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Internationaler Inkontinenztag

(K)ein Tabuthema? Blasenschwäche wird erst unbehandelt zum richtigen Problem

Der unkontrollierbare Urinverlust ist für Erwachsene meist ein Tabuthema. Betroffene, die an Harninkontinenz leiden, schämen sich häufig dafür, vermeiden nicht nur den Gang zum Arzt, sondern auch zunehmend den sozialen und gesellschaftlichen Kontakt. Dabei lässt sich eine Blasenschwäche sehr gut behandeln. Anlässlich des Internationalen Inkontinenztag am 30. Juni erklärt Urologieexperte Prof. Dr. Amir Hamza, wie man das Leiden mit konservativen und operativen Methoden behandeln kann.

„Wir erleben viele Patienten, die sich selbst mit Windeln versorgen und aufgrund von Scham über die eigene Erkrankung lange den Arztbesuch umgehen. Ich denke, hier sind wir Mediziner und die Medien gefordert, das Thema in der Öffentlichkeit zu platzieren“, betont Professor Dr. Amir Hamza, Chefarzt der Klinik für Urologie und Andrologie am Klinikum St. Georg, eine der größten urologischen Kliniken Mitteldeutschlands. Rund 250 Patienten mit der Diagnose Inkontinenz werden hier jährlich behandelt.

Tatsächlich ist Blasenschwäche eine weit verbreitete Krankheit in Deutschland. Schätzungen zufolge leiden rund sechs Millionen Menschen unter unkontrollierbarem Harnverlust. Jedoch werden nur rund 15 Prozent von ihnen adäquat behandelt. Das liegt daran, dass viele Betroffene nicht wissen, wie erfolgreich man heute therapieren kann und sich deshalb nicht trauen, einen Arzt anzusprechen.

„Seit 15 Jahren arbeiten die Experten der Urologie und Gynäkologie im Leipziger Kontinenzzentrum erfolgreich interdisziplinär zusammen und schaffen damit wichtige Voraussetzungen für eine verbesserte Diagnostik und Therapie der verschiedenen Erkrankungen“, führt Dr. Iris Minde, Geschäftsführerin des Klinikums aus.

Frauen sind nahezu doppelt so häufig betroffen wie Männer. Dies hat vor allem anatomische Gründe, wie Chefarzt Professor Dr. Amir Hamza erklärt: „Die Harnblase besteht aus einer starken Muskelschicht, die durch den natürlich Alterungsprozess an Stärke und Elastizität verliert. Hinzu kommt, dass der Beckenboden bei Frauen sehr viel stärker beansprucht wird – auch und vor allem durch das Kinderkriegen – und

dieser im Alter schwächer wird.“ Aber auch neurologische Erkrankungen wie Moarbus Parkinson oder Multiple Sklerose gehen mit Blasenentleerungsstörungen einher.

Doch Inkontinenz ist nicht gleich Inkontinenz. Mediziner unterscheiden verschiedene Arten von Blasenschwäche, denen nicht nur unterschiedliche Symptome, sondern auch verschiedene Ursachen zugrunde liegen. Entsprechend stark variieren auch die Therapien, wobei in fast allen Fällen zunächst eine medikamentöse Therapie veranschlagt wird.

Unterstützend wird häufig auch Physiotherapie verordnet, um den Beckenboden zu stärken. Bleiben alle konservativen Behandlungsversuche erfolglos, wird die Ursache operativ behoben. Am Kontinenzzentrum werden beispielsweise Blasenschrittmacher oder Inkontinenzbänder implantiert, aber auch die operative Beckenbodenstabilisierung oder bei Männern die Verkleinerung der Prostata gehören ins Leistungsspektrum.

Ob nun konservativ oder operativ: Fast immer kann eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität durch die Inkontinenzbehandlung erreicht werden. Regelmäßige Beckenbodenübungen, sportliche Betätigung, eine gesunde Lebensführung und das Trainieren der Blase sind sowohl vorbeugend als auch im Nachgang einer Behandlung sinnvoll, um eine (erneute) Inkontinenz zu vermeiden.

Machtgefälle im Kopf. Die neue „Leipziger Zeitung“ Nr. 80 ist da: Was zählt …

 

 

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