Der Leipziger Felsenkeller steht am Scheideweg: Ist er das neutrale Veranstaltungshaus, als das ihn die Geschäftsführung sieht, oder wird er zunehmend zum Schauplatz einer schleichenden Normalisierung neurechter Ästhetik? Nach Gülle-Attacken und einer umstrittenen „Neofolk Night“ steht Geschäftsführer Jörg Folta zu den drängendsten Fragen aus der Nachbarschaft und der Kritik an seinem Kurs Rede und Antwort.

Die Ausgangslage: Wahrnehmung vs. Selbstverständnis

Guten Tag, Herr Folta! Das aufgeladene Thema: Warum ist die Debatte um den Felsenkeller aus Ihrer Sicht so eskaliert? Sehen Sie die Ursache primär in einer „falschen“ Wahrnehmung von außen oder gibt es Punkte, an denen das Selbstverständnis des Hauses mit der Realität kollidiert?

Ich glaube, die Eskalation ist weniger durch einzelne konkrete Ereignisse entstanden, sondern durch eine Dynamik, in der sich Wahrnehmungen, Zuschreibungen und mediale Verkürzungen gegenseitig verstärkt haben.

Was ich in den letzten Wochen sehr deutlich erlebt habe, ist, wie schnell aus einzelnen Beobachtungen oder Recherchen ein Gesamtbild entsteht, das mit der tatsächlichen alltäglichen Praxis in unserem Haus nur noch bedingt zu tun hat. Dieses Bild verselbstständigt sich dann, wird weitergetragen und schließlich als Ausgangspunkt für weitere Bewertungen genommen.

Darüber hinaus fand diese Debatte nicht im luftleeren Raum statt, sondern an einem konkreten Abend, in einer sehr aufgeheizten Situation, mit realen Menschen vor und im Haus. Diese Verdichtung von öffentlicher Aufmerksamkeit und realer Lage vor Ort hat die Dynamik zusätzlich beschleunigt.

Gleichzeitig muss ich selbstkritisch sagen, dass wir als Haus lange davon ausgegangen sind, dass unsere Art zu arbeiten für Außenstehende selbstverständlich nachvollziehbar sei. Dass klar ist, nach welchen Kriterien wir entscheiden, wie wir Hausrecht ausüben und wie wir Verantwortung praktisch verstehen. Genau das hat sich als Irrtum erwiesen.

Insofern liegt die Ursache weder ausschließlich in einer „falschen“ Wahrnehmung von außen, noch in einem Widerspruch zwischen unserem Selbstverständnis und der Realität, sondern in einer wachsenden Lücke zwischen gelebter Praxis und öffentlicher Wahrnehmung dieser Praxis.

Diese Lücke ist in der aufgeheizten Situation rund um den 31. Januar sehr schnell größer geworden. Und ein Teil meiner Aufgabe besteht jetzt darin, diese Praxis verständlicher zu machen, nicht defensiv, sondern erklärend.

Denn ich bin nach wie vor überzeugt, dass das, was hier täglich passiert, verantwortungsvoll, reflektiert und auf klaren Regeln basierend geschieht. Aber ich habe gelernt, dass das allein nicht ausreicht, wenn es nicht auch nachvollziehbar erklärt wird.

Der Podcast-Kontrast: Inwiefern tragen Ihre persönlichen Äußerungen im Podcast „A Distanza“ (z.B. NS-Vergleiche zur Förderpolitik) dazu bei, dass das neutrale Selbstverständnis des Hauses nach außen hin unglaubwürdig wirkt?

Ich halte es für wichtig, hier zwei Rollen sauber zu unterscheiden. In diesem Podcast bin ich als Gast in einem bewusst zugespitzten, meinungsbasierten Format eingeladen, um über kulturpolitische Fragen zu sprechen, die mich persönlich beschäftigen. Das ist ein publizistischer Kontext, in dem zugespitzt und zuweilen polemisch diskutiert und argumentiert wird.

Die Rolle als Geschäftsführer eines Veranstaltungsortes funktioniert vollkommen anders. Dort geht es nicht um persönliche Meinungen oder politische Bewertungen, sondern um ganz konkrete, überprüfbare Kriterien: Hausrecht, Sicherheit, Einhaltung von Gesetzen, diskriminierungsfreier Umgang im Haus und die praktische Organisation von Veranstaltungen. Diese beiden Ebenen sind strikt getrennt.

