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Berge von Päckchen ... Foto: Ralf Julke

Folge der Pandemie: 2021 gab es mehr Arbeitsausfall durch Ängste in Sachsen

Krisen belasten die Seele. Und das natürlich besonders in einer Arbeitswelt, in der Stress sowieso schon den Alltag prägt. Eine Arbeitswelt, in der eigentlich kein Platz ist für zusätzliche Krisen, wie es die Corona-Pandemie ist. Doch die Beschäftigten haben, wenn der psychische Druck zu hoch wird, praktisch nur noch die Möglichkeit, sich krankschreiben zu lassen. […]

Der Postbote bringt jeden Tag Berge von Päckchen. Foto: Ralf Julke

Sachsen: Überlastung lässt Ausfalltage wegen Psyche in Gesundheitswesen und Logistikbranche im Corona-Jahr steigen

Sachsen ist seit gut drei Jahrzehnten Experimentierfeld für alle möglichen prekären Beschäftigungsmodelle. Dazu gehören nicht nur befristete Verträge, Zeitarbeit und Minijobs. Dazu gehören auch alle auf Effizienz getrimmten Jobs, bei denen die Beschäftigten mit Kameras und Zeituhr kontrolliert werden oder von vornherein ein Arbeitspensum bekommen, das in der Regelarbeitszeit nicht geleistet werden kann. Das lässt sich auch in der Krankenstatistik ablesen.

Zunahme der psychischen Erkrankungen seit 2000. Grafik: DAK

Deutsche Arbeitsmarktreformen mit Folgen: Zahl der Fehltage wegen psychischer Erkrankungen seit 2000 um 137 Prozent gestiegen

Wenn eine Wirtschaft irreläuft, dann merken es nicht nur Tiere und Pflanzen, kippt das Klima und die Wüsten wachsen. Dann geraten auch immer mehr Menschen in seelische Nöte, die Arbeit macht sie krank. Und es verwundert nicht, dass seit der Entfesselung der neoliberalen Vorstellungen von Arbeits-Effizienz immer mehr Menschen wegen psychischer Erkrankungen zum Arzt gehen müssen.

Die Auswirkungen des Homeschoolings auf die Eltern. Grafik: DAK

Die Schulschließungen wegen Corona haben Mütter besonders belastet

Zuletzt merkten ja auch endlich die Regierenden, dass nicht die Wirtschaft am meisten gelitten hat unter dem Shutdown. Der größte Teil der Last wurde auf Familien mit Kindern abgeladen. Eltern waren auf einmal zum Zuhausebleiben verdonnert, weil Kindertagesstätten und Schulen schlossen. Und das oft in Wohnungen, in denen überhaupt kein Platz für Homeoffice und Homeschooling war. Die psychischen Folgen waren dramatisch, wie die DAK jetzt feststellt.

Lieblingsdroge: Süßigkeiten. Foto: Ralf Julke

Wie überforderte Eltern ihre Kinder fürs Leben krank machen

Die Gesundheitskasse DAK bringt es mit den Worten auf den Punkt: „Wenn das Elternhaus krank macht“. Denn bei aller Liebe – viele lebenslange Probleme und Erkrankungen werden in frühester Kindheit angelegt. Meist weil es Eltern nicht besser wissen. Oder weil sie völlig überfordert sind und die (falschen) Hilfsangebote unserer modernen Konsumwelt nur zu gern annehmen, um das Kind zu beruhigen.

Immer mehr Krankschreibungen wegen Rückenschmerzen. Grafik: DAK

Mehr als 1,4 Millionen Sachsen haben Rückenschmerzen und das Problem nimmt zu

Es sind nicht nur Feier- und Brückentage, die in Sachsen schnell mal 2 Millionen Arbeitstage ausfallen lassen. Auch Arbeit sorgt dafür, dass es zu Ausfällen kommt. Nämlich dann, wenn die Malocher mit ihrem Körper Probleme kriegen. Und das müssen nicht nur die am Band sein oder die Packer am Flughafen. Immer mehr Sachsen haben Probleme mit ihrem Rücken. Die DAK rechnet jetzt mal vor, was das an Arbeitstagen kostet.

Trost-Taschentücher. Foto: Ralf Julke

Viel zu viele Erwachsene greifen unkritisch zu Antibiotika

Es war zwar nicht die jüngste Grippe-Welle, mit der sich die DAK in ihrer jüngsten Umfrage beschäftigte. Aber der Krankenkasse ging es eher um das generelle Verhalten der Versicherten, wenn sie erkranken. Und da zeigt sich eine der Schattenseiten des modernen Leistungsdrucks: Die Deutschen greifen viel zu schnell zu Antibiotika. Sogar dann, wenn ihnen das überhaupt nichts hilft.

Zumindest hat man dann Zeit, die Mondsichel zu betrachten ... Foto: Ralf Julke

Für Schlafstörungen ist nicht nur eine stressige Arbeitswelt verantwortlich

Unsere Art zu leben und zu arbeiten ist nicht gesund. Was Leipziger Forscher jüngst erst feststellten, bestätigen auch die Daten der DAK. Die macht öfter mal solche Erhebungen zum Stress, zu psychischen Störungen oder eben schlechtem Schlaf bei den Versicherten. Und in Sachsen sieht alles nach einer sehr ungesunden Lebenswelt aus.

