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Register soll helfen: Wie gefährlich ist COVID-19 für Schwangere und Neugeborene?

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    Vor einem Jahr etablierte die Deutsche Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM) das CRONOS-Register, um Auswirkungen von COVID-19 für Schwangere und deren Neugeborene zu erfassen. Mittlerweile wurden von mehr als 2.000 Schwangeren in Deutschland Daten erhoben. Die gewonnenen Erkenntnisse ermöglichen wissenschaftliche Empfehlungen für die Betreuung der Schwangeren, die auf das deutsche Gesundheitssystem abgestimmt sind. Die Finanzierung des wichtigen Registers ist jedoch weiterhin ungeklärt.

    Mehr als 2.000 während der Schwangerschaft positiv auf SARS-CoV-2 getestete Frauen wurden in dem CRONOS-Register der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM) erfasst. Bereits sehr frühzeitig hat die DGPM erkannt, dass für wissenschaftlich fundierte Behandlungsempfehlungen zum Umgang mit einer SARS-CoV-2-Infektion Daten aus Deutschland eine wichtige Voraussetzung sind.

    Das wenige Monate vorher von Prof. Dr. Ulrich Pecks und Prof. Dr. Mario Rüdiger etablierte Forschungsnetzwerk der DGPM bildete die optimale Voraussetzung. Innerhalb kürzester Zeit wurden ehrenamtlich die Voraussetzungen für das Register geschaffen, in dem mittlerweile mehr als 150 Kliniken in Deutschland registriert sind. In diesen Kliniken kamen 2020 insgesamt 180.000 Kinder und damit über ein Viertel aller Neugeborenen in Deutschland zur Welt.

    „Wichtig war uns, dass wir als interdisziplinäre Fachgesellschaft nicht nur Daten der Schwangeren erfassen, sondern auch Aussagen zu den Auswirkungen auf das Neugeborene machen können“, erklärt dazu Prof. Dr. Pecks, Leiter der Geburtshilfe am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel. Mittlerweile sind 1.619 Neugeborene SARS-CoV-2-infizierter Schwangerer geboren.

    „Wir können die Frauen, die während der Schwangerschaft positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden, mittlerweile beruhigen; weniger als fünf von 100 Neugeborenen wurden nach der Geburt positiv auf SARS-CoV-2 getestet und nur sehr wenige sind ernsthaft erkrankt“, erklärt Prof. Dr. Rüdiger, Neugeborenenmediziner und Gründungsdirektor des Zentrums für feto-neonatale Gesundheit am Dresdner Universitätsklinikum.

    Schwangere selbst sind eher gefährdet

    Allerdings zeigen die Daten auch, dass eine Infektion in der Schwangerschaft mit schweren Verläufen von COVID-19 für die Betroffene einhergehen und somit eine Gefahr für die Schwangere darstellen kann.

    „Aktuelle Presse-Berichte aus der Uniklinik in Hamburg zu sehr schweren Verläufen haben uns veranlasst, das CRONOS-Register erneut zu bewerten. Wir finden in ganz Deutschland zurzeit einen Anstieg sehr schwerer Verläufe, bei der die schwangeren Frauen beatmet werden müssen“, muss Pecks feststellen. In absoluten Zahlen gesprochen sind dies zwar zum Glück wenige betroffene Patientinnen, jedoch im März und April 2021 mit elf  Fällen etwa doppelt so viele, wie in den Monaten davor.

    „Eine schlüssige Erklärung haben wir hierzu noch nicht, aber wir gehen der Sache nach“, so der Geburtshelfer weiter. Zudem wird eine erhöhte Rate an Frühgeburten beobachtet, die dann eine intensivere Beobachtung und gegebenenfalls Behandlung des Neugeborenen nach sich zieht.

    Impfungen während der Schwangerschaft sind sicher

    Daten internationaler Studien weisen nun darauf hin, dass die Impfung gegen COVID-19 während der Schwangerschaft sicher ist und die bei einer SARS-CoV-2-Infektion vermehrt auftretenden Risiken für Mutter und Kind verhindern kann. Daher hat die DGPM, gemeinsam mit anderen Fachgesellschaften, eine Empfehlung für eine Impfung während der Schwangerschaft ausgesprochen. „Diese schützt nicht nur die Schwangere. Auch bei dem Neugeborenen sind nach einer Impfung der Schwangeren die schützenden Antikörper nachweisbar“, erklärt Rüdiger.

    Aktuell wird das Register um zusätzliche Komponenten erweitert, damit sowohl die psychischen Auswirkungen von COVID-19 beurteilt werden können, aber auch Daten zur Auswirkung der Impfung während der Schwangerschaft und zu den langfristigen Konsequenzen einer COVID-19-Infektion verfügbar sind. Wenngleich das CRONOS-Register flächendeckende Daten für Deutschland liefert, die von großer Bedeutung für die Betreuung von Schwangeren und deren Neugeborenen sind, fand sich bisher keine Möglichkeit einer hinreichenden Finanzierung dieser wichtigen Infrastruktur.

    „Der enorme Erkenntnisgewinn, von dem die Versorgung Schwangerer in Deutschland enorm profitiert, ist einzig dem ehrenamtlichen Engagement der Beteiligten zu verdanken. Eigentlich ist es eine Blamage, dass unsere Förderanträge immer wieder abgelehnt wurden und wir auf den ehrenamtlichen Einsatz der vielen Beteiligten angewiesen sind“, erklären Prof. Pecks und Prof. Rüdiger übereinstimmend.

    „Im Kampf gegen die Corona-Pandemie war und ist schnelles Handeln auf der Basis solider wissenschaftlicher Daten gefragt. Das von Professor Mario Rüdiger und seinen Kollegen ins Leben gerufene Chronos-Register liefert exakt diese für eine ganz besonders vulnerable Bevölkerungsgruppe, für Schwangere und Neugeborene. Dass es so schnell gelungen ist, belastbares Datenmaterial auszuwerten, spricht für die Sensibilität der Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden, aktuelle Themen aufzuspüren und entsprechend zu besetzen“, sagt der Dekan der Medizinischen Fakultät, Professor Heinz Reichmann.

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