Der von Extinction Rebellion initiierte “Aufstand gegen das Aussterben” in Berlin klingt aktuell mit kleineren Einzelaktionen im Laufe der nächsten Tage aus. Insgesamt 6000 Menschen aus ganz Deutschland protestierten seit dem 7. Oktober mit mehrtägigen Blockaden und massenhaftem zivilen Ungehorsam gegen die lebensgefährdenden Bedrohungen durch die ökologische Krise, das unzureichende Klimaschutzgesetz und für eine sichere und gerechte Klimapolitik.

“Hunderte Menschen zwischen 12 und 70 Jahren haben nachts bei Wind und Wetter auf den Straßen Berlins unter freiem Himmel Straßenblockaden gehalten, sich zum Teil über 30 Stunden lang angekettet und angeklebt, um gegen die Untätigkeit unserer Regierung und für unsere drei Forderungen zu protestieren. Gleichzeitig haben wir den zivilen Ungehorsam als politisches Instrument mehrheitsfähig gemacht”, sagt Kristin Mudra.

Mehrtägige Blockaden gab es am großen Stern, dem Potsdamer Platz, der Marschallbrücke und der Stresemannstraße vor dem Bundesumweltministerium. Es kam dabei zum Teil zu massiven Störungen des Hauptstadtverkehrs. Kleinere Gruppen mit 5 bis mehreren hundert Rebell:innen besetzten symbolisch Parteizentralen der CDU und der Grünen, führten Aktionen vor dem Bundeskanzleramt, den Ministerien für Umwelt, Verkehr und Inneres aus und blockierten mit dezentralen sogenannten “Swarmings” temporär den Hauptstadtverkehr.

Alle Proteste verliefen wie angekündigt kreativ, friedlich und gewaltfrei. Bis auf wenige Einzelfälle durch Schmerzgriffe der Polizei im Rahmen von Räumungen kam es zu keinen gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei oder Autofahrer:innen. 15 Personen wurden von der Polizei in vorläufigen Gewahrsam genommen. Alle befinden sich inzwischen wieder auf freiem Fuß.

Weltweit protestierten Menschen in 56 Ländern im Rahmen der International Rebellion. Dabei wurden insgesamt 2270 Menschen festgenommen.

Substanzielle Reaktionen von Politiker:innen blieben jedoch bislang aus.

“Unsere drei Forderungen sind nicht erfüllt worden und die Regierung hat nicht reagiert. Unsere Politiker:innen haben gezeigt, dass sie weder die Wissenschaft noch die berechtigten Sorgen und Ängste der Bürger:innen ernst nehmen. Damit blockieren sie weiter den notwendigen sicheren und gerechten Klimaschutz.” so Maximilian Hierhammer.

Extinction Rebellion bewertet die Woche dennoch als Erfolg:

Blockaden können geräumt werden. Eine Bewegung nicht. Die notwendige Klima- und Umweltpolitik – Ausrufen des Nationalen Klimanotstands, Klimaneutralität bis 2025 und die Einberufung einer nationalen Bürger:innenversammlung – die das Überleben der Menschheit sichern würde, ist noch nicht ansatzweise in Sicht. Deswegen werden wir deutschlandweit weiter Druck ausüben: auf unsere Politiker, und auf unser toxisches System. Aktuell kehren tausende Menschen in die über 100 Ortsgruppen in ganz Deutschland zurück, um ihre Erfahrungen mit zivilem Ungehorsam mit den Zuhausegebliebenen zu teilen. Die Rebellion hat erst begonnen.”, sagt Lu Yen Roloff.

Die Unterstützung, die Extinction Rebellion aus der Zivilgesellschaft und von den Berliner:innen vor Ort erfahren hat, zeigt: die Rebellion steht erst am Anfang. Wenn die Politik weiterhin so tatenlos bleibt, werden sich immer mehr Menschen unserem friedlichen Protest anschließen – solange, bis wir Erfolg haben.”, sagt Cléo Mieulet.

Die Aktionen im Überblick:

07. – 10. 10. Blockade Großer Stern (52 h)
Mit einer spektakulären Nachtaktion haben ca. 2000 Menschen in der Nacht von Sonntag auf Montag den großen Stern besetzt und damit die Protestwoche eingeläutet. Um 12.05 hielt Carola Rackete die Eröffnungsrede, ein Banner wurde von der Siegessäule heruntergelassen und mit Unterstützung vieler Berliner hielt die Blockade trotz Regen und Kälte über 52h. .

