Menschen, die in Alten- und Pflegeheimen wohnen, Patientinnen und Patienten in Krankenhäusern und Teilnehmerinnen und Teilnehmer an ambulanten und stationären Reha-Maßnahmen gehören zu großen Teilen zu den vulnerablen Gruppen. Es ist schwierig, aufgrund der Betreibervielzahl allgemeine Aussagen über die Hitzeschutzmaßnahmen in den Einrichtungen zu treffen. Also haben wir mehrere Betreiber und Einrichtungen angefragt.

Die meisten Angefragten haben geantwortet und haben das Problem auf dem Schirm. Die Maßnahmen sind vielfältig. Oft gibt es Probleme, besonders durch bauliche Voraussetzungen, die nicht so schnell zu lösen sind.
An dieser Stelle muss darauf hingewiesen werden, dass natürlich auch das pflegerische Personal der Einrichtungen unter der Hitze leidet und sich die Schutzmaßnahmen auch auf diese Menschen beziehen müssen. Das wird auch aus allen Antworten deutlich.

Alle Einrichtungen, die geantwortet haben, sehen die Versorgung mit Getränken, besonders die Gabe dieser an stark eingeschränkte Personen, als wichtig an. Deshalb wird dies in den einzelnen Antworten nicht nochmals erwähnt.

Wir können hier nicht alle Antworten vollständig wiedergeben, es ist nur eine Zusammenfassung möglich.

Alten- und Pflegeheime

Der Dachverband der Betriebskrankenkassen (BKK), der AWO Bundesverband und die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) fördern ein Konzept, das Pflegebedürftige und die Beschäftigten in stationären Pflegeeinrichtungen künftig besser vor den gesundheitsschädlichen Folgen von Hitzewellen schützen soll. Bei einem Gespräch mit dem Leiter einer Einrichtung wurden Maßnahmen wie verbesserte Lüftung der Räume, Verschattung durch Sonnenschutzrollos, Kühldecken und -manschetten und kühle Gemeinschaftsräume vorgestellt. Wir werden beobachten, wie das gemeinsame Hitzeschutzprojekt gestaltet wird.

Der Tenor der Städtischen Altenpflegeheime Leipzig gGmbH (SHA), welche bereits einen unternehmenseigenen Hitzeschutzplan hat, liegt ebenfalls auf der Verhinderung der Überhitzung der Patienten- und Gemeinschaftsräume. Hier wird auch auf die Mobilisierung der Pflegebedürftigen hingewiesen, z.B. sollen diese weitgehend animiert werden, ihre Kleidung entsprechend der Temperaturen zu wählen. Pflegebedürftige mit starken Einschränkungen und unsicheren Gesundheitssituationen erhalten entsprechende Unterstützung.

Beide, also AWO und SHA, weisen auch auf die Bedeutung einer der Hitze angepassten Ernährung hin, die in den Einrichtungen gereicht wird.

Die Nachrüstung mit Klimaanlagen für Patientenzimmer wird von beiden Trägern nicht erwähnt, in Gesprächen wurde auf gesundheitliche Gefahren, besonders für dauerhaft bettlägerige Pflegebedürftige, verwiesen.

Krankenhäuser

Wir haben das Klinikum St. Georg und das Krankenhaus St. Elisabeth angefragt und von beiden Antwort bekommen.

Das städtische Klinikum St. Georg hat einen großen Bestand von denkmalgeschützten, teils kleineren, Gebäuden und mit Haus 20, mit seinen großen verglasten Flächen, eine jüngere bauliche Altlast, die schwer kühl zu halten ist.

Ein Zitat dazu aus der Antwort des Klinikums: „Aufgrund unserer über 800-jähriger denkmalgeschützter Gebäude, ist eine entsprechende bauliche Veränderung (z. B. mit Klimaanlagen) mitunter nur schwer umzusetzen, dennoch haben wir natürlich auch schon Sonnenschutz-Systeme z. B. in Form von Außenjalousien installiert. Wir merken aber auch, dass die bestehende Gebäudestruktur nur unzureichend den neuen klimatischen Veränderungen anzupassen ist. Umso wichtiger ist es, dass wir die mit dem neuen internistischen Zentralbau das Klinikum für die Zukunft ausrichten. Alle zukünftigen Baumaßnahmen werden mit verschiedenen Maßnahmen (z. B. Sonnenschutz- bzw. Verschattungssysteme, weniger Fenster/Glasflächen; Kühlsysteme) an die klimatischen Gegebenheiten angepasst. Gläserne Fassaden, wie sie vor 20 Jahren im Trend lagen, wird es zukünftig nicht mehr geben. Ziel ist es, die Hitze zukünftig gar nicht erst in die Gebäude zu lassen.“

Das Krankenhaus St. Elisabeth hat eine günstigere Baustruktur und es wurden in den letzten Jahren bereits Hitzeschutzmaßnahmen getroffen. Für das Krankenhaus St. Elisabeth gibt es ein umfassendes Konzept für den Klimaschutz, aus diesem haben wir die angefragten Punkte herausgezogen.