Protest gegen die „Neofolk Night“ am Felsenkeller, 31. Januar 2026. Foto: Marco Brás dos Santos
Protest gegen die „Neofolk Night“ am Felsenkeller, 31. Januar 2026. Foto: Marco Brás dos Santos

Weder entscheidet meine persönliche Meinung darüber, wer im Felsenkeller eine Bühne bekommt, noch wird dort anhand politischer Sympathien oder Antipathien selektiert. Genau deshalb haben wir klare Regeln und kein Gesinnungsraster. Und genau das ermöglicht es, einen Kulturort professionell zu führen, unabhängig davon, welche persönlichen Ansichten jemand privat äußert.

Die persönliche Ebene: Kritik & Dynamik

Umgang mit Zuschreibungen: Wie gehen Sie persönlich mit öffentlicher Kritik, Zuschreibungen und der Dynamik einer solchen Debatte um?

Ich versuche zunächst, zwischen Kritik und Zuschreibung zu unterscheiden. Kritik ist etwas, das ich ernst nehme, weil sie mir die Möglichkeit gibt, mein eigenes Handeln zu reflektieren. Zuschreibungen hingegen entstehen oft aus einer Außenperspektive, die mit der konkreten Realität unseres Alltags nur begrenzt zu tun hat.

In den letzten Wochen habe ich gemerkt, wie schnell sich Bilder und Erzählungen verselbstständigen können, die mit dem tatsächlichen Ablauf von Veranstaltungen, Gesprächen und Entscheidungen hier im Haus nur noch wenig zu tun haben.

Persönlich hilft mir in solchen Situationen vor allem, Ruhe zu bewahren und den direkten Austausch zu suchen. Die Gespräche, die hier vor Ort mit Kritikern stattgefunden haben, waren durchweg sachlich, respektvoll und konstruktiv. Das steht in einem deutlichen Kontrast zu der Dynamik, die sich teilweise öffentlich entwickelt hat.

Ich nehme mir daher bewusst Zeit, Dinge nicht sofort zu kommentieren, sondern sie zunächst einzuordnen. Nicht jede öffentliche Zuschreibung verlangt nach einer öffentlichen Reaktion. Oft ist das direkte Gespräch der deutlich sinnvollere Weg.

Konsequenzen der Debatte: Hat die Dynamik der letzten Wochen – von Offenen Briefen bis zu Gülle-Attacken – dazu geführt, dass Sie Ihre eigene Position oder die Booking-Strategie des Hauses hinterfragen?

Hinterfragen gehört für mich grundsätzlich zu verantwortungsvollem Handeln dazu, unabhängig von äußeren Ereignissen.

Die letzten Wochen haben diesen Prozess sicherlich intensiviert, aber nicht in dem Sinne, dass wir unsere Grundhaltung geändert hätten. Was sich für mich sehr deutlich gezeigt hat, ist, wie unterschiedlich Wahrnehmung von außen und tatsächliche Praxis im Haus sein können. Und dass es wichtig ist, diese Praxis verständlicher und transparenter zu machen.

Unsere Booking-Entscheidungen basieren nicht auf politischen Kategorien, sondern auf klaren Regeln für das Miteinander im Haus. Diese Grundlage hat sich nicht verändert.

Der Felsenkeller in Plagwitz. Foto: Marco Brás dos Santos
Der Felsenkeller in Plagwitz. Foto: Marco Brás dos Santos

Was sich verändert hat, ist mein Bewusstsein dafür, dass diese Art zu arbeiten von außen nicht immer so sichtbar ist, wie ich es bislang angenommen habe. Und genau daraus ziehe ich die Konsequenz, künftig stärker zu erklären, wie wir hier konkret handeln, statt nur vorauszusetzen, dass es sich von selbst erschließt.

Regelwerk: Die unsichtbare Hausordnung

Transparenz der Hausordnung: Sie betonten in Hintergrundgesprächen oft, dass Ihre Hausordnung klare Regeln vorgibt. Warum ist dieses Dokument für potenzielle Gäste und die Öffentlichkeit auf Ihrer Webseite nicht einsehbar?

Die Hausordnung ist für uns in erster Linie ein praktisches Arbeitsinstrument und kein politisches Statement nach außen. Sie richtet sich an Gäste, Veranstalter und Mitarbeiter und kommt immer dann zum Tragen, wenn konkrete Situationen entstehen. Deshalb ist sie im Haus sichtbar ausgehängt und wird vor Ort auch aktiv durchgesetzt.

