Es war ein sehr aktuelles Thema, das die Grünen-Fraktion mit ihrem Antrag „Einführung einer klimasensiblen Gesundheitsberatung in Leipzig nach bayerischem Vorbild“ angesprochen hat: Sie ackern sich durch alle derzeit schon spürbaren Folgen, die der Klimawandel in Deutschland und Leipzig bereits hat. Und dazu gehören nun einmal auch die gesundheitlichen Folgen. Besonders alte und kranke Menschen leiden unter den zunehmenden Hitzetagen.
Und das bedeutet auch für die niedergelassenen Ärzte, dass auch zunehmend mehr Beratungsbedarf zu klimabedingten Gesundheitsfolgen besteht. Aber ist das überhaupt ein Thema für die Stadt?
Für die betroffenen Leipziger natürlich. „Gesundheitsfolgen der Klimakrise sind jetzt spürbar, Leipzig verzeichnet zunehmend hitzebedingte Erkrankungen, Allergien durch verlängerte Pollensaisons und psychische Belastungen“, listete die Grünen-Fraktion in ihrem Antrag auf. Grünen-Stadträtin Chantal Schneiß, die am 29. April in der Ratsversammlung zum Antrag sprach, erwähnte auch die vom Robert-Koch-Institut (RKI) ermittelten 2.600 durch Hitze bedingten Todesfälle in Deutschland 2025.
Das Problem, so die Grünen: „Eine präventive Beratung in Arztpraxen kann Risikogruppen (Senior*innen, Schwangere, Kinder, Vorerkrankte) gezielt schützen, doch fehlt es an strukturierten Angeboten. Bayern zeigt, dass es auch anders geht. Das bayerische Pilotprojekt beweist, dass klimasensible Beratung praktikabel und finanzierbar ist. Leipzig könnte damit gezielt eine Vorreiterrolle in Sachsen einnehmen.
Als wachsende Stadt mit hoher Hitzebelastung und starker Gesundheitsbranche hat Leipzig ideale Voraussetzungen, das Projekt sachsenweit voranzutreiben. Es wäre ein Win-win für Gesundheit und Klimaschutz. Die Beratung sensibilisiert Patient*innen für klimafreundliches Verhalten (z. B. Ernährung, Mobilität) und entlastet gleichzeitig das Gesundheitssystem durch Prävention. Langfristig kann das Projekt in die Regelversorgung überführt werden, es wäre ein Leuchtturmprojekt für Leipzigs Gesundheits- und Klimapolitik.“
Zuständig sind Krankenkassen und Ärztekammer
Nur kann das kein städtisches Projekt sein, erklärte das Gesundheitsamt in seiner Stellungnahme zum Grünen-Antrag: „Die im Antrag Nr. VIII-A-02058 vorgeschlagene Einführung eines Pilotprojektes zur klimasensiblen Gesundheitsberatung bzw. die Prüfung deren Machbarkeit fällt in den Bereich der ambulanten ärztlichen Versorgung und Abrechnung.
Die Zuständigkeit dafür liegt ausschließlich bei den Akteuren der ärztlichen Selbstverwaltung. Dabei handelt es sich um die KV Sachsen, die SLÄK sowie die Krankenkassen. Insbesondere vor diesem Hintergrund kann die Stadtverwaltung keinen unmittelbaren Einfluss nehmen und den Antrag nicht ohne Weiteres umsetzen.
Zum Themenkomplex Klimawandel und Gesundheit existieren bereits Curricula der Bundesärztekammer und verschiedener Landesärztekammern. Nach Auffassung der Stadtverwaltung wäre hauptsächlich die Frage zu klären, wie Ärztinnen und Ärzte vergütet werden, die klimasensible Gesundheitsberatungen durchführen. Auch diese Frage kann nur durch die Akteure der ärztlichen Selbstverwaltung selbst geklärt werden.“
Leipzig wolle so ein Projekt trotzdem befürworten, wenn es in Sachsen spruchreif wird: „Dennoch soll der Antrag zum Anlass genommen werden, KV Sachsen, SLÄK und Krankenkassen auf die Notwendigkeit eines solchen Angebotes hinzuweisen. Vorausgesetzt, dass das bayerische Pilotprojekt und die anschließende Evaluation positive Ergebnisse erzielen, wird sich die Stadtverwaltung für eine Einführung in Leipzig bzw. Sachsen einsetzen. Das bayerische Pilotprojekt und dessen Evaluationsergebnisse wären geeignet, Schlussfolgerungen für Leipzig bzw. Sachsen zu ermöglichen.“
Warten auf Bayern?
Das Problem geht natürlich noch weiter, wie Chantal Schneiß anmerkte: Wie gehen Menschen mit der Hitze in überhitzten Dachgeschosswohnungen um? Wie werden Medikamente richtig gelagert? Welche Risikogruppen müssen an heißen Tagen besonders darauf achten, ob ihre Medikamente bei diesen Temperaturen überhaupt noch wirken? Diabetiker sind so ein Fall. Und natürlich werden auch die niedergelassenen Ärzte immer öfter mit diesen Problemen zu tun bekommen.
Leipzigs Verwaltung will aber noch warten, was das bayerische Projekt ergibt: „Sobald das bayerische Pilotprojekt abgeschlossen ist und die Evaluationsergebnisse vorliegen, ist der Beschlussvorschlag umzusetzen.“
Und der Vorschlag lautete: „Der Oberbürgermeister wird beauftragt, sich gegenüber den zuständigen Akteuren der ärztlichen Selbstverwaltung (Kassenärztliche Vereinigung Sachsen, Sächsische Landesärztekammer sowie Krankenkassen) dafür einzusetzen, ein Angebot zur klimasensiblen Gesundheitsberatung in Leipzig bzw. in Sachsen einzuführen, das sich an den positiven Evaluationsergebnissen des bayerischen Pilotprojektes orientiert.“
Zusammen eigentlich ein seltsamer Vorschlag, denn das könnte OBM Burkhard Jung auch jetzt schon tun. Eigentlich sogar noch vor dem Sommer. Und dann dem Stadtrat einen Bericht vorlegen, welche ärztlichen Beratungsangebote zur Klimasensibilität es in Sachsen schon gibt. Dann könnte man das alles zusammensammeln und mit auf die schon existierende Website der Stadt „Gesundheitstipps für heiße Tage“ packen.
Chantal Schneiß jedenfalls stellte den Verwaltungsstandpunkt zur Abstimmung. Da hätte man bei so viel Zurückhaltung eigentlich erwartet, dass die komplette Ratsversammlung zustimmt. Doch mit einer Zustimmung von 35:24 Stimmen wurde einmal mehr deutlich, dass einige Fraktionen die Brisanz des Themas noch nicht wirklich verstanden haben.
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