Es reizt geradezu, über einen Gonzo-Roman auch eine Gonzo-Rezension zu schreiben. Da schreit der innere Gonzo geradezu: Tu’s! Hau’s so raus! Die anderen machen das doch auch nicht anders! Die lesen bestenfalls den Waschzettel. Das ist das Zeug, was hinten auf dem Umschlag steht, kopieren den Namen des Autors aus Wikipedia und verteilen dann Schulnoten: Prima. Miserabel. Unlesbar. Setzen. Prost.

Ist das nun gelogen? Geschwindelt? Nicht die Bohne. Fast jeder Verlagschef, mit dem unsereins mal redet in der Kneipe, bestätigt das: Es ist so. Die meisten Schönedelfedern, die so tun, als würden sie Bücher besprechen, machen es so. Bierchen dazu. Oder Pulle Wodka. Kommt auf die Hauskultur beim druckenden Journal an. Irgendwas Hochgeistiges ausdenken zum Hochgeistigen – irgendwas von Joyce daherreden, Becket-Stil finden, vielleicht auch noch bisschen Tolkien. Da kommt doch Mordor irgendwie vor. Das ist der finstere Kerl in Szene 7, der Harry Potter auf dem Bahnsteig begegnet und bei dem Harry erstmal nicht weiß, wohin er dieses eiskalte Gefühl stecken soll. Gänsehaut. Echt Klasse. Reif für den Pulitzer.

Ansonsten: Prost. Passt die Textlänge? Raus damit: Musste lesen. Erträglich mit einer Flasche Wodka oder zwei Flaschen Potenzverstärker aus der Apotheke.

Ansonsten sehr modern. Autor schreibt so kryptisch, dass der Büchner-Preis sicher ist. Ansonsten verweisen wir sie auf unseren eigenen Büchershop, wo wir Ihnen als Lesetipp heute „Konfitüren selbst gemacht“ anbieten. Zum halben Preis. Na sdarowje.

Wenn Sie jetzt die richtige Rezension lesen möchten, müssen Sie sich noch ein bisschen gedulden. Unsere unbezahlte Redaktionsaushilfe sitzt noch dran.

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