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Ist die Peggy da? Lutz Bachmann ruft zur PEGIDA-Demo in Leipzig auf + Update Absage

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    Es gab sie in den vergangenen Jahren immer wieder; die Versuche, irgendeine völkisch-nationalistische Patriotenbewegung in Leipzig zu etablieren. Mal durch den rechts aus der AfD ausgetretenen André Poggenburg und seinen „Aufstand der Patrioten“, mal als „Bürgerbewegung Leipzig“ oder „Offensive für Deutschland“ und zuletzt durch Andockversuche an die „Corona-Kritiker“-Szene. Rückblickend seit dem Niedergang LEGIDAs in Leipzig eine Geschichte von Fehlschlägen mit teils gerade noch 20 Teilnehmern. Nun versucht es Lutz Bachmann am Montag, 15. Juni 2020 mal wieder. Allerdings mit halbem Herzen.

    Dass die Demonstration am Montag, 15. Juni ab 16 Uhr angeblich auf dem Richard-Wagner-Platz stattfinden soll, erkennt man nur am beigefügten Bild seiner Mitteilungen. Seit dem heutigen Morgen gibt Lutz Bachmann, Kopf der PEGIDA Dresden mindestens über seine Social Media-Kanäle bei Telegram und Facebook bekannt: „PEGIDA in LEIPZIG“ (falsche Versalien wie im Original). Bereits gestern hatte der einschlägig vorbestrafte Bachmann neben „Black Lives Matter“-feindlichen Postings erstmals über ein Engagement PEGIDAs in Leipzig gemunkelt.

    Mit Verweis auf einen mutmaßlich rassistischen Vorfall in Bielefeld versucht er sich seither als Kämpfer gegen „Extremismus JEDER ART“ (Fehler im Origin.) darzustellen. Um so eine Art rechtskonservative, weiße „Mitte“ zu simulieren, die wie Bachmann selbst kein Problem mit Rassismus, der rechtsextremen Identitären Bewegung oder völkischem Nationalismus hat und andererseits – wie die AfD Leipzig – schon eine zuwanderungsfreundliche Äußerung mittels eines Goethe-Spruches am Leipziger Schauspiel für ein dramatisches Problem hält.

    Eine ähnliche Gangart also, wie sie erst am 10. Juni 2020 die Leipziger AfD-Fraktion im Stadtrat erneut versuchte, als sie sich in einem gescheiterten Antrag – vorgeblich gegen jeden Extremismus – auf den „Linksextremismus“ bezog (und dabei mehrere noch immer unaufgeklärte Straftaten, wie die Brandstiftung an der Pragerstraße am 3. Oktober 2019 aufzählte).

    Was wirklich gemeint ist, kann man heute auch bei Bachmann lesen: „Freunde, Leipzig ist bekannt als Zentrum der Linksextremistischen Szene und wird überall als ‚linke Stadt mit linken Menschen’ dargestellt.“ Er selbst hält sich wie seine „Bewegung“ offenbar für die bürgerliche Mitte, welche zur „bürgerlichen Mitte und zum rechtskonservativen Bürgertum zu rechnen sind“ und die „leise Mehrheit“ darstellt.

    Nun sei es am Montag Zeit, dass es in Leipzig gegen die „gewalttätigen und lauten Linksterroristen“ gehe, es sei „Zeit, Gesicht zu zeigen“, man sehe sich „auf der Straße“. Das gilt wohl weniger für Bachmann selbst in Leipzig, von seinem eigenen Kommen spricht er nicht.

    Und 18:30 Uhr ist mal wieder ausländerfeindlicher Umzug in der Landeshauptstadt. Da darf „der Lutz“, wie ihn seine Anhänger gern nennen, nicht fehlen. Aber wer weiß? Man wolle zwar keinen „Demotourismus“, wie Bachmann schreibt, aber vielleicht möchte er ja mal wieder persönlich ein paar Merchandisingartikel unters Leipziger „Volk“ bringen?

    Nachtrag d. Red. (19 Uhr): Im Laufe des Tages hat nun auch das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ (LnP), welches bereits zu einer gemeinsamen Fahrt am Montag zu PEGIDA Dresden aufruft, auf die Demonstration in Leipzig hingewiesen. Man wolle auch hier „nach dem Rechten sehen“. Gleichzeitig wird vermutet, dass Lutz Bachmann nur nach Leipzig aufruft, um den Gegenprotest für die Dresdner PEGIDA-Versammlung zu verkleinern. Dass er selbst nach Leipzig kommt, ist eher unwahrscheinlich.

    Zum Gegenprotest nach Dresden startet die Anreise mit LnP um 15:45 Uhr am Gleis 21 des Leipziger Hauptbahnhofes. Ab 18:30 Uhr ist dann auf dem Altmarkt in Dresden einer der Gäste auf der PEGIDA-Bühne Alexander Kleine „Malenki“ (Identitäre Bewegung Leipzig). Nur ein Beispiel, was Lutz Bachmann unter der Mitte der Gesellschaft vermutet.

    Alle Berichte zu Legida/Pegida auf L-IZ.de finden Sie hier

    Update 15. Juni 2020, 13 Uhr

    In einem Video auf Youtube erklärte Lutz Bachmann am Vormittag des heutigen Montags, dass die Versammlung in Leipzig abgesagt worden sei. Es habe zu seiner Überraschung Unmut aus den eigenen Reihen bei PEGIDA gegeben, da man da befürchtete, die zusätzlich Veranstaltung in Leipzig könne die Demonstration in Dresden verkleinern. Leipzig nimmt Platz erklärte daraufhin, dennoch um 16 Uhr am Richard-Wagner-Platz nachzuschauen, ob sich jemand einfindet.

    Hinzu kam am heutigen Vormittag eine kurzfristige Anmeldung einer Kundgebung durch das „Rojava Soli Bündnis Leipzig“ ab 17 Uhr auf dem Richard-Wagner-Platz mit anschließender Demonstration durch die Innenstadt, über den Augustusplatz zur Eisenbahnstraße mit Endpunkt am Otto Runki Platz.

    Anlass für die spontane Anmeldung ist jedoch nicht PEGIDA, sondern die türkischen Bombardements auf das Qendîl Gebirge, das kurdische Flüchtlingscamp Mexmûr und den ezîdischen Şengal.

    Die türkische Armee fliegt seit gestern in der Operation „Adlerklaue“ erneut Einsätze außerhalb des eigenen Territoriums im Nord-Irak gegen die PKK (Kurzmeldung bei der „Zeit“ Online).

    Der Stadtrat tagt: AfD scheitert mit „Linksextremismus“-Antrag + Audio

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