Landwirte haben ein großes Potenzial, den Artenschutz weltweit voranzutreiben. Bislang wird dieses noch zu wenig genutzt. Wie sich das ändern ließe, zeigt ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) in einer neuen Studie im Fachjournal „Global Ecology and Conservation“.

Hierfür befragten die Forschenden 560 Landwirte weltweit nach ihrem Wissen über die lokale Bestäubervielfalt und auch dazu, wie sie sich für das Thema engagieren. Die Ergebnisse geben wichtige Hinweise für die Politik und die Wissenschaft.

Knapp 40 Prozent aller Landflächen weltweit werden landwirtschaftlich genutzt. „Landwirte haben deshalb viel Verantwortung: Wie sie ihre Flächen bewirtschaften, hat einen großen Einfluss auf die Umwelt und auch auf die Artenvielfalt vor Ort“, sagt die Biologin Julia Osterman von der MLU, die die neue Studie geleitet hat. Bislang sei jedoch zu wenig über das Wissen und die Einstellungen von Landwirten zu dem Thema bekannt gewesen.

Das Team befragte 560 Landwirte aus elf Ländern in Europa, Mittelamerika, Asien und Ozeanien zu deren Wissen und Einstellungen über Insekten und Bestäuber, wie sie sich für den Artenschutz engagieren und welche Unterstützung sie sich in dem Bereich wünschen. „Die mit Abstand wichtigsten Bestäuber waren in unserer Umfrage Honigbienen und Wildbienen. Häufig werden die Tiere, insbesondere Honigbienen, von Landwirten direkt gehalten, um die Bestäubung auf ihren Pflanzenkulturen sicherzustellen“, so Osterman.

Doch auch in der Forschung bislang wenig beachtete Bestäuber, zum Beispiel Fliegen, seien häufig als wichtige Bestäuber genannt worden. Ob die Landwirte ein Insekt für wichtig erachteten, hing stark von den lokalen Begebenheiten ab. Zum Beispiel bewerteten Avocadobauern in Australien Fliegen als sehr wichtig, während diese in anderen Ländern überhaupt keine Rolle spielten. „Das liegt vor allem daran, welche Insekten in den jeweiligen Regionen häufig vorkommen“, so Osterman. Tatsächlich stimmten die Beobachtungen der Landwirte in der Regel mit offiziellen Angaben zum Vorkommen der Insekten überein.

„Landwirte verfügen über ein sehr großes Wissen zu Bestäubern. Das sollte bei der Planung von Maßnahmen zum Artenschutz nicht unterschätzt werden“, so Osterman. Etwa ein Viertel der Befragten gab an, Blühstreifen oder Hecken für Insekten angelegt zu haben. „Diese Maßnahmen wurden vor allem in den Ländern umgesetzt, in denen es auch staatliche Subventionen dafür gibt“, so Osterman.

Doch auch ohne staatliche Förderung bemühten sich Landwirte, etwas für den Schutz von Insekten zu tun. Hier sieht Osterman Verbesserungsbedarf, um dieses Potenzial noch besser zu nutzen: „Es sollte flexiblere Fördermöglichkeiten geben, die sich an den lokalen Begebenheiten orientieren und in der Praxis gut umsetzbar sind.“

Die Bereitschaft, sich noch stärker für den Artenschutz zu engagieren, sei laut der Umfrage bei den Landwirten vorhanden. „Viele der Befragten gaben außerdem an, dass sie sich einen stärkeren Austausch mit der Wissenschaft zu diesem Thema wünschen. Hierfür bedarf es neuer Kooperations- und Dialogformate zwischen Forschung und Praxis“, so Osterman abschließend.

Die Studie wurde unterstützt durch das Graduiertenkolleg ESCALATE und durch SUPER-B, eine Maßnahme im Rahmen der European Cooperation in Science and Technology COST.

Studie: Osterman J. et al. On-farm experiences shape farmer knowledge, perceptions of pollinators, and management practices. Global Ecology and Conservation (2021). doi.org/10.1016/j.gecco.2021.e01949

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