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Leserbrief zu Leipzigs Verwaltung soll überlegen, wie sie eine menschenwürdige Pfandsammlung möglich macht

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    Von Matthias Ladusch: Der Artikel zum Umgang mit Pfandflaschen hat mich interessiert, wobei ich mir über den ethischen Aspekt bei der Beobachtung von Pfandsammlern immer noch unschlüssig bin. Rechtfertigt Not eine solche Herabsetzung von sich selbst?

    Aber ich möchte bloß eine andere, ganz neue Erscheinung erwähnen: Ich brachte vor etwa drei Wochen einen Bierkasten vom Auto in die Getränkeabteilung von HIT. Der Kasten war schon vor der Tür leer. Jungs aus der Flüchtlingsunterkunft räumten ihn in gegenseitiger Konkurrenz in wenigen Sekunden aus. Das ist in meinen Augen ebenso ein ethisches Problem, wenn bereits Kinder sich erniedrigen (müssen?), um ein paar Cent auf diese Art zu bekommen oder zu erbetteln. Klar, mit den Problemen ihrer kurz zurückliegenden Vergangenheit ist das nicht zu vergleichen. Ich konnte ihnen aber leider sprachlich nicht beibringen, dass der Stolz dies eigentlich verbietet.

    Weswegen ich aber eigentlich schreibe – der Artikel erinnerte mich im Ausgangspunkt an das, was mich auf meinen Touren durch die Natur und auch durch den Auwald immer wieder sehr aufbringt – Müll wo immer man will. Besonders an Waldzugängen, die nahe einer Straße liegen, wird abgeladen. Es ist nicht bloß Grünzeug aus dem Garten, was an sich schon gefährlich genug ist, denken wir nur an die fatale, offenbar nicht mehr beherrschbare Ausbreitung von Neophyten wie Japanischen Knöterich und Himalaja-Springkraut mit ökologischem Schaden, die anfangs per Gartengrün ausgebracht wurden. Ich bin immer wieder schockiert, was abgeladen wird. Auf einem Waldweg stehen Sessel und Couch, an einem Bahndamm bei Großpösna wirft eine Malerfirma alles weg, was bei einer Wohnungssanierung anfiel usw. usf.

    Der Chef vom Nationalpark Sächsische Schweiz erzählte mir von etwa 5 t Müll nach dem Herrentag 2015, nur an den für die Mitarbeiter mit Fahrzeugen zugänglichen Wegen aufgesammelt. Tausende Bierflaschen fliegen ins Grün, was ich selber beobachten musste. In den Hohburger Bergen habe ich selbst in diesem für Leipziger Kletterer interessanten Gebiet von Steinbrüchen an Aufräumaktionen in den letzten Jahren teilgenommen und war enttäuscht, was man erreichen kann. Der oberflächliche Müll ist der der letzten 2 bis 3 Jahre, sehr viel mehr hat die Vegetation bereits überwachsen. Und im nächsten Frühjahr säumen neue Müllstreifen die Straßen zwischen den Steinbrüchen.

    Berichte von solchen Aktionen loben zwar den Einsatz der Freiwilligen, aber geben leider den Verursachern eher das Gefühl, dass doch da jemand sei, der ihnen den Dreck hinterherräumt. Die Stadtreinigung wird ebenso nur gelobt oder getadelt, weil sie nach einer Großveranstaltung den Müll geschafft oder nicht geschafft hat. Sollte man nicht andere Wege gehen? Der Pfand kann viel erreichen.

    Bei den Aufräumaktionen um die Steinbrüche fand ich manche Gegenstände, die den Verursacher identifizieren würden, kämen sie im nächsten Dorf „auf den Pranger“. So beispielsweise ein Kinderwagen oder ein kleiner Tresor. Mir ist klar, welche Schwierigkeiten und welchen Aufwand Ermittlungen mit sich bringen würden, in einer Großstadt noch viel größere.

    Müssen wir nicht eine grundsätzliche Erziehung zum Schutz der Landschaft voranbringen? Die Stadt Leipzig bietet sehr gute Möglichkeiten der Müllerfassung, wobei einzelne Regeln zu überlegen wären (z.B. Laub und Grünzeug im Herbst kostenlos, ab Winter kostet es). Man kann aber nicht mehr bloß freundlich verlangen, Müll ordentlich zu entsorgen, keinen Müll in die Landschaft zu werfen oder Müll überhaupt zu vermeiden. Hier gehören drastischere Worte und Maßnahmen her, die softe Argumentation hat nicht viel in der angeblich aufgeklärten, modernen Gesellschaft gebracht.

    Mittlerweile wird so argumentiert, als sei die Verpackung in Ausmaß und Form der letzten Jahre und Jahrzehnte unvermeidlich. Die Jugend wird damit groß. Müll ist leider selbstverständlich geworden. Schafft man Arbeitsplätze mit einer übergroßen Verpackungsindustrie und mit einer entsprechend großen Abfallwirtschaft? Ist das nicht ein wunderlicher Kreislauf, der eigentlich nur bedrohliche Probleme schafft? Geht bei uns das Müllzeitalter los? Wir (D) gehen straff auf 20 Millionen t Verpackungsmüll pro Jahr zu. Und leider müssen wir allein von dieser Müllart mit mehreren Millionen Tonnen pro Jahr rechnen, die einfach in die Landschaft geworfen werden.

    Mit freundlichen Grüßen

    Matthias Ladusch

    p.s.: In meinem normalen Grundstück am Rande der Stadt habe ich selbst die Erfahrung machen müssen, wie viel Müll in den Jahren vor 2000 in der Erde blieb: 170 t habe ich von 900 Quadratmetern aussortiert und ausgesiebt. Und ich habe sehen müssen, dass Scherben, Plastik, Schlacke, selbst Knochen uns auf ewig erhalten bleiben werden.

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    2 KOMMENTARE

    1. Wenn jeder Bürger etwas Umweltbewusstsein hätte, dann wäre unsere Umwelt nicht so vermüllt. Ich jedenfalls schmeiße weder Müll auf die Straße, noch in den Wald und habe auch mein Kind so erzogen. Ich kann es absolut nicht nachvollziehen, dass Menschen ihre alten Möbel usw. im Wald entsorgen. Solche Leute müssen drastische Strafen erhalten! Zumal die Abgabe im Wertstoffhof kostenlos ist. Ich finde, dass es nur über Geld zu regeln ist, was anderes verstehen viele gar nicht mehr. Also den Pfand erhöhen, auch für Bierflaschen. Vielleicht auch z. B. eine Art Pfand auf weiße Ware, bei Abgabe im Wertstoffhof 30 € zurück, dann schmeißt das keiner in die Natur. Und Leute, die sich etwas zum Lebensunterhalt dazuverdienen müssen, halten so auch die Umwelt mit sauber! Für eine gute Tat auch noch Geld bekommen, das stärkt auch das Selbstbewusstsein!

    2. Nur mal kurz so nebenbei – wer sich „erniedrigen“ muss, um an ein paar Cent zu kommen kann sich mit Stolz normalerweise nicht lang aufhalten. Ich weiß gar nicht, wie man in dem Zusammenhang auf solche Gedanken kommen kann.

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