Ich verstehe aber, dass in der aktuellen Debatte der Eindruck entstehen kann, Transparenz bedeute, dieses Dokument dauerhaft online zu veröffentlichen. Das ist ein Punkt, den wir im Zuge der Gespräche der letzten Wochen tatsächlich neu bewerten. Gleichzeitig war unser Ansatz bislang ein anderer: Wir wollten nicht über eine veröffentlichte Hausordnung Haltung demonstrieren, sondern sie im Alltag leben. Also nicht durch ein Dokument im Netz, sondern durch konsequente Praxis an der Tür, im Einlass und im Veranstaltungsablauf.

Die Ereignisse rund um den 31. Januar haben uns gezeigt, dass beides sinnvoll sein kann: gelebte Praxis und nachvollziehbare Transparenz nach außen.

Die Ausschlussklausel: Am Abend der „Neofolk Night“ hingen Poster mit einer Ausschlussklausel im Haus aus. Warum ist diese Klausel nicht dauerhaft und für alle einsehbar auf Ihrer Webseite veröffentlicht?

Die Ausschlussklausel ist für uns kein politisches Selektionsinstrument, sondern ein praktisches Mittel zur Wahrung des Hausfriedens. Sie kommt immer dann zum Einsatz, wenn eine Veranstaltung erfahrungsgemäß ein erhöhtes Konfliktpotenzial mit sich bringen kann – unabhängig vom Genre. Das kann bei sehr unterschiedlichen Formaten der Fall sein.

Deshalb ist sie situativ sichtbar und nicht dauerhaft als generelles Dokument veröffentlicht. Wir wollten damit nie ein politisches Signal senden, sondern ein klares Werkzeug für konkrete Abende bereitstellen. Die Erfahrung rund um den 31. Januar hat uns allerdings gezeigt, dass dieser Unterschied von außen nicht unbedingt so wahrgenommen wird, wie er intern gemeint ist. Dass hier der Wunsch nach größerer Transparenz besteht, ist nachvollziehbar, und diesen Gedanken nehmen wir ernst.

Wichtig ist mir aber: Diese Klausel dient nicht der Gesinnungsprüfung, sondern dem Schutz aller Gäste vor diskriminierendem oder provokativem Verhalten im Haus.

Fallbeispiel: Die „Neofolk Night“ am 31.01.2026

Strenge der Kontrollen: Die LZ stellte am Abend ungewöhnlich strenge Einlasskontrollen und eine erhöhte Präsenz des Sicherheitsdienstes fest. Ist dies das neue Standard-Sicherheitsniveau für den Felsenkeller oder war dies eine einmalige Maßnahme zur Imagepflege aufgrund des öffentlichen Drucks?

Die erhöhte Präsenz am Einlass war keine Imagepflege, sondern eine bewusste Entscheidung aus der Situation heraus. Es gab im Vorfeld eine öffentliche Debatte, eine angekündigte Kundgebung und eine sehr aufgeheizte Stimmung. In so einer Lage ist es aus meiner Sicht selbstverständlich, die Sicherheitsmaßnahmen anzupassen, nicht weil man etwas „verdecken“ möchte, sondern weil man verhindern will, dass es zu Eskalationen kommt.

Das ist kein Eingeständnis eines Problems, sondern Ausdruck von Verantwortung für Gäste, Mitarbeiter und auch für die Menschen, die draußen protestiert haben. Wir haben in dieser Situation gezeigt, dass wir in der Lage sind, flexibel und professionell auf eine besondere Lage zu reagieren.

Und genau das erwarte ich von einem verantwortungsvoll geführten Veranstaltungsort.

Radikalisierung auf der Bühne: Beobachter/-innen berichten, dass der Headliner Darkwood während des Auftritts durch Wehrmachts-Visuals und das problematische „Lied am Feuer“ eine Grenze überschritten habe. Warum wurde das Konzert angesichts dieser Verstöße gegen Ihre Hausordnung nicht unterbrochen?

Diese Darstellung setzt voraus, dass die gezeigten Inhalte in ihrer Bedeutung eindeutig und zweifelsfrei zuzuordnen gewesen wären. Genau das war in der konkreten Situation jedoch nicht der Fall. Es wurden keine strafbaren Symbole gezeigt. Es wurden keine verbotenen Zeichen verwendet. Und es gab zu keinem Zeitpunkt eine Situation, in der aus Sicht der anwesenden Ordnungskräfte oder der Veranstaltungsleitung eine unmittelbare Gefährdung oder ein klarer Verstoß gegen unsere Hausordnung erkennbar gewesen wäre.