07.- 08. 10. Blockade Potsdamer Platz (24h)
Am Montag, dem 7. Oktober ab 12 Uhr 5 haben etwa 2000 Menschen auf dem Potsdamer Platz gezeigt, wie das Leben aussehen könnte, wenn wir nicht nur politische und gesellschaftliche Strukturen in unserem toxischem System verändern – sondern auch unsere Kultur und unseren Umgang mit anderen Lebewesen und Menschen. Zwischen Zirkuszelt, mitgebrachten Sofas und Sesseln, einer Bücherwand und LKW Bühne mit Konzerten von Selig und die Höchste Eisenbahn brachten BerlinerInnen eigene kreative Elemente mit und verwandelten die graue Betonwelt in eine offene Gartenlandschaft für Musik, Gemeinschaft und Workshops. Menschen zwischen 12 und 68 Jahren ketteten sich über Nacht unter einem LKW, an mehreren mit Beton gefüllten Badewannen sowie einer pinken Kutsche an. 300 Menschen verbrachten die Nacht solidarisch mit ihnen. Ab 6 Uhr begann die Räumung des Platzes.

09.10. Blockade Mühlendammbrücke

Auf der Mühlendammbrücke haben über 400 Rebellen*innen den Übergang für viele Stunden blockiert. Es gab Yoga, Gitarrenmusik und Festivalstimmung. Danach wurden spontan von mehreren hundert Menschen die Jannowitzbrücke und die Oberbaumbrücke blockiert. Jannowitzbrücke und Oberbaumbrücke wurden in den Nachtstunden geräumt.

09.10 Blockade Kurfürstendamm

Extinction Rebellion Youth haben den Kurfürstendamm mit etwa 600 Menschen besetzt. Sie versammelten sich dort unter dem Motto “Shoppen ist kein Hobby” und kritisierten die Konsumorientierung unserer Innenstädte.

09.10. – 11.10. Blockade Marschallbrücke

Ca 1500 Menschen blockierten für 2 Tage und Nächte die Spreebrücke mit Blick auf Reichstag und ARD Hauptstadtstudio. Ein Floß und eine Müllwelle bildeten das Zentrum der Blockade, die unter dem Motto der friedlichen Rebellion anlässlich des 30. Jahrestages der friedlichen Revolution in der DDR stand.

09.10. Schweigeminute für die Opfer von Halle und Rojava

Anlässlich der schrecklichen Vorfälle in Halle und der Vorkommnisse in Rojava fanden um 19 Uhr am Ku’damm, der Oberbaumbrücke, der Marschallbrücke und der Jannowitzbrücke zwei Schweigeminuten für den Wunsch nach Frieden und für die Opfer von Halle und für die Menschen in Rojava statt. Menschen mit Kerzen begaben sich trauernd zur Blockade auf der Marschallbrücke. Delegiertenplena der XR-Gruppen beratschlagten, wie sie angesichts dieser Vorfälle an diesem Tag weitermachen wollen.

11.10-13.10 Blockade Bundesumweltministerium (48h)

Besetzung des Haupteingangs des Bundesumweltministeriums sowie Blockade der Stresemannstraße ab 14:00 mit ca 3000 Menschen, mit Überraschungskonzerten der Musiker Acid Pauli, Bonaparte und Monolink. Verlesung des offenen Briefes an das Bundesumweltministerium unter Anwesenheit von Ressortleiter Klimaschutz Karsten Sach, offene KinderVersammlung, mehrere offene Versammlungen, Kulturprogramm

Internationale Highlights der “International Rebellion”

  • Friedliche Aktionen in 56 Ländern weltweit
  • Paralympischer Sportler James Brown klettert im Flughafen London City Airport auf ein
  • BA Flugzeug, um den Flugverkehr zu stören und gegen den weiteren Ausbau von Flughäfen
  • zu protestieren
  • Jane Fonda in Washington und die belgische Prinzessin Esmeralda in London wurden bei
  • den Protesten festgenommen
  • Hartes Vorgehen der Polizei in Belgien, 435 Festnahmen in Brüssel
  • Razzien im Vorfeld der Rebellion in London, präventive Festnahmen, die Polizei konfiszierte u.A. Rollstühle und pinke Kissen
  • In Rom sind 15 Rebellen in den Hungerstreik getreten, es ist nun Tag 7

Aufstand statt Aussterben: „Extinction Rebellion“ vor Großaktion

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