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Die meisten Befragten konnten sich auch trotz Corona-Schutzmaßnahmen gut erholen und haben auch den Klimanotstand im Urlaub nicht vergessen

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    Haben Sie sich gut erholt? Trotz all der Ausnahmebedingungen in diesem Corona-Jahr? Die DAK meint zwar „Ein Fünftel der Urlauber in Corona-Zeiten schlecht erholt“. Aber der DAK-Urlaubsreport 2020 belegt tatsächlich, dass sich 81 Prozent derer, die Urlaub gemacht haben, auch gut erholt haben. Und der Rest hat nur zu einem kleinen Teil mit Corona zu tun.

    Fast ein Fünftel der Deutschen hat sich dieses Jahr weniger gut oder überhaupt nicht erholt, meint die DAK. Zwar konnte die Mehrheit der Deutschen ihren Urlaub auch in Pandemie-Zeiten genießen, doch der Anteil derjenigen, die nicht richtig ausspannen konnten, sei deutlich höher als im Vorjahr gewesen. Das zeige der Urlaubsreport 2020 der DAK-Gesundheit, eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Krankenkasse.

    Die nicht ganz so repräsentativ ist, wie sie ausschaut, auch wenn 1.000 Bundesbürger befragt wurden. Aber halt zwischen dem 22. Juli und dem 7. August 2020. Da waren die meisten Deutschen alle noch im Urlaub. Von einer abschließenden Urlaubsbilanz kann man also nicht sprechen.

    Das schränkt die Repräsentativität der Umfrage natürlich ein.

    Vor allem Menschen in Bayern und Nordrhein-Westfalen berichteten von mangelhafter Erholung, meint die DAK. Die Schulferien in Bayern aber gehen in diesem Jahr vom 27. Juli bis 7. September. Die meisten bayrischen Familien sind noch gar nicht wieder aus dem Urlaub zurück.

    In Nordrhein-Westfalen endeten die Sommerferien am 11. August. Da könnte das Ergebnis aussagekräftiger sein. Aber halt auch nur bedingt, wenn die Befragten vor dem 11. August kontaktiert wurden.

    Denn natürlich ist es erklärungsbedürftig, warum ausgerechnet das Coronavirus den Erholungseffekt des Urlaubs gesenkt haben sollte.

    Warum haben sich 19 Prozent der Befragten nicht erholt?

    Nach Einschätzung der DAK könnte das so aussehen:

    Laut DAK-Umfrage kamen 19 Prozent der Urlauber in den vergangenen Wochen weniger gut oder überhaupt nicht zu Kräften. Im Vorjahr waren es übrigens 13 Prozent. Was eben bedeutet, dass der Anteil derjenigen, die sich schlecht erholt fühlten, gegenüber dem Vorjahr nur um 6 Prozent gestiegen ist.

    Und von diesen 19 Prozent beklagten 44 Prozent gescheiterte Reisepläne wegen der Coronakrise.

    37 Prozent konnten sich aufgrund der Einschränkungen durch die Corona-Regeln am Urlaubsort nicht gut erholen.

    Nur die Unfähigkeit abzuschalten (46 Prozent), war für einen wenig erfrischenden Urlaub noch entscheidender als die Pandemie, so die DAK.

    Zudem hatte ein Fünftel der Befragten Stress mit der Familie oder mit Freunden.

    Und fast ebenso viele mussten im Urlaub über das Handy erreichbar sein und konnten sich deshalb nicht gut entspannen.

    Besonders schlecht erholten sich in diesem Jahr Urlauber aus Bayern und Nordrhein-Westfalen. In diesen Bundesländern kamen 23 beziehungsweise 22 Prozent weniger gut oder überhaupt nicht zur Ruhe. Zum Vergleich: In Baden-Württemberg waren es 16 Prozent.

    Wobei in Baden-Württemberg die Sommerferien erst am 12. September enden.

    Wobei viele Befrage nicht wirklich fertiggebracht haben, ihr Handy einfach auszulassen. Ganze 23 Prozent brachten es fertig, auf Handy und Internet zu verzichten, vier Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr. Was andererseits erklärlich ist. Denn dass es schnell zu Problemen mit steigenden Corona-Fallzahlen in Urlaubsgebieten kommen konnte, haben wir ja erlebt. Da ist man am besten rechtzeitig informiert.

    Und aus Corona-Sicht hat zum fehlenden Erholungseffekt auch beigetragen, dass viele Urlauber nicht an den geplanten Urlaubsort fahren konnten. Also sank der Erholungseffekt aufgrund fehlenden Ortswechsels von 62 auf 56 Prozent.