Was hier im Nachhinein diskutiert wird, ist eine Interpretation von Bildsprache, Ästhetik und Textfragmenten, die außerhalb der konkreten Aufführungssituation vorgenommen wird. In einem laufenden Konzert auf dieser Grundlage einzugreifen, würde bedeuten, kulturelle Darstellungen in Echtzeit politisch zu bewerten und zu sanktionieren. Das ist weder praktikabel noch unsere Rolle als Veranstaltungsort.

Unsere Aufgabe ist es, klare Grenzen bei strafbaren Inhalten, bei menschenverachtenden Äußerungen und bei Störungen des Hausfriedens zu ziehen. Diese Grenzen wurden an diesem Abend nicht überschritten.

Dass einzelne Elemente im Nachgang unterschiedlich gelesen und bewertet werden, ist Teil einer gesellschaftlichen Debatte. Es war jedoch in diesem Moment kein Anlass, ein Konzert abzubrechen.
Im Übrigen kann sich jeder selbst ein Bild vom Videomaterial der Band machen, es ist öffentlich zugänglich und online einsehbar. Die als „Wehrmachts-Ästhetisierung“ wahrgenommene Sequenz bezieht sich auf ein Video zum Stück „Heart of France“, das inhaltlich Antoine de Saint-Exupéry gewidmet ist.

Historisches Erbe vs. Wirtschaftsbetrieb

Historisches Erbe: Der Felsenkeller ist ein Ort mit tiefen Wurzeln in der Arbeiterbewegung. Wie erklären Sie der Nachbarschaft in Plagwitz den Kontrast zwischen diesem Erbe und der Vermietung an Bands, die völkische und neurechte Ästhetik bedienen?

Ich glaube, man muss hier sehr aufpassen, Geschichte nicht museal zu betrachten. Ja, der Felsenkeller hat Wurzeln in der Arbeiterbewegung. Aber genau diese Wurzeln stehen für etwas, das bis heute aktuell ist: ein Ort zu sein, an dem unterschiedliche Menschen zusammenkommen können, an dem Kultur stattfindet und an dem gesellschaftliche Realität sichtbar wird, nicht nur das, was gerade als konsensfähig gilt.

Dieses historische Erbe war im Übrigen nicht einfach sichtbar vorhanden. Wir haben in den letzten Jahren selbst aktiv dazu beigetragen, es wieder freizulegen und erfahrbar zu machen, unter anderem durch den Aufbau einer Rosa-Luxemburg-Bibliothek im Haus und die Errichtung und Sichtbarmachung entsprechender Erinnerungsorte und Denkmäler. Der Felsenkeller ist also nicht nur Träger dieser Geschichte, sondern wir haben sie bewusst wieder ins Haus geholt.

Wenn man das historische Erbe ernst nimmt, dann heißt das für mich nicht, einen kulturellen Schutzraum für eine bestimmte Haltung zu schaffen, sondern einen Raum, in dem Vielfalt ausgehalten werden kann, solange klare Regeln gelten. Und diese Regeln sind bei uns sehr eindeutig: keine strafbaren Inhalte, keine diskriminierenden Handlungen, kein Raum für Hass oder Gewalt.

Die Frage, ob eine Band oder ein kulturelles Projekt ästhetische Bezüge hat, die unterschiedlich gelesen werden können, ist davon zunächst zu trennen. Kultur war immer ein Ort von Ambivalenz, Reibung und Auseinandersetzung. Gerade im Leipziger Westen, der sich stark verändert hat, sehe ich es als Aufgabe eines Hauses wie des Felsenkellers, nicht zu einem Ort der Gesinnungsprüfung zu werden, sondern zu einem Ort klarer Regeln im Umgang miteinander.

Und das ist für mich kein Widerspruch zur Geschichte dieses Hauses, sondern ihre zeitgemäße Fortsetzung.

Wirtschaftliche Abhängigkeit: Ist der Felsenkeller auf Mieteinnahmen aus dem politisch umstrittenen Spektrum angewiesen oder könnten Sie es sich leisten, darauf zu verzichten?

Die Frage setzt voraus, dass wirtschaftliche Interessen und inhaltliche Verantwortung Gegensätze seien. Das sehe ich nicht so. Der Felsenkeller ist wirtschaftlich breit aufgestellt, mit einem sehr vielfältigen Programm aus unterschiedlichsten kulturellen Formaten. Wir sind in keiner Weise auf ein bestimmtes „Spektrum“ angewiesen.

