Die Schließung der Bildungseinrichtungen wegen der Corona-Krise stellt viele junge Menschen vor Probleme. Zum Ende der Online-Demonstration “Bildungskrise”, die vom 2.-9. April stattfindet, fordern die Jusos Sachsen gemeinsam mit den Juso-Hochschulgruppen Sachsen und den Juso-Schüler*innen- und -Auszubildenden-Gruppe Sachsen (JSAG) deutliche Nachbesserungen für junge Menschen in Sachsen.

Dazu erklärt Ann-Kathrin Zierau, Stellvertretende Landesvorsitzende der Jusos Sachsen: “Als Jusos Sachsen stehen wir für eine emanzipatorische Bildung zu der alle Menschen Zugang haben – unabhängig von ihrer sozialen oder ökonomischen Herkunft. Die Ungerechtigkeit im Bildungssystem zeigt sich in der Krise besonders deutlich.

Unsicherheit in der Studienfinanzierung, Online-Vorlesungen als kaum zu bewältigende Herausforderung und Schüler/-innen, die nicht wissen, wie es mit ihrem Schulalltag weitergehen soll. Egal ob in Schule, Uni oder Ausbildung – der Zugang zu Bildung setzt bei einer Krise, die viel digitalen Austausch benötigt, sowohl mobile Endgeräte als auch ein gut ausgebautes Netz voraus. Wer eigene Endgeräte und ein gut ausgestattetes Elternhaus hat, kann eher partizipieren.

Die 5G an jeder Milchkanne, die Anja Karliczek noch für unnötig hielt, würden jetzt den ländlichen Raum und somit auch den Zugang zu Online-Angeboten deutlich unterstützen. Die Corona-Krise hat diese Zustände nicht geschaffen, sondern nur offen gelegt, was ohnehin schon seit Jahren schief liegt: fehlender Zugang zu Bildung und die Selektivität im Bildungssystem, die nicht zuletzt durch die Kaputtspar-Mentalität der CDU auch noch verschärft wurde.”

Julius Reim, Landeskoordinator der Juso-Hochschulgruppen Sachsen, ergänzt: “Dass die Corona-Krise eine Bildungskrise ist, zeigt sich auch an den sächsischen Hochschulen. Viele Studierende haben Existenzängste, weil Nebenjobs wegfallen oder ihre Eltern arbeitslos werden. Die Reaktion des Wissenschaftsministeriums, welche Nebenjobs als ‘Zubrot’ bezeichnet (Fußnote: Quelle: https://www.mdr.de/wissen/bildung/corona-universitaeten-hochschulen-100.html ), nimmt die begründeten Sorgen der Studierenden nicht ernst und bietet keine sinnvolle Lösung.

Stattdessen muss schnellstmöglich der Zugang zum BAföG erleichtert werden, etwa über die Schaffung von Notanträgen. Auch die Soforthilfen der Studierendenwerke müssen deutlich erhöht werden, um Einkommensausfälle zu überbrücken. Wir Juso-Hochschulgruppen begrüßen, dass die sächsischen Hochschulen notwendige Maßnahmen gegen die Pandemie ergreifen. Die Digitalisierung wurde in den letzten Jahren jedoch verschlafen, weshalb Online-Lehre zu vielen Unwägbarkeiten führt.

Deshalb fordern wir: Das Sommersemester darf nicht für die Regelstudienzeit oder für Langzeitstudiengebühren gezählt werden, um eine zusätzliche Prekarisierung von Studierenden zu vermeiden.” Zusätzlich verweist Reim auf die Forderungen des breiten Bündnisses Solidarsemester (Fußnote: https://solidarsemester.de/ ), welches sich auf Bundesebene gegründet hat  und u.a. von den Juso-Hochschulgruppen getragen wird.

Abschließend erklärt Editha Matthes, Landeskoordinatorin der Juso-Schüler*innen- und -Azubis Sachsen: „Das sächsische Bildungssystem ist ungerecht, unter anderem weil es Kinder aus Akademiker*innenfamilien bevorzugt. Diese Ungerechtigkeit tritt in diesen Zeiten verstärkt zutage, weil Kinder aus sogenannten bildungsfernen Familien häufig nicht bei der Erledigung der Schulaufgaben geholfen werden kann.

Der fehlende Unterricht darf in der folgenden Zeit bei den Schüler*innen nicht zu schlechten Noten führen. Unabhängig vom Selbstlernen im Home Office muss nach Ende der Schulschließungen kostenfreier Nachhilfeunterricht ermöglicht werden. Wir fordern, dass das Land Sachsen einen Nachhilfe-Topf auflegt, aus dem Schüler*innen mit schlechten Noten die Nachhilfe bezahlt wird.

Ein weiteres Problem ist die vorherrschende Unsicherheit, denn es muss endlich klar sein, ob das Abitur verschoben wird oder nicht. Wir fordern eine Verschiebung, um selbst erarbeiteten prüfungsrelevanten Unterrichtsstoff gemeinsam durchzugehen und zu üben. Außerdem belastet die fehlende Digitalisierung den Unterricht aus dem Home Office. Es muss sichergestellt werden, dass allen Schüler*innen mobile Endgeräte zur Verfügung stehen – auch jenen, die es sich eigentlich nicht leisten könnten.

Zudem müssen die Rahmenbedingungen des Home Office ausgebaut werden, um so pädagogisch sinnvollen Unterricht, beispielsweise über Einzel-Konsultationen, zu ermöglichen. Dieses System könnte auch nach der Corona-Pandemie von Nutzen sein, beispielsweise im Krankheitsfall von Schüler*innen. Um dieses Home Office-System zu realisieren, müssen natürlich die Lehrkräfte geschult werden. Bei den genannten Forderungen muss auch dort das Land finanziell aushelfen. Es ist jetzt an der Landesregierung, zu verhindern, dass unter der Corona-Krise die Schwächsten besonders leiden.

Auch für Auszubildende gibt es ungenügende Online-Angebote, die nur den theoretischen Teil der Ausbildung abdecken können. Den praktischen Teil der Ausbildung können viele Betriebe momentan nur schwer leisten, da sie um ihre Existenz kämpfen müssen. Auszubildende dürfen nicht vernachlässigt werden, wenn es um staatliche Hilfe an die Betriebe geht! Es muss gewährleistet werden, dass sie ihre Ausbildung erfolgreich abschließen können und weiterhin ihr volles Gehalt erhalten, wie es bisher der Fall ist.

Viele Auszubildende in Pflegeberufen leisten besonders jetzt einen wichtigen Dienst für die Gesellschaft. Die einmalige Bonus-Zahlung, welche die ver.di durchgesetzt hat, ist gut und richtig. Aber dabei darf es nicht bleiben! Auszubildende in sogenannten systemrelevanten Berufen brauchen eine faire Bezahlung und gute Ausbildungsbedingungen! Sie leisten eine wichtige Arbeit, machen oft und gerade momentan viele Überstunden und sind der Gefahr der Ansteckung direkt ausgesetzt.”

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