In der Nacht vom 29. zum 30. Oktober werden die Uhren wieder umgestellt. Foto: Ralf Julke

Wegen Zeitumstellung: Rund drei Millionen Deutsche schlucken Schlafmittel

Viele Menschen in Deutschland schlucken Schlafmittel, um besser mit der Zeitumstellung klarzukommen. Das zeigt eine aktuelle Forsa-Befragung* im Auftrag der DAK-Gesundheit. Vier Prozent der Befragten gaben an, deshalb schon einmal Schlafmittel eingenommen zu haben. Hochgerechnet sind das rund drei Millionen Menschen in Deutschland. Weiteres Ergebnis: Mehr als jeder Vierte (27 Prozent) hatte bereits gesundheitliche Probleme wegen der Zeitumstellung. Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Ein- und Durchschlafstörungen stehen ganz oben bei den Beschwerden. 74 Prozent der Deutschen würden die Zeitumstellung gern abschaffen. Die Uhren werden am 26. März um 2 Uhr früh um eine Stunde auf die Sommerzeit vorgestellt.

Abendliche Georg-Schumann-Straße. Foto: Ralf Julke

80 Prozent der Erwerbstätigen schlafen schlecht, jeder Zehnte leidet

Auch das ist ein Gruß aus der schönen neuen neoliberalen Arbeitswelt, einer direkt ins Bett: Immer mehr Erwerbstätige leiden unter Schlafstörungen. Der Job verfolgt sie bis ins Bett, lässt sie nicht los. Das Arbeiten bis ans psychische Limit sorgt dafür, dass auch der Schlaf keine Erholung mehr bietet. Und die Schlafstörungen nehmen zu, meldet die DAK.

Trübe Stimmung in Gohlis. Foto: Ralf Julke

Besonders Frauen leiden in Sachsen unter der steigenden psychischen Belastung im Job

Wenn Wirtschaftspolitik den Menschen zum reinen Kostenfaktor degradiert, dann entsteht eine Arbeitswelt, die Menschen kaputt macht. Nicht mehr so körperlich kaputt, wie das vor 100 Jahren die Norm war. Dafür leidet heute die Seele, weil Stress, Dauerbereitschaft und permanenter Leistungsdruck die aufs Effektive getrimmte Arbeitswelt dominieren. Die DAK meldet eigentlich Alarm.

Wie festgetackert: Die Hitliste der guten Vorsätze. Grafik: DAK

Lauter gute Vorsätze, an die sich keiner hält

Alle Jahre wieder gibt es Umfragen. Alle möglichen Leute werden zu allem Möglichen gefragt, meist nach guten Vorsätzen. Das ist irgendwie Tradition, weil irgendwann mal ein Redakteur, dem nichts einfiel, die leere Neujahrsspalte mit blumigen Worten zu all dem füllte, was man sich im neuen Jahr so alles vornehmen könnte. Dabei hält sich niemand dran. Es ist einfach zu schwer.

Sind wirklich die ganzen Knabbereien dran Schuld? Foto: Matthias Weidemann

DAK-Studie zeigt, wie die Stigmatisierung von Fettleibigen in einer wettbewerbsbesessenen Gesellschaft wirkt

Für Leipziger ist das Thema nicht ganz neu. Das hier ansässige IFB AdipositasErkrankungen beschäftigt sich mit dem Thema des krankhaften Übergewichts und seiner Folgen genauso wie die groß angelegte LIFE-Studie. Massives Übergewicht kann krankhafte Ursachen haben. Aber es kollidiert auch mit von Werbung geprägten Schönheitsidealen einer Gesellschaft, die sich über sich selbst nach Strich und Faden belügt.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen von Männern und Frauen in Sachsen im Vergleich. Grafik: DAK

Männer gehen seltener zum Arzt und leiden häufiger unter Kreislauferkrankungen

Macht das moderne Arbeitsleben krank? Macht es insbesondere im Osten die Arbeitenden kränker als im Westen? Auf so einen Gedanken könnte man kommen, wenn man die jüngste Auswertung der DAK zum Krankenstand in Sachsen liest: Der Krankenstand in Sachsen erreichte im vergangenen Jahr mit 4,6 Prozent den höchsten Wert seit 16 Jahren.

Vom Computerspiel völlig gebannt. Foto: DAK-Gesundheit/iStock

Eine neue Studie beschäftigt sich mit Folgen intensiver Computernutzung bei Jugendlichen

Wer ein wenig nachdenkt über das, was aus dem Internet in den letzten Jahren geworden ist, dem wird schon angst und bange. Nicht nur Eltern haben ihre Sorgen mit Kindern und Jugendlichen, die auf die Angebote im Netz geradezu süchtig reagieren. Ob es schon eine Sucht ist, ist oft nicht zu unterscheiden. Aber wenn Angebote genau so gestaltet sind, dass sie Jugendliche über Stunden und Tage okkupieren, ist der Verdacht nicht weit.

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