Krisen belasten die Seele. Und das natürlich besonders in einer Arbeitswelt, in der Stress sowieso schon den Alltag prägt. Eine Arbeitswelt, in der eigentlich kein Platz ist für zusätzliche Krisen, wie es die Corona-Pandemie ist. Doch die Beschäftigten haben, wenn der psychische Druck zu hoch wird, praktisch nur noch die Möglichkeit, sich krankschreiben zu lassen.

Das Ergebnis für 2021, so die DAK: Der Arbeitsausfall wegen psychischer Erkrankungen ist in Sachsen weiterhin hoch. Beschäftigte hatten 2021 im Freistaat statistisch 2,7 Fehltage pro Kopf – knapp neun Prozent mehr als vor der Pandemie. Unter den psychischen Einzeldiagnosen gab es den größten Anstieg bei Angststörungen (plus 56 Prozent).

Das zeigt der aktuelle Psychreport der DAK-Gesundheit mit einer Datenauswertung des IGES Instituts für rund 55.000 DAK-versicherte Beschäftigte in Sachsen. Danach hatten Frauen im vergangenen Jahr fast doppelt so viele seelisch bedingte Fehltage als Männer. Ein solcher Krankschreibungsfall dauerte im Schnitt knapp 34 Tage – 2019 waren es noch rund 29 Tage.

Steigender psychischer Druck seit Jahren

Von 2011 bis 2021 nahm die Zahl der Psych-Fehltage um insgesamt 47 Prozent zu. Im Vergleich aller Krankheitsgruppen ist das der größte Anstieg. Im Arbeitsunfähigkeitsgeschehen der vergangenen Jahre gibt es keine gravierendere Entwicklung.

„Unser Report zeigt, dass viele Menschen mit psychischen Erkrankungen besonders unter den anhaltenden Belastungen der Pandemie leiden“, sagt Christine Enenkel, Leiterin der Landesvertretung der DAK-Gesundheit in Sachsen. „Die Betroffenen finden aktuell auch schwerer wieder in ihren Berufsalltag zurück.“

Das habe viel mit den besonderen Arbeitsbedingungen unter Corona zu tun, aber auch mit Stigmatisierung. Die Menschen würden in der Familie und der Arztpraxis mittlerweile offener über Depressionen oder Ängste sprechen. „Aber in der Arbeitswelt müssen wir noch mehr tun, damit psychische Probleme nicht tabuisiert werden“, betont Enenkel.

Mehr Fehlzeiten durch Ängste

Die mit Abstand meisten psychischen Fehltage verursachen in Sachsen Depressionen (34 Prozent Anteil an allen Psych-Fehltagen). An zweiter Stelle folgen mit 29 Prozent die sogenannten Anpassungsstörungen. Deutlich zugenommen haben während der Pandemie die Fehlzeiten wegen Angststörungen. Sie verursachten 2021 in Sachsen 25 Ausfalltage je 100 Versicherte – 56 Prozent mehr als im Jahr 2019.

„Angst ist eigentlich eine natürliche körperliche Reaktion auf bedrohliche, ungewisse oder unkontrollierbare Situationen. Doch dieser biologische Mechanismus kann aus den Fugen geraten und irgendwann zur Krankheit werden“, erklärt Enenkel.

Frauen haben seit Jahren deutlich mehr Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen als Männer. 2021 waren es in Sachsen statistisch 3,6 Fehltage pro Kopf und somit fast doppelt so viele wie bei männlichen Erwerbstätigen (1,9 Tage).

Deutliche Unterschiede zwischen den Branchen

Der Psychreport Sachsen zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Branchen. Die meisten Fehltage mit einer psychischen Diagnose fielen 2021 in den Bereichen Logistik (3,3 Tage pro Kopf), Öffentliche Verwaltung (3,2 Tage pro Kopf) sowie Finanzen und Gesundheit (jeweils 3,1 Tage pro Kopf) an. In der Land- Forst- Energie- und Abfallwirtschaft waren es lediglich 1,2 Tage und im Baugewerbe 1,5 Tage.

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