Dachbegrünung und Außenjalousien sind ein Teil der Maßnahmen, weiterhin sind die meisten Patientenbereiche durch effektivste, kombinierte Kühl- und Heiz-Zimmerdecken ausgestattet. Die Zimmerdecken sind so konstruiert, dass sie sowohl heizen als auch kühlen können und die warme oder kalte Luft sich auf diese Weise optimal im Raum verteilen kann.

Rehabilitationseinrichtungen

Wir haben eine Antwort von der Median-Gruppe erhalten, diese beinhaltet Ausführungen zum Hitzeschutz bei den therapeutischen Reha-Maßnahmen, allerdings nicht zu der ebenfalls angefragten Unterbringung der Rehabilitanden bei stationären Maßnahmen. Für Leipzig, wo die Median-Gruppe ein Ambulantes Gesundheitszentrum betreibt, mag das ausreichend erscheinen, aber viele Leipzigerinnen und Leipziger nehmen an stationären Rehabilitationsmaßnahmen, z.B. in der Median-Klinik Bad Lausick teil. Dazu später.

„Für die therapeutischen Maßnahmen wird die frühzeitige Information der Patientinnen und Patienten, sowie Aufklärung und Sensibilisierung derselben für das Verhalten bei Hitze ausgeführt. Weiterhin wird die [kostenfreie T.K.] Versorgung mit Wasser und gekühltem Tee für Patienten und Patientinnen sowie die [kostenpflichtige T.K.] Versorgung mit Erfrischungen wie Eiskaffee, Eistee, kalte Speisen wie Suppen oder Kaltschalen und Eis in den Cafeterien benannt.

Die Outdoor-Aktivitäten werden in die frühen Morgenstunden, bzw. in schattige und kühle Gebiete verlegt.

Stoßlüftungen in den frühen Morgenstunden sollen für eine angenehme Raumtemperatur sorgen. Lamellen oder Hitzeschutzfolien an den Fenstern der Therapieräume auf der Sonnenseite sowie die konsequente Nutzung vorhandener Außenjalousien helfen, die Wärmeentwicklung in Innenräumen durch direkte Sonneneinstrahlung zu reduzieren. In Räumen, in denen hohe Temperaturen auftreten können, kommen Ventilatoren und in einigen Fällen auch Klimaanlagen zum Einsatz, um eine angenehme Umgebung zu schaffen. Außerdem wird die natürliche Kühlung von Therapieräumen in den Keller- und Gartengeschossen genutzt.“

So weit, so richtig. Aus der Erfahrung des Autors sind aber die Wohnräume für Patientinnen und Patienten bei stationärem Aufenthalt, zumindest in der Median-Klinik Bad Lausick, problematisch.

Das Gebäude wurde Anfang der 1990er Jahre gebaut und 1993 in Betrieb genommen und entspricht dem damaligen Standard. Die Patientenzimmer haben nach außen eine große Glasfläche, eine Tür zum umlaufenden Balkon und über dieser Tür ein kleines Kippfenster. Dieses Kippfenster ist im Sommer die einzige Möglichkeit der Dauerlüftung. Die Tür kann zwar nachts geöffnet bleiben, doch durch den umlaufenden Balkon, der als Fluchtweg dient, ist das Zimmer dann von außen zugänglich. Das schreckt viele Patientinnen und Patienten davon ab. Tagsüber ist das Offenhalten der Tür ebenfalls keine Lösung. Es gibt zum Sonnenschutz nur einen einfachen Vorhang, keinen wirklichen Sonnenschutz.

Hier sind Verbesserungen nötig. Dass diese kostenintensiv und nicht schnell in Gänze durchführbar sind, ist dem Autor bewusst.

Fazit: Alten- und Pflegeheime, Krankenhäuser und Rehabilitationseinrichtungen sind sich des Problems der Hitzebelastung bewusst, haben bereits Maßnahmen getroffen und planen zum Teil weitere Maßnahmen.
Ob diese Maßnahmen bei einer in den nächsten Jahren zu erwartenden, weiteren Zunahme von Hitzetagen ausreichend sind, können wir nicht einschätzen.

Für viele Maßnahmen fehlen, wie immer, finanzielle Mittel. Dies geht auch aus der Meldung der Tagesschau vom 24. August 2023 „Pflegeheimen fehlt Geld für Hitzeschutz“, zumindest für die Pflegeheime, hervor.

Der Schutz der vulnerablen Gruppen ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Hier sind Bund, Länder, Gemeinden und selbstverständlich die privaten Betreiber gefragt.

Der Beitrag entstand im Rahmen der Workshopreihe „Bürgerjournalismus als Sächsische Beteiligungsoption“ – gefördert durch die FRL Bürgerbeteiligung des Freistaates Sachsen.

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