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Wenn Leipziger/-innen träumen: Den ländlichen Raum nicht rechten Akteur/-innen überlassen

Von Dorothea Schneider, Mitorganisatorin der Oberlausitzer Initiative „Karawane der Vernunft“

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    LEIPZIGER ZEITUNG/ Auszug Ausgabe 86, seit 18. Dezember 2020 im HandelIch träume davon, dass der Zusammenhalt und die Solidarität der Zivilgesellschaft stärker werden. Denn wenn rechte Strukturen immer mehr erstarken und deren Meinungsbilder Toleranz und Zustimmung erfahren, brauchen wir engagierte Menschen vor Ort.

    Menschen, die dem entgegentreten und unsere Demokratie und Werte wie Freiheit, Menschlichkeit, Solidarität, Toleranz, Offenherzigkeit, Menschenwürde schützen. Engagierte Menschen, die rechte Strukturen beobachten, diese einschätzen, davon berichten und sich auf vielfältige Art und Weise dagegen positionieren, sind keine „Nestbeschmutzer“. Im Gegenteil, sie setzen sich dafür ein, dass ihre Region für ALLE Menschen attraktiv bleibt.

    Das Titelblatt der LEIPZIGER ZEITUNG Nr. 86, Ausgabe Dezember 2020. Foto: Screen LZ

    Gerade in den ländlichen Regionen bedeutet dieses Engagement, neben dem üblichen Gegenwind, auch Gefahr. Es ist nicht selten, dass „Hausbesuche“ stattfinden, Eigentum zerstört wird und gedroht wird. Ich wünsche mir, dass dieses – meist ehrenamtliche – Engagement mehr Achtung und Unterstützung erfährt.

    Vor allem die Politik ist in der Verantwortung, mit all ihren Ressourcen zu unterstützen. Damit meine ich nicht nur finanzielle Förderung für eine kontinuierliche Projektarbeit, sondern auch eine klare politische Haltung. Politiker/-innen sollten die Angst, dass man eventuell Wähler/-innen verlieren könnte, ablegen und dem Shitstorm aus der rechten Blase mit Rückgrat begegnen.

    Wenn Vereine, Engagierte, die schon lange wertvolle Arbeit gegen Rechts leisten, sich hilfesuchend an sie wenden, wünsche ich mir, dass nicht erst lange überlegt wird, mit wem man sich da zeigt. Sind diese Vereine doch zu linksextrem? Verscherzen wir es uns mit anderen? Immer wieder die Diskussion um die Extremismustheorie. Zeigt doch gerade die aktuelle Zeit, wie überholt sie ist. Rechte Meinungsbilder, Verschwörungserzählungen, Antisemitismus, Rassismus – das alles ist schon in der Mitte der Gesellschaft angekommen und findet dort immer mehr Akzeptanz und immer weniger Widerspruch.

    Das ist ein großes Problem, welches auch zu einer wahnsinnigen Dynamik führt. Bei uns in der Oberlausitz ist eine gewisse Akzeptanz von rechten Strukturen schon immer vorhanden. Sie wird aber immer größer und macht somit den ländlichen Raum für bestimmtes Klientel immer attraktiver. Rechte Personen und Vereine kaufen Immobilien auf. Siedlungsprojekte sind in Planung beziehungsweise schon in Entstehung. Auch das wird schweigend hingenommen. Es gibt nur wenige, die sich dagegen engagieren.

    Ich wünsche mir, dass mehr Menschen bewusst wird, was all dies für unser Zusammenleben bedeuten kann. Dass sie kritischer werden, dass sie hinterfragen und schon dem „kleinen“ Alltagsrassismus keine Chance geben. Dass sie sich an einer aktiven Zivilgesellschaft beteiligen und die Engagierten vor Ort in ihrem Engagement unterstützen. Dies würde endlich zu einer Entlastung der vorhandenen Strukturen führen und gleichzeitig Schutz Einzelner bedeuten.

    Denn unsere Zeichen müssen deutlicher, unsere Haltungen klarer und unsere Stimmen lauter werden!

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