Die Leipziger Veranstaltungsstätte Felsenkeller steht seit Wochen in der Kritik. Anlass war eine für den 31. Januar 2026 geplante sogenannte „Neofolk Night“, gegen die antifaschistische Gruppen, ehemalige Mitarbeitende und Teile der lokalen Szene protestieren. Im Zentrum der Auseinandersetzung steht die Frage, ob sich der Felsenkeller zu Recht als politisch neutraler Vermieter versteht – oder ob seine Bookingpraxis faktisch Akteuren der extremen Rechten Raum bietet.

Proteste und öffentliche Kritik

Am Samstag versammelten sich rund 50 Menschen zu einer Kundgebung gegen die Veranstaltung. Organisiert wurde der Protest von einer Einzelperson, jedoch rief unter anderem die Initiative „Leipzig gegen Rechts“ dazu auf, sich daran zu beteiligen. 

Bereits am 23. Dezember 2025 hatte die Gruppe einen offenen Brief veröffentlicht, in dem sie eine Absage des Konzerts forderte und die Geschäftsführung des Felsenkellers aufforderte, sich klar von rechten Ideologien zu distanzieren. Gespräche zwischen einzelnen Unterzeichner/-innen und dem Haus blieben nach Angaben der Initiative ohne nennenswertes Ergebnis – was das Konzert betraf. 

Am 29. Januar erklärte eine Sprecherin von „Leipzig gegen Rechts“ in einer Pressemitteilung, die Forderung nach einer Absage sei angesichts der vorliegenden Informationen weiterhin legitim. Parallel dazu wuchs die mediale Aufmerksamkeit: Am 21. Januar erschien ein erster Beitrag der Leipziger Zeitung (LZ), am 27. Januar folgte eine ausführliche Recherche des Portals „Periskop“, die sich mit der Kontinuität rechter Neofolk-Konzerte im Felsenkeller befasst.

Sachbeschädigung und Eskalation

In der Nacht vom 28. auf den 29. Januar wurde die Fassade des Felsenkellers mit Farbe und Gülle beschmiert. Nach Angaben der Polizeidirektion Leipzig entstand ein Sachschaden von rund 5.000 Euro; es wird wegen Sachbeschädigung ermittelt, ein politisches Motiv wird geprüft. Die Tat wurde von den protestierenden Gruppen in einer Pressemitteilung nicht unterstützt oder gerechtfertigt, trug jedoch zur weiteren Eskalation der Debatte bei.

Ein nach dem ersten LIZ-Beitrag veröffentlichtes Statement des Felsenkellers wurde zwischenzeitlich von der Website entfernt. Die Veranstalterin der „Neofolk Night“ kündigte ihrerseits die Prüfung presserechtlicher Schritte gegen die Recherchen von „Periskop“ an.

Vorwürfe: Personal, Programm, Netzwerke

Die Kritik an der Veranstaltungsstätte stützt sich vor allem auf drei Punkte.

Personal: Laut „Periskop“ war bis Sommer 2025 ein Mitarbeiter im Felsenkeller beschäftigt, der zuvor der Berliner Hooligan-Gruppe „Wannsee Front“ angehörte und als gut vernetzt in der Rechtsrock- und Oi!-Szene gilt. 

Programm: Für die „Neofolk Night“ waren unter anderem Projekte wie Darkwood und Espacio Vital angekündigt. Kritiker/-innen verweisen auf wiederholte Bezüge dieser Projekte zu Symbolen und Ideologemen des Nationalsozialismus, die in der extrem rechten Szene verbreitet sind, darunter Anspielungen auf die faschistische Eiserne Garde sowie die Verwendung von Runen- und Sonnenkreuzsymbolik. 

Netzwerke: Der an der Veranstaltung beteiligte Veranstalter Jan-Steven Fricke wurde laut den Recherchen bei Aktivitäten des sogenannten „Orphischen Kreises“ sowie bei Wanderungen mit Akteuren der Identitären Bewegung dokumentiert. 

Diese Punkte werden von den Kritiker/-innen als Hinweise auf eine strukturelle Offenheit des Hauses gegenüber völkisch-nationalistischen Milieus gewertet. 

Innerbetrieblicher und öffentlicher Widerspruch

Der Protest richtet sich nicht nur von außen gegen den Felsenkeller. Alex, ein ehemaliger Mitarbeiter des Felsenkellers, der die Kundgebung angemeldet hatte, äußerte gegenüber der LZ Unverständnis über die aktuelle Entwicklung des Hauses. Auch Teile der Leipziger Kulturszene, darunter lokale Buchhandlungen, distanzierten sich öffentlich von der Veranstaltung. 

Medienkritik und öffentliche Wahrnehmung

„Leipzig gegen Rechts“ kritisiert zudem die regionale Berichterstattung. Die Leipziger Volkszeitung habe in mehreren Fällen die Darstellung der Geschäftsführung übernommen, ohne die dokumentierten Verbindungen und Vorwürfe ausreichend zu prüfen oder einzuordnen. Diese Kritik wurde am Rande der Kundgebung vorgebracht. Auf Nachfrage wird die Berichterstattung zu „Schillah“ und der „Neofolk Night“ im Felsenkeller genannt. 

Die Frage der Neutralität

Geschäftsführer Jörg Folta betont öffentlich, der Felsenkeller sei ein politisch neutraler Wirtschaftsbetrieb. In Podcasts äußerte er sich jedoch wiederholt polemisch über eine aus seiner Sicht „woke“ Kulturbürokratie und zog Vergleiche zur NS-Zeit, um die aktuelle Förderpraxis zu kritisieren. Auf LZ-Anfrage erklärte Folta, diese Zuspitzungen seien Teil eines bewusst provokanten Formats und dienten der Anregung von Debatten. 

