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Über 50.000 Film- und Tonminuten digitalisiert: Zwischenbilanz zur Sicherung des audiovisuellen Erbes in Sachsen

Von Sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus
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    Vor einem Jahr startete das Programm zur Sicherung historischer Film-, Video- und Tonaufnahmen im Freistaat Sachsen. Seitdem wurden 1.800 Filme, Tondokumente und Lokal-TV-Sendungen mit einer Gesamtlaufzeit von 52.000 Minuten und einem Datenvolumen von 88 Terabyte digitalisiert, katalogisiert, langzeitarchiviert und der Öffentlichkeit, wo möglich, rechtssicher zur Verfügung gestellt.

    Es handelt sich um bedeutsame Aufnahmen, die in Museen, Archiven, Bibliotheken und weiteren Sammlungen lagern. Die beiden jüngsten Digitalisierungsprojekte sind nun online verfügbar: historische Tourneeaufnahmen der Sächsischen Staatskapelle und eine Radioreihe mit Aufklärungssendungen aus dem Archiv des Deutschen Hygiene-Museums.

    Die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) und der Filmverband Sachsen koordinieren das Programm zur Sicherung des audiovisuellen Erbes in Sachsen. 350.000 Euro pro Jahr stellte das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus 2019 und 2020 zur Verfügung, damit Sachsens Bild- und Tonschätze ins digitale Zeitalter gerettet werden können.

    Barbara Klepsch, Sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus: „Das Programm ist aus Sicht des Freistaates sehr wertvoll, denn die Aufnahmen sind ein wichtiger Bestandteil unseres Kulturgutes. Das Besondere sind die einzigartigen Einblicke in die originalen Filme und Tonaufnahmen, die von besonderem landesweitem Interesse sind und über die Landesgrenzen hinaus wirken. Diese zu erhalten, ist jedoch nicht nur aus wissenschaftlicher und kultureller Sicht von großer Bedeutung, sondern auch ein wichtiger Baustein für die Identifikation der Menschen mit ihrer sächsischen Heimat“.

    Dr. Achim Bonte, Generaldirektor der SLUB, fügt hinzu: „Audiovisuelle Zeugnisse aus der vordigitalen Zeit enthalten einen enormen Wissensschatz, den wir langfristig bewahren und leicht zugänglich machen sollten. Das sächsische Programm zur Erhaltung des audiovisuellen Erbes ist eines der ersten auf Länderebene und ergänzt vortrefflich das bewährte Landesdigitalisierungsprogramm für Wissenschaft und Kultur des Freistaats. Es setzt damit den schon bisher verfolgten Kurs fort, die Herausforderungen der digitalen Transformation in Sachsen möglichst abgestimmt und auf einheitlicher technischer Grundlage anzugehen.“

    Die jüngsten Digitalisate zeichnen ein vielfarbiges Geschichtsbild des Freistaates Sachsen: von den Stimmen gefeierter Semperoper-Diven bis hin zu pragmatischen Gesundheits- und Erziehungstipps vom Heuschnupfen bis zum Umgang mit dem Jugendproblem der Halbstarken, die in den fünfziger und sechziger Jahren über den Äther gingen. Letztere stammen aus dem Archiv des Deutschen Hygiene-Museums, ein bislang weitgehend unentdeckter Forschungsschatz.

    Susanne Roeßiger, Leiterin der Abteilung Sammlung am Deutschen Hygiene-Museum Dresden: „Wir freuen uns, dass nun im Rahmen des sächsischen Programms zur Erhaltung des audiovisuellen Erbes u. a. alle im Deutschen Hygiene-Museum noch auf Magnettonbändern überlieferten ca. 130 Radio-Kurzvorträge digitalisiert werden konnten. Diese Digitalisierung ist zum einen essentiell für den langfristigen Erhalt der Vorträge.

    Zum anderen können wir sie endlich hören, dokumentieren und einordnen. Die historischen Tondokumente sind jetzt zugänglich und stehen für Ausstellungen, Forschungsvorhaben, historische Dokumentationen in den Medien usw. zur Verfügung.“

    Ein weiteres Digitalisierungsprojekt wurde ebenfalls kürzlich abgeschlossen: 33 Schmalfilme, die der Solobratscher Alfred Schindler auf Dutzenden von Konzerttourneen der Sächsischen Staatskapelle von 1955 bis 1983 mit einer Handkamera aufnahm. Die Filme aus Familienbesitz zeichnen ein authentisches Bild der damaligen Kapellreisen und porträtieren Land und Leute mit ganz besonderer Wirkung für Schindlers privates Umfeld im Dresden jener Zeit.

    Gabriele Schacht, Tochter von Alfred Schindler: „Die Filme, die mein Vater von seinen Reisen mit der Staatskapelle mitbrachte, waren für uns Kinder ein faszinierendes Fenster in die weite Welt. Seine Kollegen im städtischen Trubel von London oder Tokio zu sehen – darüber staunten wir in einer Zeit, in der solche Reiseziele für uns unerreichbar schienen.

    Nach der Wende haben wir dann einige seiner Tourneeorte selbst besucht. Die Filme waren der Anlass dafür. Es ist natürlich schade, dass mein Vater die Veröffentlichung nun nicht mehr selber erleben kann – aber doch sehr schön, dass seine Erinnerungen auf diese Weise weiterleben.“ Von ebenso großer Bedeutung sind die Konzertfilme für die wissenschaftliche Erschließung.

    Janine Schütz, Leiterin des Historischen Archivs der Sächsischen Staatstheater: „Die privat gedrehten Schmalfilme unseres langjährigen Solobratschers Alfred Schindler stehen nun neben den ‚offiziellen‘ Film- und Fernsehmitschnitten, die von der Staatskapelle aufgenommen wurden, und zeigen Kapellgeschichte aus einem ganz besonderen Blickwinkel. Hier werden die Orchestermitglieder, die allabendlich gemeinsam den berühmten Kapellklang herstellen, ganz privat sichtbar.“

    André Eckardt, Projektleiter des Programmes zur Sicherung des sächsischen audiovisuellen Erbes an der SLUB, betont: „Alle digitalisierten Aufnahmen aus dem Programm sind, soweit möglich, in der Online-Mediathek der SLUB zugänglich und werden ab 2021 auch auf Sachsens zentraler Plattform sachsen.digital zu finden sein. Dafür entwickeln wir momentan einen neuen digitalen Audio- und Videoplayer.“

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