Menschen und Initiativen, die sich solidarisch mit Geflüchteten zeigen, für ihre Rechte eintreten und sie unterstützen.“
Beispiele dafür seien Conne Island und Linxxnet, „welche seit vielen Jahren für Menschenrechte Geflüchteter eintreten und von Abschiebung bedrohte Menschen unterstützen“.
Bedrohung von Rechts
Anders als von Handala behauptet, gehe die Bedrohung für Geflüchtete in Connewitz nicht von der alternativen Szene aus, sondern von Rechten – wovon wiederum auch die dort lebenden Linken betroffen seien. Generell sei die Lage für Geflüchtete in Connewitz aber „verhältnismäßig sicher“.
Handala helfe Rechtsextremen, „wenn sie mit falschen Behauptungen einen Keil zwischen die alternative, antirassistische Szene und geflüchtete Menschen in Leipzig treiben wollen“, sagt Müller.
Dass in Connewitz „kaum“ Geflüchtete wohnen würden, ergibt sich übrigens nicht aus den offiziellen Zahlen der Stadt. Laut den aktuellsten Daten von Ende September leben in Leipzig rund 3.500 Menschen in Gemeinschaftsunterkünften. Fast zehn Prozent von ihnen – exakt sind es 285 – wohnen in einer Unterkunft in der Arno-Nitzsche-Straße in Connewitz. Es gibt nur eine Unterkunft in Leipzig, in der noch mehr Geflüchtete leben.
Hinweis: Juliane Nagel ist Mitglied im Sächsischen Flüchtlingsrat. Laut eigenem Blog ist sie Mitglied in elf Vereinen und einer Gewerkschaft. Im Sächsischen Flüchtlingsrat hat sie nach eigenen Angaben weder Amt oder Funktion noch eine aktive Rolle in der Vereinsarbeit.
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