Entscheidend ist aber ein anderer Punkt: Wir arbeiten bewusst nicht mit politischen Gesinnungsklauseln, sondern mit klaren, überprüfbaren Kriterien. Was wir ausschließen, sind diskriminierende Inhalte, strafbare Symbole, Gewaltverherrlichung oder menschenverachtende Ideologien – und das unabhängig davon, ob diese von rechts, links oder aus anderen politischen Richtungen kommen. Eine Art „Antifa-Klausel“ wäre deshalb kein Ausdruck größerer Verantwortung, sondern ein Wechsel von überprüfbaren Regeln hin zu einer politischen Gesinnungsprüfung.

Und genau das halten wir für den falschen Weg. Unsere Verantwortung liegt nicht darin, politische Haltungen zu bewerten, sondern darin, konkrete Grenzen dort zu ziehen, wo Recht, Sicherheit und Würde von Menschen berührt werden. Und diese Grenzen ziehen wir sehr klar.

Die „rote Linie“: Gibt es eine politische Gruppierung oder eine Band, der Sie den Felsenkeller unter keinen Umständen vermieten würden? Wo liegt diese Grenze ganz präzise?

Ja, diese Grenze gibt es. Und sie ist sehr klar.

Wir vermieten den Felsenkeller nicht an Veranstaltungen oder Akteure, die offen menschenverachtende, rassistische, antisemitische oder gewaltverherrlichende Inhalte vertreten oder entsprechende Symbolik verwenden. Ebenso wenig an Gruppen, die aktiv verfassungsfeindliche Ziele verfolgen oder die Würde anderer Menschen infrage stellen. Diese Grenze orientiert sich nicht an politischen Etiketten, sondern an konkreten Inhalten und Handlungen. Denn genau darin liegt für uns der Unterschied zwischen einer politischen Gesinnungsprüfung und einer verantwortungsvollen Hausführung.

Wir bewerten nicht, wo sich jemand politisch verortet, sondern was konkret vertreten und gezeigt wird. Und an dieser Stelle ist die Linie für uns eindeutig.

Politische Verantwortung: Was bedeutet politische Verantwortung für einen Kulturort heute?

Politische Verantwortung bedeutet für mich nicht, politische Positionen zu vertreten, sondern Verantwortung für das konkrete Miteinander der Menschen zu übernehmen, die einen Ort besuchen.

Ein Kulturort ist kein Diskursraum im theoretischen Sinn, sondern ein realer Raum, in dem sehr unterschiedliche Menschen aufeinandertreffen. Politische Verantwortung zeigt sich deshalb nicht in Gesinnung, sondern in der Art, wie dieser Raum geschützt, moderiert und geführt wird.

Das heißt ganz konkret: klare Regeln, konsequente Durchsetzung dieser Regeln und eine Atmosphäre, in der Menschen sich sicher bewegen können, unabhängig davon, wie sie denken, aussehen oder leben.

Ich halte es für einen Fehler, politische Verantwortung mit politischer Selektion zu verwechseln. Unsere Aufgabe ist es nicht zu entscheiden, wer „richtig“ denkt, sondern dafür zu sorgen, dass sich niemand aufgrund von Diskriminierung, Einschüchterung oder Aggression unwohl fühlen muss.

Genau darin sehe ich die politische Verantwortung eines Kulturortes: nicht im Bewerten von Haltungen, sondern im konsequenten Schutz des respektvollen Miteinanders.

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Es gibt 2 Kommentare

Ich glaube nicht, daß es im Sinne des Autors, ist, den Felsenkeller künftig zu meiden. Daß der Autor durch seine teils vorwurfvolle Berichterstattung vor einigen Tagen nicht ganz passiv an den Ereignissen beteiligt ist, und der Pächter diesem dennoch etliche Fragen, ob nun mündlich oder schriftlich sei dahingestellt, beantwortet, ist doch kein schlechtes Zeichen.

Ist das ein Interview, oder ist es die Beantwortung schriftlich gestellter Fragen?

Sorry, aber ich konnte dieses Geschwurbel nicht zu Ende lesen. Ein weiterer Kommentar erübrigt sich angesichts dieser inhaltsleeren “Rechtfertigung”. Ich werde den Felsenkeller bestimmt nicht mehr aufsuchen.

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