Angesichts der anhaltenden Kritik, der personellen Überschneidungen und der programmatischen Entscheidungen wird die Selbstdarstellung des Felsenkellers als unpolitischer Vermieter zunehmend infrage gestellt. Die politische Verantwortung eines zentralen Kulturortes im Leipziger Westen bleibt Gegenstand öffentlicher Auseinandersetzung.

Wie Anne Warzynski von „Leipzig gegen Rechts“ betont, entscheide der Felsenkeller zwar selbst über sein Programm. Es sei jedoch ebenso legitim, dass Besucher/-innen, Künstler/-innen und zivilgesellschaftliche Gruppen dieses Booking öffentlich kritisieren.

Update und Richtigstellung 4. Februar

Update 4. Februar: Infolge der Berichterstattung erreichte uns eine Nachricht des im Beitrag erwähnten Veranstalters Jan-Steven Fricke, die wir hier im Wortlaut wiedergeben.

Im Artikel heißt es, Gespräche zwischen Unterzeichner/-innen und dem Haus seien „ohne nennenswertes Ergebnis“ geblieben.

Diese Darstellung entspricht so nicht dem tatsächlichen Verlauf.

Im Vorfeld der Veranstaltung fand ein persönliches Treffen mit Vertreterinnen und Vertretern der Kritiker statt. Daraus ergaben sich konkrete Absprachen, unter anderem der Zugang dieser Personen zur Veranstaltung, direkte Gesprächsmöglichkeiten vor Ort, ein öffentlich sichtbarer Aushang zum Veranstaltungsrahmen sowie ein klar definiertes Sicherheits- und Kontrollkonzept. Zudem waren einzelne Gruppierungen, die zunächst zu Protesten aufgerufen hatten, selbst vor Ort. In Kürze wird außerdem noch eine protkollierte Auswertung der Veranstaltung zwischen Kritikern, Felsenkeller und mir als Veranstalter stattfinden.

Diese Gespräche hatten somit sehr wohl konkrete Auswirkungen auf den Ablauf des Abends.

Weiter heißt es im Zusammenhang mit dem Programm, es gebe wiederholte Bezüge der auftretenden Projekte zu Symbolen und Ideologemen des Nationalsozialismus.

Hierzu ist aus meiner Sicht wesentlich, dass von den beteiligten Künstlern im Vorfeld öffentliche Statements vorlagen, in denen genau diese Zuschreibungen ausdrücklich zurückgewiesen wurden. Des Weiteren wurde der klar definierte Veranstaltungsrahmen durch die auftretenden Künstler akzeptiert.
Diese Einordnungen bleiben im Artikel unerwähnt.

Schließlich wird meine Person im Abschnitt „Netzwerke“ in einen Kontext gestellt, der sich auf Recherchen der Plattform „Periskop“ stützt und eine Nähe zu politischen Milieus nahelegt, der nicht der Realität entspricht.

Diese Zuschreibung basiert nicht auf überprüfbaren Tatsachen zu meiner Person, sondern auf einer Kontextualisierung durch eine anonyme Plattform, die im Artikel nicht als solche kenntlich gemacht wird. Dadurch entsteht für Leserinnen und Leser der Eindruck einer redaktionell überprüften Tatsachenfeststellung, was aus meiner Sicht nicht zutreffend ist.

Mir geht es ausdrücklich nicht um eine Gegendarstellung, sondern um die sachliche Berücksichtigung dieser Einordnung an den genannten Stellen.

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

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Also ein ehemaliger MA, meldet eine Demo an, ein selbsternanntes Rechercheportal wird als Quelle für die Kontinuität rechter Neofolk-Konzerte im Felsenkeller benannt und im Text wird noch ein MA in der Rechtsrock- und Oi verortet. Allein die Nennung von Rechtsrock- und Oi in einem Atemzug ist schon eine künstlerische Leistung. Wenn dann aber beim Rechercheportal u.a. Spiritual Front als Beispiel rechter Neofolk-Konzerte aufgeführt wird, beschädigt sich das Portal selbst und legt Zeugnis von bester musikalischer Unkenntnis ab (vgl. auch die selektive Definition des Musikstils beim Portal & wiki). Und kann es vielleicht sein, dass veröffentlichte Statements generell nach Beendigung jeder Veranstaltung nicht mehr auf der Felsenkeller Seite verfügbar sind? Oder klingt “Ein nach dem ersten LIZ-Beitrag veröffentlichtes Statement des Felsenkellers wurde zwischenzeitlich von der Website entfernt. ” halt frei nach Friede S. einfach LZ journalistisch besser? Egal, bei der eher langweiligen und trägen Musikrichtung (Ausnahme u.a. Spiritual Front), bei der bei Konzerten zumeist männliches Publikum anwesend ist (nach Aussagen einiger Mädels begleiten die ihre Typen eher pflichtbewusst, statt musisch interessiert) gibt es beim benannten Musikstil auch verherrlichende, klar abzulehnende Bands. Die inhaltliche Unterscheidung wird aber eben nicht von Leipzig gegen Kunstfreiheit getroffen, sondern wurde generalisiert vorgetragen und wirkt damit weiter ebenfalls selbst beschädigend. So, und jetzt wird die Haselnuss geknackt und der alljährliche innere WGT Protest vorbereitet. Carpe noctem.

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