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„Schwurbel für alle!“: Neuigkeiten auf dem Wagnerplatz + Video

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    Wovon Versammlungsanmelder Volker Beiser auf seinem Weg zum Anführer einer Revolution – „die nicht mit der 1989 vergleichbar ist“ (Beiser über wichtige Unterschiede) sonst noch träumt, soll sein Geheimnis bleiben. Was er hingegen am 31. Mai 2021 vor rund 50 Getreuen der „Bürgerbewegung Leipzig 2021“ auf dem Richard-Wagner-Platz äußerte, hatte schon einen leichten Hauch von Realitätsverlust.

    Nunmehr hoffte er nach Wochen der montäglichen Zusammenkünfte in seinem Redebeitrag auf weitere 10.000 (und mehr), die sich bald der „Bürgerbewegung Leipzig 2021“ anschließen werden. Denn dann könne man Volkes Wille nicht mehr übersehen.

    Vorerst blieb es bei den üblichen 50, deren Gesichter man mittlerweile schon wiedererkannte. Seinen Plan, wie es zu dem Mengenwachstum kommen solle, gab es nun endlich zu hören, nachdem er sich noch vergangene Woche beklagt hatte, dass es so richtig nicht vorwärtsginge mit den Massen.

    Offenbar hofft Beiser noch darauf, dass es die zunehmenden Lockerungen der Anti-Coronamaßnahmen (wie das eigentlich in einer Diktatur?) ihm und seinen Zuhörern erlauben, endlich auf den ersehnten Ring zu einer echten Demonstration mit Gemeinschafts- und 89er-Erlebnis zu kommen. Nächste Woche jedenfalls oder später will er da etwas anmelden, so Beiser heute, dann werden sicher auch die Massen strömen.

    Dabei kündigte er indirekt schon einmal an, dass es demnächst thematisch weniger um Corona gehen würde, sondern mehr um die drohende Klimadiktatur. Sicherlich kein unbekanntes Rezept: wo Veränderungen sind, da ist auch Unwille. Und wo ein Unwille ist, da lässt sich sicher auch Publikum für Ansprachen finden.

    Nicht ganz so friedlich wie der Wunsch, in den kommenden Wochen eine sonst viel befahrene Straße mal für sich allein zu haben, waren hingegen seine Äußerungen über „das Regime“, „die Medien“ und eine relativ unverhohlene Vorwegnahme von eigener Gewaltbereitschaft.

    Für die armen, unterdrückten Journalist/-innen äußerte der Dauerredner der „Bewegung“ im seit Legida bis „Querdenken“ bekannten Süffisanz-Tonfall geheucheltes Verständnis. Diese müssten schließlich lügen, da ihnen sonst der Jobverlust drohe. Woher der laut sozialen Medien als „Coach“ arbeitende Bad Kreuznacher diese tiefen Einblicke in den journalistischen Berufsalltag einer Tagesredaktion auch immer hat: Der Mann scheint zumindest darin Experte zu sein.

    Denn auch hier lügt der Autor der Zeilen auf strikte Weisung der Reptiloidenregierung natürlich schamlos: Auf dem Richard-Wagner-Platz fanden sich heute bereits 500.000 Menschen ein, die Revolution war zum Greifen nah und bereits vor Ort sah man leitende Einsatzbeamte hektisch mit Berlin und Brüssel telefonieren. Selbstredend um zu erfahren, wann endlich die Armee zur Niederschlagung der Massenrevolte eintrifft.

    Apropos Gewalt

    Die sei im Fall von „Selbstverteidigung“ erlaubt, die Beiser in seiner Interpretation heute allerdings etwas weit dehnte. Denn wenn man „an die Wand gedrückt würde“ – so das beschriebene Gefühl – sei es schon so weit.

    Strafrechtlich gesehen gilt nur die Gefahrenabwehr, wenn man selbst akut angegriffen wird, als Begründung für Selbstverteidigung – da reicht ein Gefühl nicht aus. Bei Beiser ist es offenbar schon so weit, wenn Regierungen oder „das Regime“ nicht tun, was er und die anderen 50 in Leipzig wollen.

    Wobei auch das heute wieder, bis auf den Wunsch nach Einigkeit aller im Volk, unklar blieb. Was derzeit im Volk nicht gewollt ist, machte eine Rednerin nach ihm klar: Keine Impfungen, vor allem nicht der Kinder, denn schon jetzt würden die Menschen in Massen daran sterben. Die Frau (ob mit oder ohne Youtube-Diplom ließ sich vor Ort nicht feststellen) zitierte dazu eine „Studie“, welche belege, dass es so sei.

    Ein Massensterben, was wir – „die Medien“ – aber auch weiterhin verschweigen werden, damit es exklusive Nachrichten auf Facebook, Telegram und solchen informativ hochwertigen Versammlungen bleiben. Das haben diese sozialen Medien nun davon, ätsch.

    Helfen wird uns das natürlich auch nichts. Wenn der Volkssturm unter Volkers Führung erst in Leipzig und dann im ganzen Land dann einmal losbricht, um die „absolute Freiheit“, so Beiser heute zu seinem Lebenstraum, zu erstreiten, dann ist aber wirklich letzte Runde im Selbstbedienungsladen und dann geht’s für alle anderen, denen nicht grundlos bei Absolutismen das Nackenhaar steht, aber zack-zack in den Tagebau.

    Bis es so weit ist, sehen wir uns aber hier noch die Redebeiträge und Impressionen vom zahlenmäßig etwa gleich starken Gegenprotest vom heutigen 31. Mai 2021 an. Dieser war  mit übergroßen Spritzen, Schildern mit Sprüchen wie „Mimimi“ angetreten und zeigte seine Solidarität mit der Reptiloidenregierung mittels entsprechender Masken und Verkleidungen.

    Die Losung lautete hier „Schwurbel für alle“. Ganz im Ernst.

    Impressionen von Echsen, Revolutionen und Menschen

    Video vom 31. Mai 2021, Richard-Wagner-Platz. Video: LZ/Sabine Eicker

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      2 KOMMENTARE

      1. Ich kann mich noch gut erinnern, wie im Sommer 89 DDR-Oppositionelle unter Polizeischutz öffentlich über die DDR-Regierung und die Medien hergezogen sind und dabei die Revolution angekündigt haben. Danach gingen sie unbehelligt nach hause.
        Und tatsächlich, die Revolution kam. Wahnsinn, diese prophetischen Fähigkeiten!👍
        Was mich an der ganzen Sache nur wundert:
        Weder auf den Fotos noch im Text ist von Spendenbettelei die Rede. Gibt es bei dieser Revolution vielleicht finanzstarke Kräfte im Hintergrund? Großkapital? 🤔

      2. „Dabei kündigte er indirekt schon einmal an, dass es demnächst thematisch weniger um Corona gehen würde, sondern mehr um die drohende Klimadiktatur“

        Ein Mann auf der verzweifelten Suche nach Anerkennung und Erfolg und Anhängern. Ich muss ja eigentlich über den anscheinend vorhandenen Größenwahn lachen, aber im Grunde ist das doch echt ne tragische Gestalt.

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