    Und wie wirkten die Corona-Schutzmaßnahmen wirklich?

    Trotzdem haben 93 Prozent der Befragten im Urlaub ganz bewusst auf Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen geachtet. Das relativiert die Berichterstattung über die deutschen „Hygienedemos“ deutlich. Da hat eine schrille Minderheit, wie es aussieht, die besten Sendeplätze in der nachrichtenarmen Zeit mit ihrem esoterischen Quatsch erobert.

    Was den befragten Urlaubern besonders wichtig ist. Grafik: DAK
    Was den befragten Urlaubern besonders wichtig ist. Grafik: DAK

    Gerade in Baden-Württemberg war die Gruppe derer, die nicht besonders auf Corona-Schutzregeln achteten, mit 13 Prozent (gar nicht überraschend) am größten. Danach folgten ostdeutsche Urlauber mit 10 Prozent, während in NRW nur 3 Prozent meinten, die Regeln nicht beachten zu sollen.

    Am Fahrlässigsten waren die 30- bis 44-Jährigen mit 12 Prozent, während es unter den anderen Alterskohorten nie mehr als 7 Prozent waren, die meinten, unachtsam sein zu dürfen. Ein ganz ähnliches Bild gab es übrigens beim Achten auf Klimaschutz und Nachhaltigkeit, die für 93 Prozent der Befragten auch im Urlaub wichtig sind. Was auch das ganze Mediengerede über das Verschwinden des Klimathemas aus der Wahrnehmung der Bundesbürger ad absurdum führt. Augenscheinlich herrscht in etlichen Redaktionen schon ein erstaunlicher Grad an Realitätsverlust.

    Was sagt uns der DAK-Urlaubsreport also wirklich?

    Die Corona-Ausnahmebedingungen haben einem kleinen Teil der Urlauber diesmal tatsächlich den Urlaub verhagelt. Die meisten der Befragten konnten sich trotzdem gut erholen und haben sich auch durch die hohe Aufmerksamkeit auf die Corona-Schutzmaßnahmen, Klima und Nachhaltigkeit nicht abhalten lassen, ihrer Gesundheit etwas Gutes zu tun. Und der Sommer hat das Klima-Thema überhaupt nicht aus der Wahrnehmung gedrängt. Außer wohl bei den armen Platzhaltern in den Redaktionen, die dann richtig froh waren, dass wenigstens ein paar wilde Esoteriker das „Sommerloch“ mit Quatsch-Demos füllten.

    Weitere Ergebnisse der Umfrage

    Für diejenigen, die sich trotz Corona gut oder sehr gut erholt haben (80 Prozent der Befragten) waren bestimmte Erholungsfaktoren wichtig: Acht von zehn konnten durch Sonne und Naturerlebnisse zu neuen Kräften kommen. Auch Zeit für sich selbst oder mit der Familie förderten die Erholung. Dies bestätigten jeweils etwa 70 Prozent der Befragten. Positiv wirkte sich für viele auch der Wegfall der Arbeitsbelastung aus (61 Prozent) sowie vergleichbar deutlich Bewegung und Sport. Ebenfalls erholungsfördernd war ein Ortswechsel. Diesen Erholungsfaktor nannten 56 Prozent der Befragten, deutlich weniger als im Vorjahr (62 Prozent).

    Laut DAK-Befragung erkrankten oder verletzten sich im Sommer 2020 vier Prozent der Urlauber, weniger als 2019 (7 Prozent). Die meisten Urlaubspatienten hatten einen Unfall oder Sturz. Unter einer Erkältung litt knapp ein Drittel der erkrankten Urlauber und von einem Magen-Darm-Infekt waren vier Prozent betroffen. Damit lagen die Infektionszahlen für diese Erkrankungen deutlich unter denen des Vorjahrs (39 beziehungsweise 19 Prozent) – möglicherweise ein positiver Effekt der geltenden Hygienemaßnahmen.

    Die Mehrheit der Deutschen nutzte die Ferien auch, um etwas für die Gesundheit zu tun. Sieben von zehn machten Sport und Fitnesstraining oder achteten auf viel Bewegung – deutlich mehr als im Vorjahr. 66 Prozent reduzierten gezielt Stress und über die Hälfte gönnte sich viel Schlaf. Es folgten: gesunde Ernährung (54 Prozent) und Wellnessanwendungen (11 Prozent). Nur fünf Prozent der Urlauber gaben an, nichts Spezielles für die Gesundheit getan zu haben.

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